USA, China

USA und China wollen MilitÀr-Kommunikation wieder aufnehmen

16.11.2023 - 06:47:47

Mehr als vier Stunden geht das Krisentreffen, Streitthemen gibt es viele zwischen den USA und China. Danach spricht Biden von konstruktiven GesprÀchen - betont aber: Er betrachte Xi weiter als «Diktator».

Die USA und China wollen ihre angespannten Beziehungen kitten und nehmen nach lÀngerer Funkstille die Kommunikation zwischen ihren StreitkrÀften wieder auf. US-PrÀsident Joe Biden und Chinas Staatschef Xi Jinping kamen in der NÀhe der US-Metropole San Francisco zu ihrem ersten persönlichen Austausch seit einem Jahr zusammen - das Krisentreffen dauerte mehr als vier Stunden.

Biden sagte im Anschluss, die GesprĂ€che gehörten zu den «konstruktivsten und produktivsten», die er mit Xi gehabt habe. Die beiden Staatschefs hĂ€tten auch vereinbart, fĂŒr einander leichter per Telefon erreichbar zu sein. Der US-PrĂ€sident machte gleichzeitig deutlich, dass er Xi weiterhin als «Diktator» betrachte.

Das VerhĂ€ltnis zwischen den beiden grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaften der Welt ist seit langem sehr angespannt, unter anderem nach wirtschaftlichen Sanktionen gegen Peking und BefĂŒrchtungen im Westen, Chinas Armee könnte in Taiwan einmarschieren. Das langerwartete Treffen am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) sollte nun dazu dienen, die Beziehungen beider LĂ€nder zu stabilisieren.

Zuletzt hatten sich Biden und Xi beim G20-Gipfel im November 2022 auf der indonesischen Insel Bali gesehen. Seitdem hatten sie nicht mehr miteinander gesprochen.

Wiederaufnahme der MilitÀrkommunikation

Das wichtigste Ergebnis des Treffens in Kalifornien dĂŒrfte wohl sein, dass China und die USA die MilitĂ€r-Kommunikation wieder aufnehmen wollen. Der Schritt sei von «entscheidender Bedeutung», sagte Biden. Ohne Austausch könne es zu UnfĂ€llen und MissverstĂ€ndnissen kommen.

Geplant sei nun unter anderem, dass US-Verteidigungsminister Lloyd Austin seinen chinesischen Kollegen treffen werde, hieß es der mitreisenden Presse zufolge aus dem Weißen Haus. Außerdem solle es operative GesprĂ€che ranghoher militĂ€rischer FĂŒhrungspersonen beider LĂ€nder geben. Auch der US-Befehlshaber der Pazifischen LuftstreitkrĂ€fte werde sich daran beteiligen, SchiffsfĂŒhrer sollen sich ebenfalls miteinander austauschen, hieß es weiter.

Die US-Regierung hatte in den vergangenen Monaten mehrfach beklagt, dass die sonst ĂŒbliche direkte MilitĂ€r-Kommunikation mit China nicht funktioniere und dies zu gefĂ€hrlichen MissverstĂ€ndnissen und Fehlkalkulationen fĂŒhren könnte.

Peking hatte zum Beispiel GesprĂ€chswĂŒnsche auf Ebene der Verteidigungsminister ausgeschlagen. Washington hatte wiederholt gemahnt, zur verantwortungsvollen Steuerung der Beziehungen sei die Kommunikation zwischen dem MilitĂ€r beider LĂ€nder von entscheidender Bedeutung. Die Chinesen hĂ€tten diese Kommunikationsverbindungen im Grunde gekappt, was Gefahren berge.

Kampf gegen Fentanyl

Im Kampf gegen die Einfuhr der tödlichen Droge Fentanyl in die USA sicherte sich Biden außerdem mehr UnterstĂŒtzung aus China. Biden und Xi vereinbarten Maßnahmen gegen die Ausfuhr von Bestandteilen fĂŒr die Produktion des Opioids aus China. Die Droge töte in den USA viele Menschen - mehr als Waffengewalt, betonte Biden nach dem GesprĂ€ch mit Xi. Nach Angaben des nationalen US-Instituts, das Drogenmissbrauch erforscht, starben durch eine Überdosis synthetischer Opioide - vor allem Fentanyl - allein im Jahr 2021 mehr als 70.000 Menschen.

Die US-Regierung wirft China vor, eine entscheidende Rolle in der Drogen-Epidemie Amerikas zu spielen - durch die Produktion von Fentanyl, das in Massen in die USA gelangt. FĂŒr den Demokraten Biden, der im November 2024 zur Wiederwahl antritt, ist die Vereinbarung mit China ein innenpolitischer Erfolg. Die Drogen-Epidemie in den USA bewegt die Menschen im Land, und die Republikaner hatten in den vergangenen Monaten Druck auf den PrĂ€sidenten gemacht, in der Frage eine hĂ€rtere Gangart gegenĂŒber China einzuschlagen.

Deutliche Worte zu Taiwan

Großes Konfliktpotenzial birgt das Thema Taiwan. Die Inselrepublik, die nur durch eine Meerenge von China getrennt wird, hat seit Jahrzehnten eine demokratische Regierung. China sieht das Land mit mehr als 23 Millionen Einwohnern jedoch als Teil seines Territoriums an. Das Gebiet ist immer wieder Schauplatz militĂ€rischer Machtdemonstrationen.

Biden betonte in dem GesprĂ€ch mit Xi dem Weißen Haus zufolge, dass die USA jede einseitige Änderung des Status quo durch eine der beiden Seiten ablehnten und erwarteten, dass die Differenzen mit friedlichen Mitteln gelöst wĂŒrde. Der US-PrĂ€sident habe China zur ZurĂŒckhaltung bei ihren militĂ€rischen AktivitĂ€ten in und um die Straße von Taiwan aufgefordert.

PrĂ€sident Xi habe wĂ€hrend des Austauschs mit Biden hingegen anhaltende Bedenken geĂ€ußert und angemerkt, dass das Thema Taiwan der grĂ¶ĂŸte und potenziell gefĂ€hrlichste Konflikt in den Beziehungen zwischen den USA und China sei, berichteten Journalisten unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter.

Xi habe sich fĂŒr eine friedliche Wiedervereinigung ausgesprochen - aber auch ĂŒber Bedingungen, die den Einsatz von Gewalt ermöglichten, hieß es weiter. Er höre immer wieder Berichte aus den USA, wonach China eine militĂ€rische Aktion in Taiwan plane, zitierte der Regierungsvertreter Xi. Dies sei nicht der Fall.

Griff zum Hörer

Biden machte deutlich, dass er und Xi kĂŒnftig eher zum Telefonhörer greifen wollten, wenn sich eine Krise entwickele. Wenige Wochen nach dem Treffen auf Bali vor einem Jahr war ĂŒber US-Territorium ein riesiger chinesischer Überwachungsballon aufgetaucht. Die USA warfen Peking damals ein großangelegtes Spionageprogramm vor und schossen den Ballon ab. China wies die VorwĂŒrfe zurĂŒck und sprach von einem Wetterballon.

Das VerhĂ€ltnis rutschte auf einen Tiefpunkt - Biden und Xi tauschten sich trotz ihrer vorherigen BemĂŒhungen auf Bali, das zerrĂŒttete VerhĂ€ltnis zu kitten, nicht persönlich miteinander aus. «PrĂ€sident Xi und ich haben vereinbart, dass jeder von uns den Hörer abnimmt», sagte Biden nun nach dem GesprĂ€ch in Kalifornien.

@ dpa.de

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