Tote, Explosionen

Mindestens 70 Tote bei Explosionen im Iran

03.01.2024 - 15:00:41

Menschenmassen strömten zum Grab des iranischen Generals Soleimani, als sich plötzlich zwei entsetzliche Explosionen ereignen. Dutzende Tote und Verletzte sind die Folge. Der Iran spricht von Terror.

Am Todestag des mĂ€chtigen iranischen Generals Ghassem Soleimani sind in dessen Heimatstadt Kerman bei zwei Explosionen mindestens 73 Menschen in den Tod gerissen worden. Mehr als 170 weitere Menschen seien verletzt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf den Rettungsdienst. Kermans Vizegouverneur sprach von einer Terrorattacke, wie der staatliche Rundfunk Irib berichtete. Die Sorge war groß, dass die Zahl der Opfer noch weiter steigen könnte.

Der Hintergrund fĂŒr die Explosionen war zunĂ€chst unklar. ZunĂ€chst reklamierte keine Gruppe den mutmaßlichen Anschlag fĂŒr sich. Terrorangriffe mit diesem Ausmaß sind im Iran Ă€ußerst selten.

Reporter der Staatsagentur Irna sprachen von einem «entsetzlichen GerĂ€usch einer Explosion». WĂ€hrend einer Live-Schalte einer Reporterin des Staatsfernsehens waren Retter zu sehen, die mit Verletzten im Hintergrund in ein Krankenhaus eilten. Bilder von den Anschlagsorten zeigten blutĂŒberströmte Gehwege, beschĂ€digte Fahrzeuge und zerfetzte KleidungsstĂŒcke.

Ein Knall und Schreie - Fernsehen ĂŒbertrug die Prozession

Die Stadt Kerman ist die Heimat von Ghassem Soleimani, dem frĂŒheren Kommandeur der Auslandseinheiten der iranischen RevolutionswĂ€chter (IRGC). Die USA hatten ihn am 3. Januar 2020 im Irak durch einen Drohnenangriff getötet. Von systemtreuen RegierungsanhĂ€ngern wird Soleimani als MĂ€rtyrer verehrt. Propagandabilder des Generals prangen auch an HĂ€userwĂ€nden in der Hauptstadt Teheran.

Menschenmassen pilgerten anlĂ€sslich des Todestags von Soleimani durch die Straßen Kermanis zu seiner Grabstelle. Die Provinzhauptstadt liegt in der gleichnamigen iranischen Provinz, umgeben von weiten WĂŒstengebieten. Nur wenige Hundert Meter entfernt sollen sich die Explosionen ereignet haben. In einem live im Staatsfernsehen ĂŒbertragenen Ausschnitt waren ein Knall und Schreie zu hören. In den Videos war zu sehen, wie Panik ausbrach und Menschen vom Ort der Explosionen flĂŒchteten.

Vor mehr als einem Jahr hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen Anschlag auf ein schiitisches Heiligtum in der Kulturmetropole Schiras fĂŒr sich reklamiert. Bei der Attacke im Oktober 2022 kamen mehr als ein Dutzend Menschen ums Leben.

AnlĂ€sslich des Todestags Soleimanis wollte der GeneralsekretĂ€r der libanesischen Schiitenorganisation Hisbollah, Hassan Nasrallah, am Mittwochabend eine Rede halten. Vor dem Hintergrund der Tötung eines AnfĂŒhrers der islamistischen Hamas im Libanon wurde die Rede mit Spannung erwartet. Es gibt Sorgen, dass der gewaltsame Tod von Saleh al-Aruri, Vize-Leiter des PolitbĂŒros der Hamas, zu einer weiteren Eskalation des Konflikts mit Israel fĂŒhren könnte.

Die mit der Hamas verbĂŒndete Hisbollah, die als wichtigster nichtstaatlicher VerbĂŒndeter der Islamischen Republik gilt, hatte Vergeltung angekĂŒndigt.

@ dpa.de