Wahlwiederholung, RumÀnien

Wahlwiederholung in RumÀnien - Rechtspopulist ist Favorit

04.05.2025 - 04:00:48

Liberale RumÀnen bangen um die Demokratie: Favorit bei dieser PrÀsidentenwahl ist ein Politiker, der einen Kremlfreund an die Macht bringen will, dessen Kandidatur das Verfassungsgericht verboten hat.

  • Der Rechtspopulist George Simion von der Partei AUR gilt als Favorit bei der PrĂ€sidentenwahl in RumĂ€nien. (Archivbild) - Foto: Andreea Alexandru/AP/dpa

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  • Crin Antonescu kandidiert fĂŒr das Amt des StaatsprĂ€sidenten in RumĂ€nien, unterstĂŒtzt von der bĂŒrgerlich-sozialdemokratischen Regierungskoalition. (Archivbild) - Foto: picture alliance / dpa

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  • Der parteilose BĂŒrgermeister von Bukarest, Nicusor Dan, ist die Hoffnung jener RumĂ€nen, die ihr Land weiter auf Demokratie- und Rechtsstaatskurs sehen wollen. (Archivbild) - Foto: Vadim Ghirda/AP/dpa

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  • Der parteilose frĂŒhere sozialdemokratische MinisterprĂ€sident Victor Ponta kandidiert fĂŒr das PrĂ€sidentenamt. Er rĂŒhmt sich guter Beziehungen zur Administration des US-PrĂ€sidenten Donald Trump. (Archivbild) - Foto: Vadim Ghirda/AP/dpa

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  • Der Kremlfreund Calin Georgescu darf nicht erneut fĂŒr das PrĂ€sidentenamt kandidieren, hat aber noch viele AnhĂ€nger, die andere Extremisten fĂŒr sich gewinnen wollen. (Archivbild) - Foto: Vadim Ghirda/AP/dpa

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Der Rechtspopulist George Simion von der Partei AUR gilt als Favorit bei der PrĂ€sidentenwahl in RumĂ€nien. (Archivbild) - Foto: Andreea Alexandru/AP/dpaCrin Antonescu kandidiert fĂŒr das Amt des StaatsprĂ€sidenten in RumĂ€nien, unterstĂŒtzt von der bĂŒrgerlich-sozialdemokratischen Regierungskoalition. (Archivbild) - Foto: picture alliance / dpaDer parteilose BĂŒrgermeister von Bukarest, Nicusor Dan, ist die Hoffnung jener RumĂ€nen, die ihr Land weiter auf Demokratie- und Rechtsstaatskurs sehen wollen. (Archivbild) - Foto: Vadim Ghirda/AP/dpaDer parteilose frĂŒhere sozialdemokratische MinisterprĂ€sident Victor Ponta kandidiert fĂŒr das PrĂ€sidentenamt. Er rĂŒhmt sich guter Beziehungen zur Administration des US-PrĂ€sidenten Donald Trump. (Archivbild) - Foto: Vadim Ghirda/AP/dpaDer Kremlfreund Calin Georgescu darf nicht erneut fĂŒr das PrĂ€sidentenamt kandidieren, hat aber noch viele AnhĂ€nger, die andere Extremisten fĂŒr sich gewinnen wollen. (Archivbild) - Foto: Vadim Ghirda/AP/dpa

FĂŒr moderate Politiker und WĂ€hler war der Ausgang der rumĂ€nischen PrĂ€sidentenwahl im vergangenen Jahr ein Schock. Völlig ĂŒberraschend ging der rechtsextreme Kandidat und Kremlfreund Calin Georgescu als Sieger daraus hervor - dann wurde die erste Runde der Wahl aufgrund von UnregelmĂ€ĂŸigkeiten annulliert. Nun wird die Abstimmung wiederholt. Wichtige Fragen und Antworten zur Wahl, ihrer Vorgeschichte und den Aussichten fĂŒr das EU- und Nato-Land:

Warum wurde die erste Runde der Wahl im vorigen Jahr annulliert?

Bei dieser Wahl war der rechtsextreme Georgescu völlig ĂŒberraschend auf Platz eins gekommen. Kein Meinungsforschungsinstitut hatte dies erwartet, nicht einmal die Nachwahl-Umfragen am Wahltag ließen auf das Ergebnis schließen. Georgescu hatte fast ausschließlich auf der Plattform Tiktok fĂŒr sich geworben und danach behauptet, dafĂŒr «null» Geld dafĂŒr ausgegeben zu haben.

Ohne Georgescus Namen zu nennen, befand RumĂ€niens Verfassungsgericht, dass es im gesamten Wahlprozess GesetzesverstĂ¶ĂŸe gegeben habe. Der Wahlkampf und dessen Finanzierung seien intransparent verlaufen. Online-Wahlkampfmaterial sei regelwidrig nicht als solches gekennzeichnet gewesen. Dadurch sei die Chancengleichheit der Kandidaten beeintrĂ€chtigt worden sowie das Recht der BĂŒrger auf korrekte Information. Dazu ermittelt inzwischen auch die Staatsanwaltschaft. 

Eine erneute PrĂ€sidentenkandidatur Georgescus hat das Verfassungsgericht spĂ€ter verboten. Das WahlbĂŒro hatte seine Entscheidung unter anderem damit begrĂŒndet, dass Georgescu demokratische Grundwerte nicht anerkenne. 

Ist Georgescu damit aus RumÀniens Politik verschwunden?

Nein. Und das liegt an dem Kandidaten, der nun bei der Wahlwiederholung laut Umfragen die besten Aussichten auf einen Erfolg hat: Rechtspopulist George Simion. Er wirbt mit Sympathiebekundungen fĂŒr Georgescu und hat als Ziel erklĂ€rt, Georgescu im Falle seines Wahlsiegs «Gerechtigkeit» widerfahren zu lassen.

Simion schloss nicht aus, Georgescu ins Amt des MinisterprĂ€sidenten zu verhelfen. Simion und seine AnhĂ€nger haben in den letzten Monaten stets verlangt, dass die Annullierung der Wahl des letzten Jahres rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden solle, damit Georgescu antreten könne. 

Der PrĂ€sident bestimmt in RumĂ€nien die Richtlinien der Außen- und Sicherheitspolitik, ist Oberbefehlshaber der Armee und an der Kontrolle der Geheimdienste beteiligt.

Ist Simion also auch ein Russlandfreund? 

Im EU-Parlament gehört seine Partei AUR der russlandkritischen Fraktion der EuropĂ€ischen Konservativen und Reformer (EKR) an, in der etwa auch die ultrarechte Partei von Italiens MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni vertreten ist. Vor diesem Hintergrund hatte Simion seinen frĂŒher allgemein radikaleren Ton im vergangenen Jahr gemĂ€ĂŸigt. 

Diese MĂ€ĂŸigung betrachtet Simion Beobachtern zufolge mittlerweile als Fehler, weil er bei der PrĂ€sidentenwahl 2024 schlecht abgeschnitten hatte. Georgescus Erfolg hatte sogar Simion und AUR ĂŒberrascht. 

WofĂŒr steht seine Partei sonst noch? 

AUR steht fĂŒr eine ultra-nationalistische, antiliberale, autoritĂ€re, pro-klerikale Politik. Russland ist hierbei Inspirationsquelle.

Vertreter von AUR und den daraus hervorgegangenen, ebenfalls im Parlament vertretenen kleineren Parteien S.O.S. Romania und POT bekundeten immer wieder ihre Sympathie fĂŒr die rumĂ€nischen Faschisten aus der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts, bekannt als «LegionĂ€re». POT vertritt vor allem die jungen, gebildeten, beruflich erfolgreichen RumĂ€nen und nennt als wichtigsten Programmpunkt die UnterstĂŒtzung fĂŒr Georgescu. 

Warum sind in RumÀnien die radikalen Rechten erstarkt?

Simions Partei AUR wurde 2019 gegrĂŒndet und erstarkte dank massiver Propaganda gegen die Corona-Schutzmaßnahmen, mit UnterstĂŒtzung zahlreicher WĂŒrdentrĂ€ger der RumĂ€nisch-Orthodoxen Kirche, zu der sich mehr als 80 Prozent der RumĂ€nen bekennen. Bereits im Dezember 2020 zog sie ins Parlament ein. 

Womit hat Georgescu seine AnhÀnger begeistert?

Der bis Herbst 2024 kaum bekannte Georgescu hat eine Mischung aus extremem Nationalismus, Faschismus, Esoterik und Öko-Gedanken geboten - also fĂŒr ein breitgefĂ€chertes Publikum. Ein Volkstribun etwa in vollen SĂ€len oder Stadien war er aber bisher nicht, im direkten Kontakt mit Menschenmassen fĂŒhlte er sich sichtlich unwohl. Er sprach vor allem per Video online aus seinem Wohnzimmer oder allenfalls in Studios ihm freundlich gesonnener TV-Sender.

Diese Taktik scheint auch Simion zuletzt kopiert zu haben. Den letzten drei großen TV-Debatten mit den PrĂ€sidentenkandidaten in demokratisch ausgerichteten Sendern mit großer Reichweite blieb er demonstrativ fern - mit dem Argument, dass solche Auftritte nur Georgescu zustĂŒnden. Stattdessen verschickte Simion personalisierte Briefe an Millionen Rentner. 

Georgescu selbst machte keine Angaben dazu, welchen PrĂ€sidentenkandidaten er unterstĂŒtzt.

Wer sind Simions wichtigste Gegenkandidaten?

Der erste Wahlgang dĂŒrfte fĂŒr keinen Kandidaten eine absolute Mehrheit bringen, so dass die Entscheidung bei einer Stichwahl am 18. Mai fallen dĂŒrfte.

Crin Antonescu, der von 2009 bis 2014 PrĂ€sident der Nationalliberalen Partei (PNL) war, könnte in die Stichwahl mit Simion kommen. Er tritt als Kandidat der PNL und der sozialdemokratischen PSD an, die in Bukarest gemeinsam regieren. PNL gehört zum europĂ€ischen Dachverband EVP, wie die deutschen Unionsparteien. Antonescu war entschiedener Gegner des Antikorruptionskurses des frĂŒheren PrĂ€sidenten Traian Basescu (2004-2014), vertritt bisweilen rechtspopulistische Positionen und hat Sympathien fĂŒr US-PrĂ€sident Donald Trump. Angelastet wird ihm, dass er in den letzten zehn Jahren ohne berufliche oder politische TĂ€tigkeit mit seiner Frau, der frĂŒheren EU-Kommissarin Adina Valean, in BrĂŒssel gelebt hat.

Chancen hat zudem der parteilose BĂŒrgermeister von Bukarest, Nicusor Dan. Er war GrĂŒnder der grĂŒn-konservativen Partei USR, trat aber wegen deren zu liberaler Haltung in Fragen nicht-heterosexueller Lebensformen aus. Kritisiert wurde, dass einer seiner Berater russlandfreundliche Haltungen habe - Dan distanzierte sich von diesen Positionen. 

Als nicht ausgeschlossen gilt zudem eine Endrunde mit dem parteilosen Victor Ponta, Vorsitzender der Sozialdemokraten von 2010 bis 2015. Ponta rĂŒhmt sich guter Beziehungen zu Trump und gilt politisch als unberechenbar.

@ dpa.de