Baerbock: Westbalkanstaaten auf Weg in EU unterstĂŒtzen
04.03.2024 - 06:28:50AuĂenministerin Annalena Baerbock drĂŒckt bei der EU-Erweiterung um WestbalkanlĂ€nder wie Montenegro oder Bosnien-Herzegowina auch angesichts russischer und chinesischer Einflussversuche in der Region aufs Tempo. «Je schneller wir als EuropĂ€ische Union stĂ€rker werden in diesen geopolitischen Zeiten, umso besser», sagte die GrĂŒnen-Politikerin bei einem Treffen mit ihrem montenegrinischen Kollegen Filip Ivanovic in der Hauptstadt Podgorica. Zugleich betonte sie: «Die Erweiterung ist kein Selbstzweck, sondern sie dient der StĂ€rkung unseres gemeinsamen Europas.»
«EU-Erweiterung auf Westbalkan geopolitische Notwendigkeit»
Baerbock betonte, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine mache die EU-Erweiterung auf dem Westbalkan zu einer «geopolitischen Notwendigkeit». Wie in der Ukraine «ist auch hier auf dem westlichen Balkan das europĂ€ische Projekt ein Garant fĂŒr Freiheit, fĂŒr Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Wohlstand». Ivanovic nannte den Besuch Baerbocks in einer Zeit groĂer Reformen in seinem Land eine BestĂ€tigung, dass die EuropĂ€ische Union am Westbalkan interessiert sei. «Integration ist alternativlos, wenn wir eine stabile Region wollen. Es ist der Weg zu StabilitĂ€t und einer einfacheren Streitbeilegung», ergĂ€nzte er.
Russischer und serbischer Einfluss auf Montenegro
In Montenegro gibt es seit Oktober 2023 eine neue Regierung unter FĂŒhrung von MinisterprĂ€sident Milojko Spajic, die sich Reformen auf die Fahnen geschrieben hat. Spajic regiert jedoch auch mit UnterstĂŒtzung proserbischer und prorussischer Parteien. Ivanovic rĂ€umte ein, dass es Sorgen ĂŒber einen negativen Einfluss Russlands gebe. Er betonte aber auch: «In Montenegro sind 80 Prozent der BĂŒrger europĂ€isch orientiert, das sagt genug darĂŒber aus, wie und auf welche Weise Montenegro orientiert ist.» Baerbock traf neben Spajic und Invanovic auch den montenegrinischen PrĂ€sidenten Jakov Milatovic.Â
Enorme Verschuldung bei Peking
Montenegro hat sich bei China enorm verschuldet. Hintergrund ist der Bau einer Autobahn, die die Chinesen bis 2030 von der Adria bis zur serbischen Grenze bauen wollen. Seit Baubeginn 2009 sind von den rund 167 geplanten Kilometern erst etwa 40 fertig. Zuletzt war von 2,7 Milliarden Euro Gesamtkosten die Rede - womöglich war auch Korruption im Spiel.Â
Baerbock rĂ€umte vor diesem Hintergrund ein, es sei ein Fehler gewesen, «dass Europa nicht da war, als es wichtige Infrastrukturinvestitionen» in Montenegro brauchte. Dass das Land seine groĂen Infrastrukturprojekte etwa im Eisenbahn- oder Automobilbereich nun mit europĂ€ischer UnterstĂŒtzung angehe, sei «nicht nur eine StĂ€rkung eurer eigenen Infrastruktur, sondern eine StĂ€rkung der europĂ€ischen SouverĂ€nitĂ€t».Â
Auch in Bosnien-Herzegowina EU-Erweiterung zentrales Thema
Montenegro und Bosnien-Herzegowina gehören zu den sogenannten WestbalkanlĂ€ndern, zu denen auch Albanien, Serbien, Nordmazedonien und das Kosovo gezĂ€hlt werden. In BrĂŒssel wird Montenegro als am weitesten im Beitrittsprozess gesehen. Mit einer EU-Erweiterung wird frĂŒhestens gegen Ende des Jahrzehnts gerechnet. Mit Montenegro fĂŒhrt die EU seit 2012 Beitrittsverhandlungen. Bosnien-Herzegowina hat den Status eines Beitrittskandidaten, ist aber bislang noch nicht in Verhandlungen.
In Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, traf Baerbock am Abend die Angehörigen des StaatsprĂ€sidiums des Landes. Es besteht aus jeweils einem Vertreter der bosniakischen, serbischen und kroatischen Volksgruppe: Denis Becirovic (bosniakisch), Zeljka Cvijanovic (serbisch) und Zeljko Komsic (kroatisch). Der Vorsitz rotiert alle acht Monate. Bei einem GesprĂ€ch mit dem Hohen ReprĂ€sentanten der internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina, dem Deutschen Christian Schmidt, informierte sich die BundesauĂenministerin ĂŒber die Lage im Land.Â
Gespaltenes Bosnien-Herzegowina
Bosnien-Herzegowina ist gespalten in die EntitĂ€ten namens Föderation Bosnien-Herzegowina (abgekĂŒrzt FBiH) und den ethnisch-serbischen Teil Republika Srpska (RS). PrĂ€sident der RS ist der serbische Nationalist Milorad Dodik, der eine Abspaltung anstrebt. Dodik steht in Sarajevo vor Gericht, weil er veranlasst hat, dass Entscheidungen von Schmidt nicht mehr im Amtsblatt der RS veröffentlicht werden. KĂŒrzlich hat Dodik den belarussischen Langzeitherrscher Alexander Lukaschenko und den russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin besucht. Putin hatte ihm den prestigetrĂ€chtigen russischen Newski-Orden verliehen.Â





