EvakuierungsflĂŒge aus dem Niger in Frankreich gelandet
02.08.2023 - 10:35:19 | dpa.deZwei französische Evakuierungsmaschinen aus dem Niger sind in der Nacht in Frankreich angekommen. Das teilte der französische Generalstab mit. Das erste Flugzeug hatte mehr als 260 Menschen an Bord, darunter zwölf Babys. Die meisten FluggÀste waren Franzosen.
Bisher konnten mit den FlĂŒgen mehr als 40 Deutsche das Land verlassen. «Heute wird es noch weitere FlĂŒge geben. Ich danke meiner französischen Amtskollegin Catherine Colonna dafĂŒr von ganzem Herzen», teilte AuĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) weiter mit.
Die unkomplizierte und pragmatische Zusammenarbeit in Krisenzeiten zeige, was Europa in der AuĂen- und Sicherheitspolitik leisten könne, wenn zusammengearbeitet werde. «Mit ebendieser Geschlossenheit und Entschlossenheit unterstĂŒtzen wir als EuropĂ€ische Union auch die internationalen BemĂŒhungen zur Wiederherstellung der verfassungsmĂ€Ăigen Ordnung in Niger», so Baerbock.
Zuvor hatten sich etwa 500 bis 600 Französinnen und Franzosen im Niger befunden, wie es vom Ministerium hieĂ. In dem Land sind zudem auch französische Soldaten stationiert. Paris hatte die Evakuierung auch mit der SchlieĂung des Luftraums im Niger begrĂŒndet. Diese habe den eigenen BĂŒrger keine Möglichkeit gelassen, das Land selbst zu verlassen. Zudem hatte es am Wochenende bei Pro-Putsch-Protesten Berichten zufolge Gewalt an der französischen Botschaft gegeben. Nigers neue MilitĂ€rjunta warf Frankreich vor, eine militĂ€rische Intervention in dem Land zu planen.
Britische und deutsche Reisewarnungen
Der Betrieb auf dem Flughafen der nigrischen Hauptstadt Niamey war nach dem Umsturz offiziell noch bis einschlieĂlich Freitag untersagt. Frankreich erhielt aber die Erlaubnis, mit drei Maschinen zu landen.
Das AuswĂ€rtige Amt sprach gestern zudem eine Reisewarnung aus und riet deutschen Staatsangehörigen zur Ausreise. Im Niger befanden sich aktuell knapp 100 deutsche Zivilisten. Auch das britische AuĂenministerium sprach eine Reisewarnung aus.
Die Bundeswehr plant von der kommenden Woche an eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs zum LufttransportstĂŒtzpunkt in Niamey. Nach dem Ende der Sperrung des Luftraums ĂŒber dem westafrikanischen Land sollte der erste MilitĂ€rtransporter am Montag vom MilitĂ€rflugplatz Wunstorf in Niedersachsen aus starten, wie der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erklĂ€rt wurde.
Es soll der Transport von Soldaten und Material aufgenommen werden. Der LufttransportstĂŒtzpunkt Niamey ist zentrales Drehkreuz fĂŒr die Bundeswehr in Westafrika und wichtig fĂŒr den laufenden Abzug aus dem benachbarten Mali.
Verfassung auĂer Kraft
Am Mittwoch vergangener Woche hatten Offiziere der PrĂ€sidialgarde den demokratisch gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum festgesetzt und fĂŒr entmachtet erklĂ€rt. Der Kommandeur der PrĂ€sidialgarde, General Abdourahamane Tiani, ernannte sich am Freitag selbst zum neuen Machthaber.
Kurz nach Tianis MachtĂŒbernahme setzten die Putschisten die Verfassung auĂer Kraft und lösten alle verfassungsmĂ€Ăigen Institutionen auf. Nach MilitĂ€rputschen in Mali und Burkina Faso seit 2020 war der Niger das letzte der drei NachbarlĂ€nder in der Sahelzone, das von einer demokratisch gewĂ€hlten Regierung gefĂŒhrt wurde - und ein wichtiger Partner fĂŒr den Westen.
Unterdessen öffnete die MilitĂ€rregierung wieder die Landes- und Luftgrenzen zu fĂŒnf Nachbarstaaten. Wie der Sprecher der Junta in der Nacht im nationalen Fernsehen mitteilte, handelt es sich dabei um die GrenzĂŒbergĂ€nge nach Mali, Burkina Faso, Algerien, Libyen sowie zum Tschad. Zudem ernannte die Junta neue Gouverneure fĂŒr die acht Regionen des Landes.
Pistorius: «versuchen, an StĂŒtzpunkt festzuhalten»
Die Bundeswehr betreibt in Niamey einen LufttransportstĂŒtzpunkt, auf dem derzeit auch mehr als 100 deutsche Soldaten stationiert sind. Zudem hat dort das Personal der Deutschen Botschaft Zuflucht gefunden. Der Umsturz stellt die Bundeswehr nun vor groĂe Herausforderungen. Der StĂŒtzpunkt ist zentrales Drehkreuz fĂŒr die deutschen Soldaten in der Region. Auch der laufende Abzug deutscher Blauhelme der UN-Mission Minusma aus dem benachbarten Mali lĂ€uft darĂŒber. Die MilitĂ€rregierung in Mali hatte einen Abzug der UN-Soldaten bis Ende des Jahres gefordert.
Wenn es einen Weg gebe, die Sicherheit der Soldaten zu garantieren, «dann werden wir auch versuchen, an einem StĂŒtzpunkt festzuhalten», sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Zugleich werde nach Alternativen gesucht, wie der RĂŒckzug aus Mali ĂŒber andere Flugstrecken organisiert werden könnte.
Schon jetzt sei absehbar, dass der Putsch den Abzug der Bundeswehr aus Mali viel schwieriger mache als geplant, sagte Sahel-Experte Ulf Laessing von der Konrad-Adenauer-Stiftung dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). «Es steht zu befĂŒrchten, dass die neuen Machthaber Ă€hnlich wie in Mali separate Fluggenehmigungen verlangen, die dann erst jeweils beantragt werden mĂŒssten», sagte Laessing weiter. Alternativen zum Niger gebe es nicht. Der Landweg durch Mali oder Burkina Faso sei zu gefĂ€hrlich.
Lage mit Gewaltpotenzial
Gleichzeitig könnte der Konflikt im Niger weiter eskalieren. Die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas hatte den Putschisten am Sonntag ein Ultimatum gestellt. Sollte der festgesetzte PrĂ€sident Bazoum nicht binnen einer Woche wieder eingesetzt werden, werde Ecowas MaĂnahmen ergreifen, die auch Gewalt umfassen könnten, hieĂ es.
Burkina Faso und Mali warnten Ecowas vor einem Eingreifen und drohten, jede militĂ€rische Intervention gegen den Niger komme einer KriegserklĂ€rung auch gegen ihre LĂ€nder gleich. Unklar ist jedoch, ob Ecowas die Drohung ĂŒberhaupt wahr machen kann. Der als Wirtschaftsgemeinschaft gegrĂŒndete Bund verfĂŒgt ĂŒber keine gemeinsame militĂ€rische Eingreiftruppe.
Derweil bekrĂ€ftige US-AuĂenminister Antony Blinken die UnterstĂŒtzung seines Landes fĂŒr PrĂ€sident Bazoum. In einem Telefonat mit Bazoum betonte er, die USA lehnten Bestrebungen ab,die verfassungsmĂ€Ăige Ordnung umzustĂŒrzen. Vielmehr wĂŒrden eine demokratische RegierungsfĂŒhrung und die Achtung der Rechtsstaatlichkeit und der Menschenrechte unterstĂŒtzt.
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