Moldau, Wahl

Moldau auf EU-Kurs: Regierungspartei holt erneut Mehrheit

29.09.2025 - 16:45:55

Mit einer Mehrheit proeuropÀischer KrÀfte will PrÀsidentin Sandu nach der Parlamentswahl in Moldau den EU-Kurs fortsetzen. Die russlandfreundliche Opposition ist bei der Abstimmung gescheitert.

  • Die proeuropĂ€ische Partei Aktion und SolidaritĂ€t (PAS) erhielt erneut die absolute Mehrheit bei der richtungsweisenden Parlamentswahl in der Republik Moldau. - Foto: Katharina Schröder/dpa

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  • Die prowestliche PrĂ€sidentin Maia Sandu will mit einer Mehrheit prowestlicher KrĂ€fte im Parlament den EU-Kurs des Landes fortsetzen. - Foto: Vadim Ghirda/AP/dpa

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Die proeuropÀische Partei Aktion und SolidaritÀt (PAS) erhielt erneut die absolute Mehrheit bei der richtungsweisenden Parlamentswahl in der Republik Moldau. - Foto: Katharina Schröder/dpaDie prowestliche PrÀsidentin Maia Sandu will mit einer Mehrheit prowestlicher KrÀfte im Parlament den EU-Kurs des Landes fortsetzen. - Foto: Vadim Ghirda/AP/dpa

Nach ihrem Sieg bei der Parlamentswahl in der Republik Moldau will die proeuropĂ€ische Regierungspartei Aktion und SolidaritĂ€t (PAS) um PrĂ€sidentin Maia Sandu den Kurs Richtung EU-Beitritt fortsetzen. «Ich bin froh, dass unser Weg in die EU garantiert ist», sagte Sandu nach Bekanntgabe der Ergebnisse. Der russlandfreundliche Patriotische Block des frĂŒheren PrĂ€sidenten Igor Dodon landete abgeschlagen auf dem zweiten Platz.

Beobachter der Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) lobten die Organisation der Abstimmung als reibungslos in einem «schwierigen Umfeld». Kritik kam aus Moskau, wo Kremlsprecher Dmitri Peskow beklagte, dass Moldau fĂŒr die Hunderttausenden in Russland lebenden BĂŒrger des Landes lediglich zwei Wahllokale geöffnet habe. 

Traditionell ist Moldau mit seinen 2,4 Millionen Einwohnern zwischen einer AnnĂ€herung an die EU und einer Anlehnung an Russland hin- und hergerissen. Die beiden Nachbarn - EU-Mitglied RumĂ€nien und die Ukraine - gratulierten der PAS zum Sieg. Sie begrĂŒĂŸten die Niederlage russlandfreundlicher KrĂ€fte. 

Zu verdanken hat die prowestliche PrĂ€sidentin Sandu ihren Sieg einmal mehr den Moldauern in der EU, die traditionell den prowestlichen Kurs unterstĂŒtzen. Sandu hatte Russland zuvor massive Einflussnahme vorgeworfen, darunter Stimmenkauf, Desinformation und Cyberattacken.

Beobachter fordern gleichberechtigten Zugang zur Wahl

Der OSZE-Beobachter und deutsche Europaabgeordnete Michael Gahler (CDU) sagte, Russland habe vor der Wahl am Sonntag beispiellosen Druck ausgeĂŒbt, sei aber gescheitert. Die Wahlbeobachter merkten aber auch an, dass Moldau seine AblĂ€ufe noch verbessern mĂŒsse. Der maltesische Beobachter Chris Said sagte mit Blick auf die EinschrĂ€nkungen fĂŒr die abtrĂŒnnige Region Transnistrien, dass Moldau kĂŒnftig allen WĂ€hlern – ob im Land selbst oder im Ausland - den gleichen Zugang zur Abstimmung gewĂ€hrleisten mĂŒsse. Auf die VorwĂŒrfe aus Russland ging er nicht ein. 

Das moldauische Außenministerium hatte am Wahltag erklĂ€rt, dass in den beiden Wahllokalen in Russland jeweils nur 5.000 Stimmzettel verfĂŒgbar gewesen seien. Das Ministerium nannte dafĂŒr SicherheitsgrĂŒnde, konkretisierte diese aber nicht. In Russland leben Hunderttausende Moldauer. 

Die Entscheidung, zwei Parteien wenige Tage vor der Wahl einzuschrĂ€nken, habe fĂŒr VorwĂŒrfe von politischer Voreingenommenheit gesorgt, hieß es bei der Pressekonferenz der OSZE-Wahlbeobachter in Chisinau. Betroffen war auch die Partei Herz Moldaus, die dem russlandfreundlichen WahlbĂŒndnis Patriotischer Block angehört hatte. Ihr wurde FinanzverstĂ¶ĂŸe vorgeworfen. 

Sandu verliert Verfassungsmehrheit

Sandus Regierungspartei verlor ihre verfassungsgebende Mehrheit im Parlament mit 101 Sitzen, gewann aber mit 50,20 Prozent klar und wird weiter mehr als 50 Mandate halten. Die PAS setzte sich gegen den russlandfreundlichen Patriotischen Block Dodons ĂŒberraschend deutlich durch, der auf nur 24,17 Prozent der Stimmen kam.

Dass die PAS wieder allein regieren könne, sei unerwartet, sagte Expertin Brigitta Triebel von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Chisinau der Deutschen Presse-Agentur. Die Strategie der Partei, im Wahlkampf auf die Polarisierung des Landes zu setzen und gleichzeitig die HandlungsfĂ€higkeit der staatlichen Organe zu zeigen, sei offenkundig aufgegangen. Es sei gelungen, die Menschen trotz der Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Lage fĂŒr die Wahl zu mobilisieren.

Die Parlamentswahl in dem verarmten Agrarstaat zwischen EU-Mitglied RumÀnien und der Ukraine galt als richtungsweisend. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,21 Prozent. Moldau ist seit 2022 EU-Beitrittskandidat. 

Nur wenige bei Protest gegen Wahlausgang in Moldau

Wahlverlierer und Ex-PrĂ€sident Dodon konnte bei einem Protest in Chisinau am Montag nur wenige Unzufriedene auf der Straße versammeln. Er beklagte, dass vor allem viele Menschen in der abtrĂŒnnigen Region Transnistrien, in der russische Soldaten stationiert sind, an der Abstimmung gehindert worden seien. 

Der Einzug in das fĂŒr vier Jahre gewĂ€hlte Parlament gelang auch den russlandfreundlichen KrĂ€ften des Blocks Alternativa (7,96 Prozent) und der Partei Nostru des GeschĂ€ftsmanns Renato Usatii (6,20 Prozent). Überraschend schaffte laut vorlĂ€ufigem amtlichen Endergebnis auch die einst fĂŒr eine Vereinigung mit RumĂ€nien gegrĂŒndete Partei PPDA den Sprung ĂŒber die 5-Prozent-HĂŒrde (5,62 Prozent).

EU-Politiker erleichtert

EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen schrieb in Anspielung auf russische Beeinflussungsversuche, kein Versuch, Angst und Spaltung zu sĂ€en, habe den Willen des Staates brechen können. Die TĂŒr der EuropĂ€ischen Union stehe offen und man werde Moldau auf jedem Schritt des Weges dorthin unterstĂŒtzen. 

Auch Außenminister Johann Wadephul sicherte dem Land UnterstĂŒtzung auf dem Weg in die EU zu. «Die Menschen in Moldau haben sich gestern fĂŒr Freiheit und Demokratie, fĂŒr Rechtsstaatlichkeit und fĂŒr die Aussicht auf eine gute Zukunft fĂŒr ihr Land entschieden», sagte der CDU-Politiker bei einem Treffen mit seinen Amtskollegen aus Polen, Frankreich und der Ukraine in Warschau.

@ dpa.de