Weitere Unruhen in Frankreich - Beerdigung am Nachmittag
01.07.2023 - 13:02:02 | dpa.dePlĂŒnderungen, BrĂ€nde, Gewalt: Erneut haben nĂ€chtliche Krawalle Frankreich in Atem gehalten. In der Nacht zum Samstag wurden einem vorlĂ€ufigen Bericht des Innenministeriums zufolge 1311 Menschen festgenommen - deutlich mehr als in den NĂ€chten zuvor. 406 Menschen wurden demnach allein in Paris festgenommen. 79 Polizisten seien verletzt worden. In der Nacht zuvor waren es deutlich mehr.
Auslöser der Unruhen war der Tod eines 17-JĂ€hrigen bei einer Polizeikontrolle am Dienstag. Eine Motorradstreife in Nanterre bei Paris hatte den 17-jĂ€hrigen Nahel am Morgen am Steuer eines Autos gestoppt. Als der junge Mann plötzlich anfuhr, fiel ein tödlicher Schuss aus der Dienstwaffe des Polizisten. Der Polizist, der fĂŒr Nahels Tod verantwortlich gemacht wird, kam in Untersuchungshaft. Gegen ihn wurde ein förmliches Ermittlungsverfahren wegen Totschlags eingeleitet. Der Vorfall sorgte landesweit fĂŒr BestĂŒrzung, Frankreich wird seitdem von heftigen Krawallen erschĂŒttert.
1350 Autos ausgebrannt
Frankreichs Innenminister GĂ©rald Darmanin sagte am frĂŒhen Morgen, dass die Gewalt in dieser Nacht von «geringerer IntensitĂ€t» gewesen sei als zuvor. Er setzte landesweit 45.000 Polizisten in der Nacht ein, darunter auch SpezialkrĂ€fte. Doch trotz der massiven PolzeiprĂ€senz mit gepanzerten Fahrzeugen und Hubschraubern kam es vielerorts zu BrĂ€nden und PlĂŒnderungen. 1350 Autos sind dem Innenministerium zufolge ausgebrannt. Insgesamt habe es 2560 Brandherde auf öffentlichen StraĂen gegeben. AuĂerdem seien 31 Polizeiwachen angegriffen worden. In der vorherigen Nacht waren den Behörden zufolge noch 1900 Autos ausgebrannt.
WĂ€hrend es im GroĂraum Paris ruhiger zuzugehen schien als in den NĂ€chten zuvor, spitzte sich die Lage im SĂŒden Frankreichs zu. In Marseille wurde Medienberichten zufolge eine Waffenkammer geplĂŒndert, und sieben Gewehre gestolen. Die Polizeigewerkschaft Alliance Police sprach im Fernsehsender franceinfo von einer «Nacht voller Chaos mit Szenen beispielloser Gewalt gegen die Polizei, PlĂŒnderungen, Mörserfeuer.» In Lyon explodierte ein Postamt. Im ganzen Land wurden RathĂ€user in Brand gesteckt.
Ab Nachmittag richten sich die Blicke wieder auf Nanterre, dem Heimatort des erschossenen 17-JĂ€hrigen nahe Paris. Er soll dort beigesetzt werden. Medienberichten zufolge wĂŒnscht die Familie keine Journalisten bei der Beerdigung. Beobachter befĂŒrchten, dass die Beisetzung das Klima erneut aufheizen könnte.
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