Rund 100 Tote nach Anschlag im Iran
03.01.2024 - 21:45:22Am Todestag des mĂ€chtigen iranischen Generals Ghassem Soleimani sind in dessen Heimatstadt Kerman bei zwei Explosionen rund 100 Menschen in den Tod gerissen worden. 211 weitere Menschen seien verletzt worden, berichteten Staatsmedien. Irans Regierung sprach von einer Terrorattacke. Es war der tödlichste Anschlag in der rund 45-jĂ€hrigen Geschichte der Islamischen Republik. Die Regierung ordnete fĂŒr Donnerstag Staatstrauer an.
Der Hintergrund fĂŒr die Explosionen war zunĂ€chst unklar. ZunĂ€chst reklamierte keine Gruppe den mutmaĂlichen Anschlag fĂŒr sich. Irans Regierung sprach von einer Terrorattacke. Die Bundesregierung und der AuswĂ€rtige Dienst der EU verurteilten den Anschlag als Terrorakt.
Ein Sprecher des US-AuĂenministeriums sagte, bislang habe die US-Regierung keine unabhĂ€ngigen Informationen zu möglichen HintergrĂŒnden der Explosionen. «Zumindest fĂŒr uns ist es noch zu frĂŒh, um sagen zu können, was die Ursache sein könnte», sagte Matthew Miller am Mittwoch in Washington.
Terrorangriffe mit diesem AusmaĂ sind im Iran Ă€uĂerst selten. Der Zustand vieler Verletzten war laut Medienberichten kritisch. Die Sorge war groĂ, dass die Zahl der Opfer noch weiter steigen könnte. Irans Gesundheitsminister Bahram Eynollahi machte sich auf den Weg, um die Versorgung der Verletzten persönlich zu ĂŒberwachen.
Irans Innenminister Ahmad Wahidi kĂŒndigte eine entschiedene Reaktion an. «Unsere PolizeikrĂ€fte sind wachsam und werden diejenigen, die dieses Verbrechen begangen haben, zur Rechenschaft ziehen», sagte der Minister. Wahidi sagte, die meisten Menschen seien bei der zweiten Explosion ums Leben gekommen. Die genauen HintergrĂŒnde werden demnach untersucht. UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres verurteilte den Angriff auf SchĂ€rfste - die Verantwortlichen mĂŒssten zur Rechenschaft gezogen werden.
Kerman ist die Heimat von Ghassem Soleimani, dem frĂŒheren Kommandeur der Auslandseinheiten der iranischen RevolutionswĂ€chter (IRGC). Die USA hatten ihn am 3. Januar 2020 im Irak durch einen Drohnenangriff getötet. Von systemtreuen RegierungsanhĂ€ngern wird Soleimani als MĂ€rtyrer verehrt. Bei seiner Beerdigung kam es damals zu einer Massenpanik mit mehr als 50 Toten. Propagandabilder des Generals prangen auch an HĂ€userwĂ€nden in der Hauptstadt Teheran.
Ein Knall und Schreie - Fernsehen ĂŒbertrug die Prozession
Menschenmassen pilgerten anlĂ€sslich des Todestags von Soleimani durch die StraĂen Kermanis zu seiner Grabstelle. Die Provinzhauptstadt liegt in der gleichnamigen iranischen Provinz, umgeben von weiten WĂŒstengebieten. Nur wenige Hundert Meter entfernt sollen sich die Explosionen ereignet haben. In einem live im Staatsfernsehen ĂŒbertragenen Ausschnitt waren ein Knall und Schreie zu hören. In den Videos war zu sehen, wie Panik ausbrach und Menschen vom Ort der Explosionen flĂŒchteten.
Reporter der Staatsagentur Irna sprachen von einem «entsetzlichen GerĂ€usch einer Explosion». WĂ€hrend einer Live-Schalte einer Reporterin des Staatsfernsehens waren Retter zu sehen, die mit Verletzten im Hintergrund in ein Krankenhaus eilten. Bilder von den Anschlagsorten zeigten blutĂŒberströmte Gehwege, beschĂ€digte Fahrzeuge und zerfetzte KleidungsstĂŒcke. SicherheitskrĂ€fte sperrten den Pilgerort ab. KrankenhĂ€user wurden in Alarmbereitschaft versetzt.
Vor mehr als einem Jahr hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen Anschlag auf ein schiitisches Heiligtum in der Kulturmetropole Schiras fĂŒr sich reklamiert. Bei der Attacke im Oktober 2022 kamen mehr als ein Dutzend Menschen ums Leben.


