Israel: Hamas will Schicksal von MilitÀrchef verschleiern
15.07.2024 - 02:32:56Â
Tel Aviv/Gaza (dpa) - Israels Armee bemĂŒht sich nach ihrem Luftangriff auf den MilitĂ€rchef der islamistischen Hamas fieberhaft um KlĂ€rung seines Schicksals. Der israelische Generalstabschef Herzi Halevi warf der Hamas vor, dies verhindern zu wollen: «Es ist noch zu frĂŒh, um auf die Ergebnisse des Schlags zu schlieĂen, die die Hamas zu verbergen versucht». Die Armee hatte Mohammed Deif am Samstag bei Chan Junis im SĂŒden Gazas angegriffen. Dutzende Menschen wurden dabei getötet. Ob Deif unter den Toten ist, ist noch unklar.
Es sei «sehr schwer zu glauben», dass jemand den Luftangriff ĂŒberlebt habe, zitierte das «Wall Street Journal» Yossi Kuperwasser, ehemaliger Leiter der Forschungsabteilung des israelischen MilitĂ€rgeheimdienstes. Es könne aber noch Tage oder Wochen dauern, bis Israel genĂŒgend Informationen habe, um sicher sagen zu können, was mit Deif geschehen ist. Israels Armee hatte im MĂ€rz die Tötung von Deifs Stellvertreter Marwan Issa erst zwei Wochen nach dem Angriff auf ihn bestĂ€tigt. Die Hamas hat Issas Tod dagegen nie bestĂ€tigt.
Sollte Deif tatsĂ€chlich nicht mehr am Leben sein, wĂ€re er der ranghöchste Hamas-AnfĂŒhrer, der von Israel in dem seit mehr als neun Monaten andauernden Gaza-Krieg getötet wurde. Am Sonntag bestĂ€tigte das israelische MilitĂ€r, dass bei dem Luftangriff der Kommandant der Chan-Junis-Brigade der Hamas, Rafa Salama, getötet wurde. Er galt als enger Mitarbeiter von Deif, der sich zum Zeitpunkt des Luftangriffs an seiner Seite befunden haben soll.
Unterdessen sind bei einem weiteren Luftangriff auf ein SchulgebĂ€ude im FlĂŒchtlingsviertel Nuseirat im mittleren Abschnitt des abgeriegelten Gazastreifens nach palĂ€stinensischen Angaben etwa 15 Menschen getötet worden. Dutzende Menschen seien verletzt worden, gab die Hamas bekannt. Israels MilitĂ€r teilte zuvor mit, dass es mehrere KĂ€mpfer der Hamas im Areal einer Schule des UN-FlĂŒchtlingshilfswerks UNRWA angegriffen habe. Sie habe den Terroristen als Versteck und Operationsbasis fĂŒr Attacken auf Israels Truppen gedient.Â
Im Vorfeld des Angriffs habe die Armee zahlreiche Schritte unternommen, um das Risiko fĂŒr Zivilisten zu minimieren, hieĂ es. Die Angaben beider Seiten lieĂen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. In Nuseirat hatte Israels Armee erst kĂŒrzlich nach eigenen Angaben mehrere in einem SchulgebĂ€ude verschanzte Terroristen aus der Luft angegriffen. Kurz zuvor waren bei einem Angriff auf eine ehemalige UNRWA-Schule, die seit Ausbruch des Gaza-Kriegs als FlĂŒchtlingsunterkunft diente, nach Angaben der Hamas 16 Menschen ums Leben gekommen.
Israel: Hamas nutzt Schulen und Zivilisten als SchutzschildÂ
Die israelische Armee wies einmal mehr darauf hin, dass die Terrororganisation systematisch gegen internationale Gesetze verstoĂe, indem sie zivile Einrichtungen wie Schulen und die Bevölkerung als menschliche Schutzschilde fĂŒr TerroranschlĂ€ge gegen den Staat Israel missbrauche. Auslöser des Krieges war das Massaker mit mehr als 1.200 Toten, das Terroristen der Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober 2023 in Israel verĂŒbt hatten.Â
Ein Vertreter der Hamas in Beirut bestritt am Sonntag, dass ihr MilitĂ€rchef in Gaza getötet worden sei. Deif wird oft das «Phantom» genannt. Der 58-JĂ€hrige soll mindestens sieben israelische AnschlĂ€ge ĂŒberlebt haben. Israel dĂŒrfte daher besonders sorgfĂ€ltig vorgehen, um festzustellen, ob er diesmal getötet wurde, sagte Kuperwasser dem «Wall Street Journal». Ein Foto seiner Leiche wĂ€re aussagekrĂ€ftiger als Geheimdienstinformationen, sagte er.Â
Israels Armeechef: Wir haben ihn gefunden
Bis vor gut einem halben Jahr ging man in Israel davon aus, dass Deif mehrere GliedmaĂen verloren und eine Vielzahl körperlicher Behinderungen hat. Bis schlieĂlich Aufnahmen auftauchten, die Deif mit beiden Armen und beiden Beinen zeigten. Deif gilt als einer der von Israel meistgesuchten Terroristen. Er ist der Stellvertreter des Chefs der Hamas im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar. Israel verfolgt das Ziel, sie gefangenzunehmen oder zu töten.Â
«Mohammed Deif hatte Angst zu sterben, also versteckte er sich auf eine Weise, die sogar seine FĂ€higkeit zu befehlen beeintrĂ€chtigte», sagte Halevi und fĂŒgte hinzu: «Er versteckte sich und opferte mit ihm seine Leute und Zivilisten, die sich in der Gegend befanden». Israels Armeechef ist sich sicher: «Wir haben ihn gefunden, wir werden auch die NĂ€chsten finden».
PalĂ€stinensischen Angaben zufolge wurden bei dem Luftangriff mindestens 90 Menschen getötet. Mindestens 300 weitere seien in der humanitĂ€ren Zone Al-Mawasi verletzt worden, teilte die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde mit. Auch diese Angaben konnten zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden. Nach Angaben eines israelischen Armeevertreters war das Ziel des Luftangriffs eine abgezĂ€unte, bewachte Hamas-Basis, die in der von Israel so deklarierten humanitĂ€ren Zone westlich von Chan Junis gelegen habe.
Hamas: Verhandlungen nicht abgebrochen
Ein Vertreter des politischen FlĂŒgels der Hamas dementierte Berichte, wonach die indirekten Verhandlungen mit Israel ĂŒber eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln abgebrochen werden. Es treffe nicht zu, dass die Hamas eine solche Entscheidung nach dem israelischen Luftangriff getroffen habe, hieĂ es. Israelischen Medienberichten zufolge will der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, Daniel Barnea, in den kommenden Tagen zu einer weiteren Runde der Geisel-GesprĂ€che in die katarische Hauptstadt Doha reisen.
Bei den seit Monaten laufenden indirekten Verhandlungen, bei denen Katar, Ăgypten und die USA vermitteln, geht es um den Austausch der verbliebenen Geiseln in der Gewalt der Hamas gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge in israelischen GefĂ€ngnissen sowie eine Waffenruhe und die Lieferung humanitĂ€rer HilfsgĂŒter. Die indirekten GesprĂ€che verlaufen schleppend. Israel lehnt bislang die Forderung der Hamas nach einer dauerhaften Waffenruhe in Gaza ab.







