Freihandelsabkommen, CPTPP

Merz wirbt in Singapur für EU-Freihandel mit CPTPP

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 10:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bundeskanzler Friedrich Merz will die Handelsbeziehungen der EU mit dem Indopazifik ausbauen und dadurch wirtschaftliche Risiken reduzieren. Zugleich warnt er vor einer Abkopplung von China.

Merz’ nächste Stationen in Asien

  • Merz hält seine Grundsatzrede zum Auftakt der Reise in Singapur.
  • Am Mittwoch reist der Kanzler nach Japan und anschließend nach Südkorea weiter.
  • Mit Singapur vereinbart Deutschland einen Arbeitsplan für Sicherheit, Handel, Energie und Künstliche Intelligenz.
  • Singapur ist die erste von drei Stationen des Kanzlers auf seiner Asienreise. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Es gibt nun eine weitere Kanzer-Orchidee. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wirbt in Asien für einen Ausbau der Handelsbeziehungen - auch, um Deutschlands Abhängigkeit von China zu reduzieren. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Singapur ist die erste von drei Stationen des Kanzlers auf seiner Asienreise. - Bild: Kay Nietfeld/dpa Es gibt nun eine weitere Kanzer-Orchidee. - Bild: Kay Nietfeld/dpa Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wirbt in Asien für einen Ausbau der Handelsbeziehungen - auch, um Deutschlands Abhängigkeit von China zu reduzieren. - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Merz setzt in Singapur auf neue Handelspartner

Bundeskanzler Friedrich Merz strebt ein Freihandelsabkommen der EU mit der Transpazifischen Partnerschaft CPTPP an. Bei einer Grundsatzrede in Singapur schlug er zudem vor, bestehende Abkommen der EU mit einzelnen Ländern stärker miteinander zu verknüpfen.

Zwölf Staaten mit fast 600 Millionen Menschen

Der CPTPP gehören zwölf Länder auf fünf Kontinenten an, darunter Kanada, Australien, Chile und Großbritannien. Nach den Worten des Kanzlers würden ein Abkommen mit der EU und die Partnerschaft mehr als ein Drittel des Welthandels umfassen.

Langfristig strebt Merz außerdem ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Verband Südostasiatischer Nationen Asean an. Asean hat elf Mitgliedstaaten mit zusammen fast 700 Millionen Einwohnern. Über Handelsabkommen verhandelt die EU für ihre 27 Mitgliedstaaten.

Deutschland will Abhängigkeit von China verringern

Freihandelsabkommen sollen nach Merz’ Darstellung dazu beitragen, Deutschlands Partnerschaften in der Region breiter aufzustellen und die Abhängigkeit von China zu reduzieren. Eine Abkopplung von China lehnte der Kanzler zugleich ab und bezeichnete sie als großen Fehler.

Stattdessen warb Merz für eine Minderung der Risiken durch neue und vertiefte Partnerschaften. China müsse zudem Verantwortung für Frieden und Stabilität im Indopazifik übernehmen und seinen Einfluss für eine Friedenslösung im Ukraine-Krieg nutzen.

EU verschärft Blick auf China

Die EU wirft China unfaire Handelspraktiken vor. Auf dem EU-Gipfel Mitte Oktober forderten die Staats- und Regierungschefs die Kommission auf, neue Instrumente gegen Handelsungleichgewichte zu entwickeln.

Deutschland und Frankreich hatten zuvor eine gemeinsame Initiative dazu gestartet. Merz führt seine Reise nach dem Besuch in Singapur nach Japan und Südkorea fort.

Arbeitsplan mit Singapur vereinbart

Mit Ministerpräsident Lawrence Wong vereinbarte Merz einen Arbeitsplan für eine engere Zusammenarbeit bei Sicherheit und Verteidigung, Handel und Investitionen, grüner Energie sowie Künstlicher Intelligenz.

Fast 2.400 deutsche Unternehmen mit insgesamt 45.000 Arbeitsplätzen sind nach Angaben der Bundesregierung in Singapur tätig. Das jährliche Handelsvolumen zwischen beiden Ländern beträgt 11,8 Milliarden Euro.

Singapur ehrt den Kanzler mit Orchidee

Bei einer Zeremonie wurde eine Orchidee nach Merz benannt. Die „Vanda Friedrich Merz“ hat lila-braune Blüten und sattgrüne Blätter.

Die Benennung reiht sich in die sogenannte Orchideen-Diplomatie Singapurs ein. Auch Angela Merkel und Olaf Scholz erhielten dort eine nach ihnen benannte Orchideensorte.

Der Vorstoß für ein EU-Abkommen mit der CPTPP zielt auf eine engere wirtschaftliche Verbindung Europas mit Staaten im Indopazifik. Das Bündnis umfasst zwölf Länder und rund 600 Millionen Menschen. Für Deutschland wäre ein solches Abkommen vor allem deshalb relevant, weil die deutsche Industrie stark in internationale Liefer- und Produktionsketten eingebunden ist.

Handelspolitisch müsste der Vorschlag auf EU-Ebene weiterverfolgt werden. Die Bundesregierung kann keine Freihandelsabkommen im Alleingang abschließen; die Zuständigkeit liegt bei der Europäischen Union. Ein Abkommen mit der CPTPP würde zudem unterschiedliche Regelwerke, Interessen und Marktöffnungen zusammenführen. Das macht die Gespräche politisch und wirtschaftlich anspruchsvoll.

China bleibt zentraler Handelspartner

Merz verbindet die Öffnung zu neuen Partnern mit dem Ziel, Risiken zu verringern, ohne die Beziehungen zu China abzubrechen. Diese Linie entspricht dem Ansatz, Abhängigkeiten in kritischen Bereichen zu reduzieren und zugleich Handelsbeziehungen aufrechtzuerhalten. Für Unternehmen könnten zusätzliche Abkommen langfristig mehr Auswahl bei Lieferanten und Absatzmärkten schaffen.

Die Reise nach Singapur, Japan und Südkorea verbindet deshalb Wirtschafts- und Sicherheitspolitik. Neben Handelsfragen stehen Kooperationen bei Verteidigung, grüner Energie und Künstlicher Intelligenz im Mittelpunkt. Die praktische Bedeutung des Vorstoßes wird davon abhängen, ob die EU die bestehenden bilateralen Vereinbarungen mit Ländern der Region zu einem breiteren Netzwerk ausbauen kann.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Stern: „Kanzler auf Asienreise: Merz will großes Freihandelsabkommen mit Pazifik-Region“ (27.10.2026)

Der Artikel berichtet, Merz habe sich für ein EU-Freihandelsabkommen mit der CPTPP starkgemacht. Im Mittelpunkt steht damit wie in der dpa-Meldung der handelspolitische Vorschlag und seine Bedeutung für die wirtschaftliche Diversifizierung.

Deutschlandfunk: „Kanzler Merz wirbt in Singapur für Freihandelsabkommen mit Ländern der Pazifik-Region“ (27.10.2026)

Der Deutschlandfunk hebt hervor, Merz wolle auf der Asienreise Handelspartnerschaften vertiefen und für weitere Kooperationen werben. Damit setzt der Beitrag einen breiteren Schwerpunkt als der Stern-Bericht, der stärker auf das CPTPP-Abkommen fokussiert.

Beide Beiträge stellen den Ausbau der Handelsbeziehungen als zentrales Anliegen der Reise dar. Offen bleibt, wie die EU den Vorschlag politisch und praktisch in konkrete Verhandlungen überführen könnte.

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