Lettland, Parlamentswahl

Lettland: Kulbergs gewinnt Parlamentswahl mit 35,4 Prozent deutlich

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 06:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Vereinigte Liste von MinisterprĂ€sident Andris Kulbergs hat die Parlamentswahl in Lettland mit 35,4 Prozent deutlich gewonnen. Das Ergebnis stĂ€rkt den proeuropĂ€ischen und proukrainischen Kurs, zugleich legten populistische KrĂ€fte spĂŒrbar zu.

MinisterprĂ€sident Kulbergs hat mit seinem BĂŒndnis die Wahl in Lettland klar gewonnen. - Bild: Alexander Welscher/dpa
MinisterprĂ€sident Kulbergs hat mit seinem BĂŒndnis die Wahl in Lettland klar gewonnen. - Bild: Alexander Welscher/dpa

Die Vereinigte Liste von MinisterprĂ€sident Andris Kulbergs hat die Parlamentswahl in Lettland mit 35,4 Prozent der Stimmen klar gewonnen und kann voraussichtlich erneut die Regierung anfĂŒhren.

Regierungspartei vervielfacht Wahlergebnis

Nach AuszĂ€hlung der Angaben aus 94 Prozent der Wahllokale lag das Mitte-Rechts-BĂŒndnis deutlich vorn. Im Vergleich zur vorigen Wahl konnte es sein Ergebnis mehr als verdreifachen.

Die Wahl gilt als BestĂ€tigung des proeuropĂ€ischen und proukrainischen Kurses des Regierungschefs. Lettland gehört der EuropĂ€ischen Union und der NATO an und grenzt an Russland sowie dessen VerbĂŒndeten Belarus.

Populisten gewinnen deutlich hinzu

ZweitstĂ€rkste Kraft wurde die Partei Lettland an erster Stelle mit 13,2 Prozent. SouverĂ€ne Macht kam auf 11,8 Prozent. Beide Parteien dĂŒrften insbesondere bei WĂ€hlerinnen und WĂ€hlern aus der russischstĂ€mmigen Minderheit Stimmen gewonnen haben.

Die linksgerichteten Progressiven erreichten 7,4 Prozent. Von den drei bisherigen Koalitionspartnern des MinisterprÀsidenten schafften nur die nationalkonservative Nationale Allianz mit 9,1 Prozent und die liberalkonservative Jauna Vienotiba mit 6,2 Prozent den Einzug.

Sechs Parteien ziehen ins Parlament ein

Insgesamt werden sechs der 14 angetretenen Parteien und WahlbĂŒndnisse in der Volksvertretung Saeima vertreten sein. Die Wahlbeteiligung lag nach bisherigen Angaben bei 51,8 Prozent.

Im Wahlkampf dominierten Fragen der nationalen Sicherheit und der Verteidigung. Daneben ging es um hohe Preise, niedrige GehĂ€lter, die angespannte Lage des Gesundheitssystems, Abwanderung und Überalterung. Lettland investiert stark in seine Sicherheit; dadurch fehlen nach Darstellung der politischen Debatte Mittel fĂŒr andere Bereiche, wĂ€hrend die Wirtschaft nur langsam vorankommt.

Sicherheitswahl an der NATO-Ostflanke

Die Wahl fĂ€llt in eine Phase, in der Lettland seine Sicherheitspolitik stark auf die Bedrohung durch Russland und Belarus ausrichtet. Nach den vorliegenden Hintergrundinformationen wurden wiederholt DrohnenvorfĂ€lle im lettischen Luftraum registriert; zudem unterstĂŒtzten deutsche Eurofighter und Bundeswehrsoldaten am Wahlwochenende die Absicherung des EU- und NATO-Staates.

Die klare Mehrheit fĂŒr die Vereinigte Liste stĂ€rkt damit zunĂ€chst den politischen Kurs, den Regierungschef Andris Kulbergs mit einer engen Bindung an EU, NATO und die Ukraine verbindet. Zugleich zeigt das Ergebnis, dass sicherheitspolitische Geschlossenheit nicht alle innenpolitischen Konflikte ĂŒberdeckt: Populistische Parteien erzielten deutliche Gewinne, insbesondere bei Teilen der russischsprachigen Minderheit.

Sozialer Druck begrenzt den Spielraum

Die kĂŒnftige Regierung muss deshalb zwei miteinander verbundenen Erwartungen gerecht werden. Einerseits dĂŒrfte sie den Ausbau von Verteidigung, Grenzschutz und internationaler Zusammenarbeit fortsetzen. Andererseits belasten hohe Preise, niedrige Einkommen, Abwanderung und ein chronisch angespanntes Gesundheitssystem den Alltag vieler Menschen.

Diese Spannung kann die Koalitionsbildung und die Regierungsarbeit prĂ€gen. Lettland steht vor der Aufgabe, seine Rolle an der östlichen EU- und NATO-Grenze zu behaupten, ohne soziale und wirtschaftliche Probleme weiter zu verschĂ€rfen. FĂŒr die Bevölkerung wird entscheidend sein, ob sich der außenpolitische Kurs mit spĂŒrbaren Verbesserungen bei Versorgung, Einkommen und öffentlicher Daseinsvorsorge verbinden lĂ€sst.

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