AutoritÀrer Aliyev in Aserbaidschan wiedergewÀhlt
08.02.2024 - 16:07:09Nach mehr als 20 Jahren an der Macht hat sich Staatschef Ilham Aliyev im autoritĂ€r gefĂŒhrten Aserbaidschan in einer vorgezogenen und sehr umstrittenen PrĂ€sidentenwahl erneut als haushoher Sieger feiern lassen. Nach AuszĂ€hlung fast aller Wahlzettel seien auf Aliyev 92,05 Prozent der Stimmen entfallen, teilte die Wahlkommission des ölreichen SĂŒdkaukasus-Staates am Donnerstag in der Hauptstadt Baku mit.
Nach dem Sieg gegen das verfeindete Nachbarland Armenien und der Eroberung der Konfliktregion Berg-Karabach hat der 62-JĂ€hrige damit nun seine Macht fĂŒr weitere sieben Jahre gesichert. UnabhĂ€ngige Beobachter prangern jedoch schwerwiegende VerstöĂe rund um die Abstimmung an, zu der mehr als sechs Millionen Menschen in dem Land am Kaspischen Meer aufgerufen waren.
OSZE kritisiert Wahl
Die Wahlbeobachtermission der Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kritisierte, dass Kritiker in Aserbaidschan unterdrĂŒckt werden und Aliyev, der das PrĂ€sidentenamt im Jahr 2003 von seinem Vater Heydar Aliyev ĂŒbernommen hatte, keine ernst zu nehmenden Konkurrenten gehabt habe. «Einige Oppositionsparteien nahmen ĂŒberhaupt nicht teil mit der BegrĂŒndung, es fehle an angemessenen demokratischen Bedingungen», sagte Missionsleiter Eoghan Murphy. Sein OSZE-Kollege Artur Herassymow sprach von einer «restriktiven Umgebung», in der die Wahlen in dem Zehn-Millionen-Einwohner-Land abgehalten worden seien.
Konkret kritisierten die Beobachter, dass keiner der sechs Gegenkandidaten Aliyevs Politik ernsthaft infrage gestellt habe, «so dass die WÀhler keine echte Alternative hatten». Auch seien wÀhrend des Urnengangs in den mehr als 6500 Wahllokalen teils «erhebliche MÀngel» festgestellt worden - etwa unzureichender Schutz vor Wahlbetrug durch Mehrfachabstimmungen. Das weckt auch Zweifel an der tatsÀchlichen Wahlbeteiligung, die offiziell von aserbaidschanischer Seite mit knapp 77 Prozent angegeben wurde.
BeschrÀnkungen von Versammlungs- und Meinungsfreiheit
Die OSZE-Beobachter verwiesen auĂerdem auf zunehmende BeschrĂ€nkungen von Versammlungs- und Meinungsfreiheit in Aserbaidschan und kritisierten die Verhaftung zahlreicher unabhĂ€ngiger Journalisten im Vorfeld der Wahl. Diese hatten KorruptionsfĂ€lle in Aliyevs Machtapparat offengelegt.
Ungeachtet all dieser VorwĂŒrfe lieĂ Baku die Wiederwahl Aliyevs öffentlich feiern. In der Millionenmetropole strömten in der Nacht zahlreiche Menschen mit Aliyev-Postern und Aserbaidschan-Flaggen auf die StraĂe. In der Stadt Schuscha in Karabach wurde ein Feuerwerk veranstaltet. Offiziellen aserbaidschanischen Angaben zufolge baute Aliyev bei seinem offiziell fĂŒnften Wahlsieg in Folge sein Ergebnis im Vergleich zur letzten PrĂ€sidentenwahl im Jahr 2018 noch einmal deutlich aus. Damals war es mit 86 Prozent angegeben worden.Â
GlĂŒckwĂŒnsche kamen von mehreren internationalen Staats- und Regierungschefs, darunter Kremlchef Wladimir Putin und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping. Auch der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj gratulierte. Sein von Russland angegriffenes Land hat in der Vergangenheit humanitĂ€re Hilfe aus Aserbaidschan erhalten, das ebenfalls eine Ex-Sowjetrepublik ist.
PrÀsidentenwahl vorgezogen
Aliyev hatte die eigentlich erst fĂŒr 2025 geplante PrĂ€sidentenwahl vorziehen lassen. Offiziell begrĂŒndete er den Schritt damit, dass er nach der Eroberung von Berg-Karabach und der Wiederherstellung der territorialen IntegritĂ€t Aserbaidschans nun eine neue Legitimation brauche. UnabhĂ€ngige Beobachter vermuten jedoch, dass es dem autoritĂ€ren Machthaber eher darum ging, den Karabach-Triumph auszunutzen, bevor sein Volk im kommenden Jahr möglicherweise wieder mehr auf die schwierige wirtschaftliche Lage Aserbaidschans blickt.
Aserbaidschanische Truppen hatten Berg-Karabach, um das es bereits 2020 Krieg gegeben hatte, im vergangenen Herbst erneut angegriffen und auch die restlichen Teile erobert. Die Region liegt zwar auf aserbaidschanischem Staatsgebiet, wurde aber bis vor einigen Monaten mehrheitlich von ethnischen Armeniern bewohnt. Jahrzehntelang war Karabach zwischen Aserbaidschanern und Armeniern umkÀmpft. Durch die Angriffe der aserbaidschanischen Armee flohen mehr als 100.000 Karabach-Bewohner. Armenien warf Aserbaidschan Vertreibung und «ethnische SÀuberung» vor.
Trotz der prekĂ€ren Menschenrechtslage und der militĂ€rischen Gewalt gegen Berg-Karabach ist Aserbaidschan ein wichtiger Energielieferant fĂŒr die EU, die langfristig unabhĂ€ngig von russischem Gas werden will. Baku richtet zudem im November die Weltklimakonferenz COP29 aus. Beides stöĂt immer wieder auf Kritik.


