ProeuropÀische Regierungspartei behÀlt Mehrheit in Moldau
29.09.2025 - 04:30:16Bei der richtungsweisenden Parlamentswahl in der Republik Moldau hat die proeuropĂ€ische Regierungspartei PAS um PrĂ€sidentin Maia Sandu ihre Mehrheit im Parlament behalten. Sie errang nach AuszĂ€hlung fast aller Stimmen 49,8 Prozent, wie die zentrale Wahlkommission in Chisinau in der Nacht auf ihrer Website mitteilte. An zweiter Stelle kam mit 24,4 Prozent demnach der russlandfreundliche Patriotische Block um Ex-PrĂ€sident Igor Dodon. Die Wahlbeteiligung wurde mit rund 52 Prozent angegeben und lag damit etwas höher als 2021 (48 Prozent).Â
Die Parlamentswahl in dem verarmten Agrarstaat zwischen EU-Mitglied RumĂ€nien und der Ukraine galt als richtungsweisend. Moldau mit seinen 2,4 Millionen Einwohnern ist seit 2022 EU-Beitrittskandidat. Bei einem Referendum stimmte im vergangenen Jahr eine knappe Mehrheit fĂŒr einen EU-Beitritt. Sandu will mit einer Mehrheit proeuropĂ€ischer KrĂ€fte Reformen dafĂŒr fortsetzen. Im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren musste die PAS aber EinbuĂen hinnehmen.Â
Neben PAS und dem Patriotischen Block schafften die russlandfreundlichen KrĂ€fte des WahlbĂŒndnisses Alternativa (8,0 Prozent) und der Partei Nostru (6,2 Prozent) den Einzug in das 101 Sitze zĂ€hlende Parlament. Zum Wahlblock Alternativa gehören der BĂŒrgermeister der Landeshauptstadt Chisinau, Ion Ceban, und Alexandr Stoianoglo â Sandus Gegenkandidat bei der Stichwahl um das PrĂ€sidentenamt 2024. Unerwartet schaffte auch die einst fĂŒr eine Vereinigung mit RumĂ€nien gegrĂŒndete Partei PPDA den Sprung ĂŒber die 5-Prozent-HĂŒrde (5,7 Prozent).Â
Ex-PrĂ€sident kĂŒndigt Protest an
Lange bevor alle Stimmen ausgezĂ€hlt waren, hatte Dodon vom Patriotischen Block bereits Protest angekĂŒndigt. PAS habe die Wahl verloren, die Opposition habe gewonnen, sagte er noch vor Mitternacht vor dem GebĂ€ude der zentralen Wahlkommission.
Vor allem junge Leute fĂŒrchteten bei der Parlamentswahl um ihre Zukunft. «Wir mĂŒssen ĂŒber unsere Zukunft entscheiden, nicht unsere GroĂeltern und Menschen, die der Sowjetunion hinterhertrauern», sagte die 31-jĂ€hrige Mihaela Pirgari am Wahltag. Beim Gedanken daran, dass Moldau den EU-Beitritt möglicherweise nicht weiter verfolgen könnte, kamen ihr die TrĂ€nen. Zwei Rentnerinnen berichteten von ihrer kleinen Pension und beklagten, dass die PAS-Regierung nicht genug fĂŒr sie getan habe. Sie seien nicht gegen die EU, aber sie wollten auch gute Beziehungen zu Russland. An einen EU-Beitritt ihres Landes glaubten sie nicht, sagten sie.
VorwĂŒrfe von Einmischung und Manipulation
Sandu hatte Russland vor der Wahl massive Einflussnahme im Wahlkampf vorgeworfen. Moldauische Behörden sprachen von russischem Stimmenkauf, Desinformation in sozialen Netzwerken und Cyberattacken.Â
Moskau wiederum warf der FĂŒhrung in der Hauptstadt Chisinau Manipulation vor â so seien russlandfreundliche Parteien und KrĂ€fte ausgeschlossen worden von der Wahl. Am Wahltag gab es Beschwerden, dass BĂŒrger aus der abtrĂŒnnigen Region Transnistrien wegen einer im Zuge einer angeblichen Bombendrohung gesperrten BrĂŒcke nicht nach Moldau zur Abstimmung gelangen konnten. Traditionell haben auch die Menschen in Transnistrien mit moldauischem Pass Einfluss auf den Wahlausgang.
Hin- und hergerissen zwischen EU-Kurs und traditioneller NĂ€he zu Moskau
In der Republik Moldau streiten proeuropĂ€ische und prorussische KrĂ€fte seit Jahrzehnten um den Kurs. Auch in der Hauptstadt Chisinau sagten am Wahltag viele Menschen, dass es nur diese beiden Richtungen fĂŒr das Land gebe.Â
Zur Wahl aufgerufen waren auch Hunderttausende Moldauer, die im Ausland leben - viele davon in der EU. Sie haben traditionell einen groĂen Einfluss darauf, wer in ihrer Heimat regiert. Bei der Stichwahl um das PrĂ€sidentenamt im vergangenen Jahr setzte sich Sandu mit ihren Stimmen gegen Stoianoglo durch.
Das vorlĂ€ufige Endergebnis wird an diesem Montag erwartet, ebenso eine erste EinschĂ€tzung der Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die mit Wahlbeobachtern im Einsatz ist.





