Israel erklĂ€rt groĂe FlĂ€che im Westjordanland zu Staatsland
03.07.2024 - 16:11:32Israels Zivilverwaltung hat rund 1270 Hektar im Westjordanland zu israelischem Staatsland erklĂ€rt. Das entspricht einer FlĂ€che von fast 13 Quadratkilometern. Die israelische Menschenrechtsorganisation Peace Now sprach von der gröĂten Landnahme seit dem Osloer Friedensvertrag, den Israelis und PalĂ€stinenser 1993 unterzeichnet hatten. Das entsprechende Dekret zur Inbesitznahme habe die zustĂ€ndige israelische Regierungsbehörde im Westjordanland bereits im Juni unterzeichnet. Der Beschluss sei aber erst heute veröffentlicht worden.
Insgesamt seien in diesem Jahr bereits 2370 Hektar (fast 24 Quadratkilometer) zu Staatsland erklĂ€rt worden. «Die ErklĂ€rung von Staatsland ist eine der wichtigsten Methoden, mit denen der Staat Israel versucht, die Kontrolle ĂŒber Land in den besetzten Gebieten durchzusetzen. Land, das als Staatsland deklariert wurde, gilt in den Augen Israels nicht mehr als Privatbesitz von PalĂ€stinensern. Sie werden daran gehindert, es zu nutzen. DarĂŒber hinaus verpachtet Israel Staatsland ausschlieĂlich an Israelis», so Peace Now. Demnach sei ein groĂer Teil des Gebiets zuvor etwa als Naturschutzgebiet ausgewiesen gewesen.
Israelische Medien berichteten, dass indes israelische Siedler im Westjordanland israelische SicherheitskrĂ€fte angriffen, die einen illegalen Siedlungs-AuĂenposten auflösten und provisorische GebĂ€ude auf privatem palĂ€stinensischem GelĂ€nde zerstörten. Sie hĂ€tten etwa Molotowcocktails auf die EinsatzkrĂ€fte geworfen und aus Protest gegen die RĂ€umung ein Fahrzeug in Brand gesetzt. Sie hĂ€tten auch die Windschutzscheibe eines Wagens, der einem Beamten der Zivilverwaltung gehört, zertrĂŒmmert. Die Auflösung des AuĂenpostens wurde zuvor von der israelischen Regierung gebilligt. 70 Grenzpolizisten seien dabei im Einsatz gewesen.
Israel hatte wĂ€hrend des Sechs-Tage-Krieges 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute inmitten drei Millionen PalĂ€stinensern rund 700.000 israelische Siedler. 1993 waren es laut Peace Now noch 250.000. Israel unterscheidet zwischen Siedlungen, die mit Genehmigung der Regierung entstanden sind, und «wilden Siedlungen», die mitunter per Gesetz rĂŒckwirkend legalisiert werden. Aus internationaler Sicht sind dagegen alle Siedlungen illegal.Â
Israels rechts-religiöse FĂŒhrung treibt den Siedlungsbau trotz internationaler Kritik voran. Laut der israelischen Menschenrechtsorganisation Peace Now wurden seit Amtsantritt der Regierung Ende 2022 so viele neue israelische Wohneinheiten im besetzten Westjordanland genehmigt wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnung durch die Organisation im Jahr 2012. 2024 sei ein Rekordjahr der Landnahme.
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