Bidens, TV-Interview

Nach Bidens TV-Interview: Zweifel an Eignung halten an

06.07.2024 - 16:57:32 | dpa.de

Mit einem Interview zur Hauptsendezeit will US-PrĂ€sident Biden der Debatte um seine Eignung fĂŒr eine weitere Amtszeit einen neuen Dreh verpassen. Die Zweifel lassen sich nicht so einfach abschĂŒtteln.

Bleibt US-PrĂ€sident Joe Biden im Rennen um das Weiße Haus? Der Demokrat bleibt starr auf Kurs - doch in seiner Partei herrscht Unruhe. - Foto: Manuel Balce Ceneta/AP
Bleibt US-PrĂ€sident Joe Biden im Rennen um das Weiße Haus? Der Demokrat bleibt starr auf Kurs - doch in seiner Partei herrscht Unruhe. - Foto: Manuel Balce Ceneta/AP

US-PrĂ€sident Joe Biden hat sich in einem TV-Interview darum bemĂŒht, die erheblichen Zweifel an seiner Eignung als PrĂ€sidentschaftskandidat auszurĂ€umen – doch sie halten an. «Der PrĂ€sident ist zu Recht stolz auf seine Bilanz», schrieb etwa David Axelrod, einst Chefstratege von Ex-PrĂ€sident Barack Obama, auf der Online-Plattform X. «Aber er ist gefĂ€hrlich entfremdet von den Sorgen der Menschen hinsichtlich seiner FĂ€higkeiten und seiner Position in diesem Rennen.»

Das gut 20 Minuten lange GesprĂ€ch mit dem Sender ABC News hatte eigentlich der Schadenbegrenzung dienen sollen. WĂ€hrend Biden versuchte, Erfolge seiner Amtszeit in den Mittelpunkt zu rĂŒcken, wich der Journalist George Stephanopoulos nicht vom Thema seiner grundsĂ€tzlichen weiteren Eignung ab. Um politische Inhalte ging es ĂŒberhaupt nicht.

Der mit 81 Jahren schon jetzt Ă€lteste US-PrĂ€sident der Geschichte reagierte uneinsichtig und sagte unter anderem, zu einem RĂŒckzug könne ihn nur Gott bewegen. Umfragen, denen zufolge er in den vergangenen Tagen weiter an UnterstĂŒtzung einbĂŒĂŸte, stellte Biden infrage. Einen Ă€rztlichen Test nach seiner geistigen Fitness lehnte er auch auf mehrere Nachfragen von Stephanopoulos ab. Er weigerte sich außerdem, nĂ€her darauf einzugehen, was passieren wĂŒrde, wenn Vertraute ihn warnen wĂŒrden, dass sein Verhalten sich auch negativ auf die Mehrheiten im US-Kongress auswirken wĂŒrde. Alle wĂŒrden ihm sagen, er solle im Rennen bleiben, erklĂ€rte Biden.

Unruhe hinter den Kulissen

Bei der Wahl im November werden neben dem PrĂ€sidentenamt auch viele Sitze im Parlament neu vergeben. Unter Demokraten steigt die Angst, dass die Republikaner kĂŒnftig sowohl im Weißen Haus als auch im Kongress die Kontrolle haben könnten. Vier demokratische Abgeordnete im ReprĂ€sentantenhaus haben bereits öffentlich Bidens RĂŒckzug aus dem Rennen gefordert, zwei weitere ihre EinschĂ€tzung publik gemacht, dass Biden nicht gegen seinen republikanischen Herausforderer Donald Trump gewinnen kann. 

Zweifel an der Eignung des Demokraten werden allerdings noch immer eher hinter vorgehaltener Hand geĂ€ußert, Kritik also indirekt ĂŒber die US-Medien kommuniziert. Dort hĂ€ufen sich entsprechende Aussagen von Mitarbeitern namentlich nicht genannter Kongressmitglieder. Diese Botschaften könnten in den kommenden Tagen noch lauter werden - es steht eine Sitzungswoche im Kongress an. Berichten zufolge wird in der Partei mit weiteren Abweichlern gerechnet.

So versucht demnach etwa der Senator Mark Warner, eine Gruppe von Demokraten hinter sich zu versammeln, um Biden davon zu ĂŒberzeugen, aus dem Rennen auszusteigen. Laut den Berichten plant der MinderheitenfĂŒhrer im ReprĂ€sentantenhaus, Hakeem Jeffries, morgen außerdem ein Treffen mit hochrangigen Demokraten seiner Kammer, um die Lage zu besprechen. 

Öffentliche UnterstĂŒtzung erhĂ€lt Biden allerdings auch, etwa von seinem langjĂ€hrigen Parteifreund, Senator Chris Coons. Der pries Bidens politische Leistung bei X an und schrieb: «Ich kann es kaum erwarten, ihm dabei zu helfen, den Kampf gegen Trump weiterzufĂŒhren und im November zu gewinnen.» Der Senator John Fetterman schrieb ebenfalls bei X, die Demokraten mĂŒssten jetzt RĂŒckgrat beweisen und fĂŒgte hinzu: «Joe Biden ist unser Mann.» 

Der demokratische Abgeordnete Mike Quigley, der Biden kurz vor Ausstrahlung des Interviews offen zum RĂŒckzug aufgefordert hatte, widersprach Fetterman beim Sender CNN: Es brauche RĂŒckgrat, um «anzuerkennen, dass der PrĂ€sident der Vereinigten Staaten nicht die nötige Energie hat, um das Defizit hier zu ĂŒberwinden, und dass dies Auswirkungen auf uns alle haben wird».

Desaströses TV-Duell

Vor gut einer Woche hatte Biden beim ersten Fernseh-Duell mit seinem republikanischen Gegner Trump einen desaströsen Auftritt hingelegt, sich mehrfach versprochen und den Faden verloren. Danach entbrannte in den USA eine Debatte darĂŒber, ob Biden noch der richtige PrĂ€sidentschaftskandidat der Demokraten ist, um Trump erneut zu besiegen.

Biden kĂ€mpft seitdem an allen Fronten, um seine Kandidatur zu retten und setzt dabei auch auf zahlreiche Wahlkampftermine. In dem TV-Interview bei ABC News hatte er keine großen Aussetzer oder Patzer, suchte aber manchmal nach Worten. Nach Angaben des Senders wurde das Interview ungeschnitten ausgestrahlt. 

Eigentlich hat Biden die PrĂ€sidentschaftskandidatur fĂŒr seine Partei bereits sicher - offiziell soll er beim Parteitag der Demokraten gekĂŒrt werden, der vom 19. bis 22. August in Chicago stattfindet. Bei den Vorwahlen hat der US-PrĂ€sident die nötigen Delegiertenstimmen dafĂŒr gesammelt. Nennenswerte Konkurrenz hatte er im Vorwahlkampf nicht. Sollte er nun doch noch freiwillig das Handtuch werfen oder zum Verzicht gezwungen werden, mĂŒssten sich die Demokraten angesichts der nahenden Wahl schnell auf einen Ersatz einigen.

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