Italien, Regierung

Italiens Ex-Premier Berlusconi mit 86 Jahren gestorben

12.06.2023 - 10:57:44 | dpa.de

MilliardĂ€r, Gesetzesbrecher, PolitikphĂ€nomen: Silvio Berlusconi prĂ€gte Italien als MinisterprĂ€sident ĂŒber Jahrzehnte. Er polarisierte, wurde verehrt oder verachtet. Nun ist er gestorben.

Silvio Berlusconi ist tot. - Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

Der frĂŒhere italienische MinisterprĂ€sident Silvio Berlusconi ist tot. Er starb am Montag im Alter von 86 Jahren, wie ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Zuvor hatten italienische Medien ĂŒber den Tod Berlusconis in einem MailĂ€nder Krankenhaus berichtet. Der MilliardĂ€r hatte in den vergangenen Jahrzehnten die Politik in Italien wie kein zweiter bestimmt, zugleich aber auch extrem polarisiert.

Berlusconi wurde am 29. September 1936 geboren, war zunÀchst GeschÀftsmann und stand seit 1994 insgesamt vier Regierungen in Italien als MinisterprÀsident vor. Er bestimmte die Geschicke des Landes mehr als zwei Jahrzehnte mit und war zeitlebens umstritten, wurde aber von vielen auch bewundert.

FĂŒr den frĂŒheren Regierungschef Mario Monti war Berlusconi der «Vater aller Populisten», er selbst nannte sich einmal «Jesus Christus der Politik». Immer wieder gab es VorwĂŒrfe von Interessenkonflikten zwischen seinem Amt und dem von ihm kontrollierten Medienimperium Mediaset. Auch musste er sich zahlreichen Gerichtsprozessen stellen.

Zuletzt Abgeordneter im Senat

Im Zusammenhang mit einer Strafe wegen Steuerhinterziehung wurde er 2013 aus dem Parlament ausgeschlossen und durfte in den folgenden Jahren keine öffentlichen Ämter ausĂŒben. Er klagte dagegen vor dem EuropĂ€ischen Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte. Zuletzt war er Abgeordneter im Senat, der kleineren der zwei Parlamentskammern in Rom.

Im MÀrz 2015 wurde er im «Bunga-Bunga»-Prozess um Sex mit minderjÀhrigen Prostituierten und Amtsmissbrauch in letzter Instanz freigesprochen. Auch ein Folgeverfahren wegen Zeugenbestechung endete mit einem Freispruch. Seiner Beliebtheit bei vielen Italienern taten die Konflikte mit dem Gesetz aber keinen Abbruch.

Im Zuge der Finanzkrise hatte er 2011 endgĂŒltig als MinisterprĂ€sident abtreten mĂŒssen. Immer wieder versuchte er das politische Comeback fĂŒr ein Spitzenamt. Doch die rauschende RĂŒckkehr auf die ganz große BĂŒhne gelang dem «Cavaliere» nicht - auch sein letzter Traum, StaatsprĂ€sident zu werden, platzte Anfang 2022.

Wiederholt Probleme mit der Gesundheit

Gesundheitlich hatte Berlusconi in seinen letzten Jahren immer wieder große Probleme: 2016 wurde er am Herz operiert, 2020 musste er wegen einer Corona-Infektion und einer LungenentzĂŒndung ins Krankenhaus. Auch 2022 wurde er wegen einer Harnwegsinfektion stationĂ€r behandelt. Bereits 1997 wurde er wegen eines Tumors an der Prostata operiert. Schon seit mehreren Jahren hatte er zudem einen Herzschrittmacher. Zuletzt wurde bekannt, dass er an chronischer LeukĂ€mie leidet.

Seine Forza Italia, die er bei den Parlamentswahlen 1994 aus dem Stand zur grĂ¶ĂŸten Partei gemacht hatte, schrumpfte im Stiefelstaat immer weiter zusammen. Das lag auch daran, dass Berlusconi kaum politische Erben zuließ und Forza Italia immer mit seinem Namen verbunden war. Immerhin schaffte sie es als kleiner Partner von Giorgia Meloni im Herbst 2022 noch mal in die Regierung.

Auch privat sorgte Berlusconi stets fĂŒr Schlagzeilen. Der zweimal geschiedene Politiker hinterlĂ€sst fĂŒnf Kinder und viele Enkel. Zuletzt war er mit der Forza-Italia-Abgeordneten Marta Fascina zusammen, die mehr als 50 Jahre jĂŒnger war als Berlusconi.

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