Polizeigewalt, Krawalle

Macron verspricht nach Unruhen «grundlegende Antworten»

04.07.2023 - 15:53:06

Nach den Ausschreitungen in Frankreich geht es um Konsequenzen aus der Krise. PrÀsident Macron verspricht «grundlegende Antworten». Unterdessen werden weitere Details der tödlichen Polizeikontrolle bekannt.

  • Ein Graffiti mit der Aufschrift «Gerechtigkeit fĂŒr Nahel» wurde auf ein Denkmal zum Gedenken an die Opfer des Holocaust gesprĂŒht. - Foto: Cara Anna/AP/dpa

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  • SchĂ€den im französischen Lyon nach den Krawallen. - Foto: Laurent Cipriani/AP

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  • SchĂ€den im französischen Aubervilliers nach den Krawallen. - Foto: Michel Euler/AP/dpa

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  • Auch in Paris kam es infolge der Krawalle zu SchĂ€den. - Foto: Michel Euler/AP/dpa

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Ein Graffiti mit der Aufschrift «Gerechtigkeit fĂŒr Nahel» wurde auf ein Denkmal zum Gedenken an die Opfer des Holocaust gesprĂŒht. - Foto: Cara Anna/AP/dpaSchĂ€den im französischen Lyon nach den Krawallen. - Foto: Laurent Cipriani/APSchĂ€den im französischen Aubervilliers nach den Krawallen. - Foto: Michel Euler/AP/dpaAuch in Paris kam es infolge der Krawalle zu SchĂ€den. - Foto: Michel Euler/AP/dpa

Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron hat nach den tagelangen Unruhen im Land nach dem Tod eines Jugendlichen bei einer Polizeikontrolle «grundlegende Antworten» versprochen. Bei einem Treffen mit 241 BĂŒrgermeistern der von den Ausschreitungen besonders betroffenen StĂ€dte sagte Macron am Dienstag, es gehe nicht darum, seit Jahrzehnten praktizierte Dinge zu wiederholen, berichtete der Sender BFMTV. Nötig sei vielmehr eine «Antwort auf der Höhe dessen, was wir erlebt haben». Bei dem Treffen wollte Macron neben moralischer UnterstĂŒtzung auch Hilfe bei der Reparatur beschĂ€digter RathĂ€user und anderer öffentlicher Einrichtungen anbieten.

Der Höhepunkt der Ausschreitungen sei ĂŒberschritten, sagte Macron, obwohl in den kommenden Tagen und Wochen weiterhin Vorsicht geboten sei. «Es ist die dauerhafte Ordnung, die wir als oberste PrioritĂ€t angehen mĂŒssen.» Bei erneuten Unruhen in der Nacht zu Dienstag wurden 72 Menschen festgenommen. Polizisten wurden nicht verletzt, teilte das Innenministerium mit. Die seit einer Woche andauernden Unruhen ebbten damit weiter ab. GrĂ¶ĂŸere ZwischenfĂ€lle wurden nicht gemeldet.

Bei den Unruhen sind landesweit inzwischen rund 5900 Autos in Brand gesteckt worden, wie der Sender BFMTV am Dienstag unter Verweis auf das Innenministerium berichtete. An 1100 GebÀuden kam es zu BrÀnden oder SachbeschÀdigungen. Zudem wurden rund 270 Polizeiwachen angegriffen.

Von Krawallen erschĂŒttert

Seit dem Tod des 17-jĂ€hrigen Nahel durch eine Polizeikugel bei einer Verkehrskontrolle am Dienstag vergangener Woche wurde Frankreich von schweren Krawallen erschĂŒttert. Wiederholt kam es zu PlĂŒnderungen, BrandanschlĂ€gen und gewaltsamen Konfrontationen zwischen Polizisten und Randalierern. Gegen den Beamten, der den Schuss auf den Jugendlichen abgab, wird wegen Totschlagverdachts ermittelt.

In dem von der Polizei gestoppten Wagen hatten sich drei Jugendliche befunden. Die Zeitung «Le Parisien» veröffentlichte am Montagabend Schilderungen des Hergangs aus der Sicht eines 14-JĂ€hrigen, der auf der RĂŒckbank saß, und die dessen Vater schriftlich der Zeitung ĂŒbermittelte. Nahel traf den Jungen demnach zufĂ€llig morgens und bot ihm an, ihn mit dem Auto zu einer SchulprĂŒfung zu fahren. Einer ersten Aufforderung der Polizei zum Anhalten habe der 17-JĂ€hrige keine Folge geleistet, berichtete der Junge.

Als der Verkehr stockte, hĂ€tten die Polizisten das Auto eingeholt und ihre Waffen auf den 17-JĂ€hrigen gerichtet. Einer habe dabei gedroht, ihm in den Kopf zu schießen. In Panik sei Nahel möglicherweise mit dem Fuß von der Bremse des Automatik-Wagens gerutscht, so dass dieser sich in Bewegung setzte. Der eine Beamte habe den anderen zum Schießen aufgefordert. «Der ist verrĂŒckt, der hat geschossen», habe Nahel noch gesagt, ehe er leblos zusammengesackt und der Wagen in eine Absperrung gefahren sei.

@ dpa.de