Aufstand bis Umkehr: 24 Stunden, die Russland in Atem halten
25.06.2023 - 16:45:01Hier der Ablauf der wichtigsten Ereignisse rund um den Wagner-Aufstand in Russland, angefĂŒhrt vom Chef der russischen Privatarmee, Jewgeni Prigoschin.
FREITAG, 23. JUNI:
21.09 Uhr (Ortszeit): Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin versendet auf seinem Kanal im Messengerdienst Telegram eine erste Sprachnachricht mit schweren Anschuldigungen. Wagner-Lager im Hinterland seien mit Raketen, Artillerie und Hubschraubern angegriffen worden. Dabei seien viele KÀmpfer getötet worden.
21.25 Uhr: Prigoschin erklĂ€rt, der Rat der Wagner-Kommandeure habe beschlossen, dass die, die Verantwortung fĂŒr die MilitĂ€rfĂŒhrung tragen, gestoppt werden mĂŒssten.
21.48 Uhr: Das russische Verteidigungsministerium bestreitet auf seinem Telegram-Kanal einen Angriff auf Wagner-Truppen. Das sei unwahr und eine Provokation.
21.49 Uhr: Prigoschin erklĂ€rt, er habe 25 000 Mann unter Befehl, die nun aufzuklĂ€ren hĂ€tten, warum solch eine WillkĂŒr im Land herrsche. «Wer versucht, uns Widerstand zu leisten, den werden wir als Bedrohung betrachten und sofort töten.»
Ca. 23.00 Uhr: Der Geheimdienst FSB leitet Ermittlungen gegen Prigoschin wegen versuchten bewaffneten Aufstands ein. PrÀsident Wladimir Putin ist nach Angaben des Kremls informiert.
22.39 Uhr: Prigoschin erklÀrt, es handele sich um keinen MilitÀrputsch, sondern einen «Marsch der Gerechtigkeit».
SAMSTAG, 24. JUNI:
00.09 Uhr: Die Generalstaatsanwaltschaft teilt mit, dass Prigoschin 12 bis 20 Jahre Freiheitsstrafe drohen.
Ca. 00.15 Uhr: Das Staatsfernsehen strahlt eine Extraausgabe der Nachrichten aus. Darin wird bekanntgegeben, dass Prigoschin in Ungnade gefallen sei und festgenommen werde.
Ca. 00.30 Uhr: Im Stadtzentrum Moskaus tauchen gepanzerte Fahrzeuge auf. Wichtige Einrichtungen werden unter verstÀrkte Bewachung genommen. Auch aus Rostow am Don kommen Àhnliche Berichte.
Ca. 01.30 Uhr: Der FSB ruft die Wagner-KĂ€mpfer dazu auf, ihren Chef festzusetzen.
02.00 Uhr: Der wichtige Armeegeneral Sergej Surowikin stellt sich auf die Seite des Machtapparats in Moskau. Er ruft Prigoschin auf, den Kampf zu beenden.
02.03 Uhr: Prigoschin gibt bekannt, dass seine KĂ€mpfer die Grenze Richtung Rostow am Don ĂŒberschritten hĂ€tten. Der Grenzschutz habe seine MĂ€nner umarmt.
03.46 Uhr: Der Gouverneur der Region Rostow ruft die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren und zuhause zu bleiben.
Ca. 05.00 Uhr: In sozialen Medien tauchen Videos auf, wie Wagner-KÀmpfer ein Hauptquartier Armee in Rostow am Don umstellen und schweres militÀrisches GerÀt darauf richten.
06.04 Uhr: Moskaus BĂŒrgermeister Sergej Sobjanin setzt «Anti-Terror-MaĂnahmen» in Kraft, um TerroranschlĂ€ge zu verhindern. Die Verwaltung rĂ€t von Autofahrten in den SĂŒden ab.
07.30 Uhr: Prigoschin erklĂ€rt, mit seiner Truppe wichtige militĂ€rische Einrichtungen in Rostow besetzt zu haben, auch das regionale Hauptquartier der Armee - wichtig fĂŒr den Krieg in der Ukraine - und den Flugplatz.
09.04 Uhr: Das Verteidigungsministerium ruft die Wagner-KÀmpfer zum Aufgeben auf. Sie seien von Prigoschin in ein «kriminelles Abenteuer» gezogen worden.
10.00 Uhr: Putin kĂŒndigt in einer fĂŒnfminĂŒtigen TV-Ansprache die Bestrafung von «VerrĂ€tern» an - ohne Prigoschin beim Namen zu nennen. Er fordert die Wagner-KĂ€mpfer auf, kriminelle Handlungen zu beenden, bestĂ€tigt aber auch die Blockade wichtiger Objekte in Rostow.
11.00 Uhr: Prigoschin widerspricht Putin. Seine MĂ€nner seien «Patrioten». Die Wagner-Söldner wĂŒrden ihren Kampf fortsetzen und sich keinesfalls ergeben.
11.42 Uhr: Behörden melden KĂ€mpfe im Gebiet Woronesch im SĂŒdwesten, auf dem Weg von Rostow in die Hauptstadt Moskau.
Ca. 14.00 Uhr: Der Chef der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, kĂŒndigt die Entsendung seiner eigenen Truppe zur UnterstĂŒtzung des Kremls an.
Ca. 15 Uhr: Der Kreml weist Spekulationen zurĂŒck, wonach Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin Moskau verlassen haben soll.
18.15 Uhr: Moskaus BĂŒrgermeister Sobjanin erklĂ€rt den Montag aus SicherheitsgrĂŒnden zum arbeitsfreien Tag.
18.30 Uhr: Videos zeigen, dass wegen des VorrĂŒckens der Wagner-MĂ€nner in Richtung Moskau am Autobahnring der Hauptstadt ein Kontrollpunkt eingerichtet wurde.
Ca. 18.45 Uhr: Nach russischen Behördenangaben sind Wagner-Söldner in der Region Lipezk - also auf halbem Weg nach Moskau. Der Gouverneur ruft die Einwohner dazu auf, ihre HÀuser nicht zu verlassen.
Ca. 20.15 Uhr: Der Pressedienst des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko teilt ĂŒberraschend mit, dass Prigoschin zur Aufgabe bewogen worden sei.
20.25 Uhr: Prigoschin bestĂ€tigt in einer Sprachnachricht, dass er den Vormarsch nach Moskau stoppt. Seine MĂ€nner seien bis 200 Kilometer vor die Hauptstadt gekommen. «Unsere Kolonnen drehen um und gehen in die entgegengesetzte Richtung in die Feldlager zurĂŒck.»
Ca. 23.00 Uhr: Der Kreml teilt mit, dass das Strafverfahren gegen den Prigoschin eingestellt wird. Der Wagner-Chef selbst werde nach Belarus gehen.


