Merz reist nach Asien, Steinmeier besucht China
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 12:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Reiseziele der deutschen Staatsspitze
- Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier startete am Morgen zu einem viertägigen Staatsbesuch nach China.
- Bundeskanzler Friedrich Merz hob fünf Stunden später in Berlin zu seiner längsten Auslandsreise als Kanzler ab.
- Merz besucht zunächst Singapur und reist anschließend nach Japan und Südkorea.
Deutsche Staatsspitze startet zu getrennten Asienreisen
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist zu einem viertägigen Staatsbesuch nach China aufgebrochen, während Bundeskanzler Friedrich Merz seine bisher längste Auslandsreise als Kanzler begonnen hat. Merz besucht zunächst Singapur sowie anschließend Japan und Südkorea.
China und enge Partner im Mittelpunkt
Steinmeier besucht mit China Deutschlands wichtigsten Wirtschaftspartner in Asien, der zugleich als Wettbewerber und Systemrivale gilt. Merz reist dagegen zu drei politisch und wirtschaftlich eng verbundenen Partnern; besonders Japan steht Deutschland über die G7 der demokratischen Wirtschaftsmächte nahe.
Reisen sind abgestimmt
Merz kehrt erst am späten Freitagabend nach Berlin zurück, kurz darauf wird auch Steinmeier zurückerwartet. Regierungskreise betonen, dass die Reisen nicht direkt miteinander zusammenhängen, beide Seiten sich aber eng abgestimmt hätten.
Merz setzt auf Diversifizierung
Für Merz ist es die dritte Asienreise als Kanzler. Nach Indien und China richtet er den Blick nun auf weitere Partner, um die wirtschaftliche Abhängigkeit Deutschlands von China bei Exporten und vor allem bei wichtigen Rohstoffen zu verringern.
In Singapur will der Kanzler eine Grundsatzrede zur Asienpolitik der Bundesregierung halten. In Japan und Südkorea sind Wirtschaftskonferenzen vorgesehen; von Seoul aus will er außerdem die demilitarisierte Zone an der Grenze zu Nordkorea besuchen.
30 Top-Manager begleiten den Kanzler
Merz wird von 30 Top-Managern begleitet, darunter die Chefs von Siemens, Telekom und Henkel sowie Vertreter der Rüstungsunternehmen Airbus Defense and Space und Quantum-Systems. Geplant sind Unternehmens- und Regierungsvereinbarungen zu Künstlicher Intelligenz, Infrastruktur und kritischen Rohstoffen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Sicherheitspolitik, insbesondere in Japan. Das Land unterstützt die Ukraine und verfügt über Patriot-Systeme, die für die Luftverteidigung von Bedeutung sind.
Steinmeier wirbt für ausgewogene Beziehungen
Für Steinmeier ist der China-Besuch Abschluss und Höhepunkt zahlreicher Asienreisen der vergangenen Jahre. Bei Gesprächen in Peking sollen faire Handelsbeziehungen und Chinas künftige Rolle in den internationalen Beziehungen im Mittelpunkt stehen.
Der Bundespräsident nimmt keine Wirtschaftsdelegation mit, aber den BDI-Präsidenten Peter Leibinger und den Präsidenten des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen, Dirk Jandura. Zudem hat er sich mit Bundeskanzler Merz und EU-Handelskommissar Maros Sefcovic abgestimmt und reist mit der Vizepräsidentin des Europaparlaments, Katarina Barley.
Die parallelen Reisen markieren zwei unterschiedliche, miteinander abgestimmte Linien deutscher Asienpolitik. Während Steinmeier in China für belastbare, ausgewogenere Wirtschaftsbeziehungen werben soll, setzt Merz auf Staaten, die Deutschland politisch und sicherheitspolitisch näherstehen.
China bleibt für die deutsche Wirtschaft ein zentraler Markt und Lieferant, zugleich will die Bundesregierung einseitige Abhängigkeiten verringern. Dafür gewinnen Japan, Südkorea und Singapur an Bedeutung: Sie verfügen über leistungsfähige Volkswirtschaften, technologische Kompetenzen und strategische Bedeutung für Lieferketten, Infrastruktur und Sicherheit.
Wirtschaft und Sicherheit verbunden
Die Reiseziele zeigen, dass wirtschaftliche Diversifizierung nicht isoliert von der Sicherheitslage betrachtet wird. Kooperationen bei kritischen Rohstoffen, Künstlicher Intelligenz und Infrastruktur können die Widerstandsfähigkeit deutscher Unternehmen stärken; Gespräche über Verteidigung und die Unterstützung der Ukraine erweitern den politischen Rahmen.
Für Unternehmen stehen mögliche Abkommen und neue Kontakte im Mittelpunkt. Die Begleitung durch 30 Top-Manager unterstreicht den wirtschaftlichen Schwerpunkt der Kanzlerreise. Für die deutsche China-Politik bleibt zugleich entscheidend, ob sich faire Handelsbedingungen erreichen lassen, ohne die wirtschaftlichen Beziehungen grundsätzlich abzubrechen.
Signal an die Region
Mit den getrennten, aber abgestimmten Reisen versucht Deutschland, beide Seiten seiner Asienpolitik sichtbar zu machen: Dialog mit China und engere Partnerschaften mit demokratischen Staaten. Für Leser in Deutschland können die Gespräche Folgen für Exportchancen, Lieferketten, Technologiekooperationen und die sicherheitspolitische Zusammenarbeit haben.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „Merz bricht zu mehrtägiger Asienreise auf“ (26.10.2026)
Der Beitrag berichtet, der Kanzler werde bis zum Ende der Woche Singapur, Japan und Südkorea besuchen. Im Mittelpunkt stehen damit die Stationen und der zeitliche Ablauf der Reise.
Tagesschau: „Merz und Steinmeier reisen nach Asien“ (26.10.2026)
Der Beitrag ordnet die Reise des Kanzlers als Versuch ein, Partnerschaften auszubauen und die Abhängigkeit von China zu reduzieren. Anders als der Stern-Beitrag stellt er stärker den strategischen Zusammenhang zwischen den Reisen und der China-Politik heraus.
Übereinstimmung besteht bei den getrennten Asienreisen und den Stationen des Kanzlers. Unterschiedliche Schwerpunkte liegen bei der wirtschaftlichen Reiseplanung und der strategischen Einordnung; offen bleibt, welche konkreten Vereinbarungen am Ende erreicht werden.
