Organisationen: HumanitÀre Lage im Gazastreifen dramatisch
12.10.2023 - 20:14:06Die islamistische Hamas hat mit ihrem Terror-Angriff auf Israel eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt, die die Menschen im Gazastreifen in eine humanitĂ€re Katastrophe stĂŒrzt. Als Antwort auf das schlimmste Blutbad der israelischen Geschichte bereitet die Armee eine Bodenoffensive auf den dicht besiedelten Landstrich am Mittelmeer mit mehr als zwei Millionen Bewohnern vor. Die Armee betonte, es wĂŒrden ausschlieĂlich die Hamas und ihre mit dem Terror verbundenen Ziele angegriffen.
Israel beklagt nach offiziellen Angaben mehr als 1200 Tote und 3391 Verwundete. Mindestens 150 Menschen wurden demnach in den Gazastreifen verschleppt, darunter mindestens fĂŒnf Deutsche.
Mehr als 1400 PalÀstinenser wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza durch israelische Angriffe getötet, mehr als 6200 verletzt.
Norwegischer FlĂŒchtlingsrat fordert humanitĂ€re Korridore
Der Norwegische FlĂŒchtlingsrat (NRC) schloss sich der Forderung nach humanitĂ€ren Korridoren in den Gazastreifen an. In Gaza gebe es so gut wie keinen Treibstoff mehr und die VorrĂ€te an Medikamenten und Lebensmitteln seien gefĂ€hrlich niedrig, sagte gestern der GeneralsekretĂ€r der Hilfsorganisation, Jan Egeland. «Dieses unglaublich dicht besiedelte Gebiet steht unter einer kompletten Belagerung und unnachgiebigem Bombardement durch Israel», beklagte Egeland. «Helfer können ihre Arbeit nicht machen, wenn ĂŒberall Bomben fallen.»
Das UN-NothilfebĂŒro (OCHA) berichtete, bisher seien fast 340.000 Menschen aus ihren Wohnungen geflĂŒchtet. Wirklich sichere Orte gebe es aber nirgendwo in dem kleinen nur 40 Kilometer langen und zwischen sechs und zwölf Kilometer breiten Territorium.
Westliche Politiker wie US-PrĂ€sident Joe Biden und die Vereinten Nationen mahnten, Israel mĂŒsse in AusĂŒbung seines Rechts auf Selbstverteidigung das humanitĂ€re Völkerrecht wahren. Israels PrĂ€sident Izchak Herzog betonte, die Angriffe im Gazastreifen seien «keine Vergeltung». Die Bombardements zielten auf die Hamas, sagte Herzog. «Hamas hat Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen.»
Abbas geht nicht auf Hamas-GrÀueltaten ein
Der palÀstinensische PrÀsident Mahmud Abbas verurteilte Angriffe auf Zivilisten «auf beiden Seiten». Bei einem Treffen mit dem jordanischen König Abdullah II. in Amman ging Abbas aber nicht auf die GrÀueltaten der im Gazastreifen herrschenden Hamas ein, wie die palÀstinensische Nachrichtenagentur Wafa gestern berichtete.
Abbas war von mehreren westlichen Staaten zu einer Verurteilung der Taten aufgefordert worden, darunter auch von Bundeskanzler Olaf Scholz. Am Freitag will auch US-AuĂenminister Antony Blinken Abbas in Jordanien treffen.
Die Hamas wird von der EU, den USA und Israel als Terrororganisation eingestuft. Die Hamas als zweitgröĂte PalĂ€stinensergruppe nach der Fatah-Partei von Abbas hatte 2007 gewaltsam die alleinige Kontrolle des Gazastreifens ĂŒbernommen.
Medien: Israels Parlament billigt Notstandsregierung
Israels Parlament billigte die Bildung einer Notstandsregierung von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu und Oppositionspolitiker Benny Gantz, wie israelische Medien gestern Abend berichteten. Die Einigung zur Notstandsregierung sieht vor, dass Netanjahu, Verteidigungsminister Joav Galant sowie Ex-Verteidigungsminister Gantz von der Partei Nationale Union ein Kriegskabinett bilden. Als Beisitzer ohne Stimmrecht sollen der ehemalige Generalstabschef Gadi Eisenkot und Likud-Minister Ron Dermer dienen. Israels OppositionsfĂŒhrer Jair Lapid erklĂ€rte gestern Abend, er werde der Notstandsregierung nicht beitreten, seine Partei unterstĂŒtze dennoch den Krieg gegen die Hamas als solchen.
Scholz telefoniert mit Erdogan und trifft Emir von Katar
In einem GesprĂ€ch mit Bundeskanzler Scholz wiederholte der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan nach Angaben aus Ankara sein Angebot, als Vermittler aktiv zu werden. Das teilte das tĂŒrkische PrĂ€sidialamt mit.
Scholz forderte in Berlin im GesprĂ€ch mit dem Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, eine schnellstmögliche Freilassung der Geiseln in den HĂ€nden der Hamas. Der Kanzler habe unterstrichen, «dass die Hamas die volle Verantwortung fĂŒr das Wohlergehen der Geiseln habe», teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit mit.
Der reiche Golfstaat Katar zĂ€hlt zu den wichtigsten UnterstĂŒtzern der Hamas. Das AuĂenministerium in Doha hat Israel allein fĂŒr das von der Hamas angerichtete Massaker verantwortlich gemacht.
Baerbock und von der Leyen reisen nach Israel
AuĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) reist heute zu einem SolidaritĂ€tsbesuch nach Israel. Der Besuch finde «im Rahmen ihrer aktuellen Krisendiplomatie» statt, hatte der Sprecher des AuswĂ€rtigen Amts mitgeteilt. Details des Programmes der BundesauĂenministerin in Israel waren zunĂ€chst nicht bekannt.
Auch EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen wird heute in Israel erwartet. Gemeinsam mit der PrĂ€sidentin des EuropĂ€ischen Parlaments, Roberta Metsola, besuche von der Leyen Israel, «um ihre SolidaritĂ€t mit den Opfern der Hamas-TerroranschlĂ€ge zu bekunden» und die israelische FĂŒhrung zu treffen, teilten die Kommission und das Parlament am spĂ€ten Abend mit. Auch zu diesem Besuch waren zunĂ€chst keine weiteren Details bekannt.
Israel bat Deutschland um Munition fĂŒr Kriegsschiffe. Das sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Zudem sollen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auch Blutkonserven und Schutzwesten angefragt worden seien.
Lufthansa flog erste Deutsche mit SonderflĂŒgen aus
Die Lufthansa begann gestern, Deutsche aus Israel heimzufliegen. Ein erster Sonderflug aus Tel Aviv landete am Abend in Frankfurt, wie es aus dem AuswĂ€rtigen Amt in Berlin hieĂ. An Bord seien 372 deutsche Staatsangehörige. Weitere FlĂŒge im Auftrag des deutschen AuĂenministeriums sollten folgen. Auch LĂ€nder wie Frankreich, GroĂbritannien und Litauen wollten ihre BĂŒrger ausfliegen.
Israels Armeechef rÀumt VersÀumnisse ein
Nach dem ĂŒberraschenden Hamas-Terrorangriff rĂ€umte MilitĂ€rchef Herzi Halevi VersĂ€umnisse der Armee ein. «Die IDF ist fĂŒr die Sicherheit des Landes und seiner BĂŒrger verantwortlich und am Samstagmorgen sind wir dieser Verantwortung nicht gerecht geworden», sagte er gestern in einer ErklĂ€rung. Er plĂ€dierte fĂŒr eine Aufarbeitung der Fehler nach dem Krieg.
Hamas-FunktionÀr: «Hat Monate gedauert, die Operation vorzubereiten»
Die Vorbereitung der Hamas dauerte nach Aussagen eines hohen Hamas-FunktionÀrs Monate. Ali Barakeh, Hamas-FunktionÀr im Exil in der libanesischen Hauptstadt Beirut, sagte der Deutschen Presse-Agentur gestern: «Es hat Monate gedauert die Operation vorzubereiten.» Bisher hÀtten sie ihr Ziel erreicht. «SpÀter wollen wir einen Gefangenenaustausch erzwingen», sagte Barakeh.
Ăgypten: Israel soll Angriffe auf GrenzĂŒbergang zu Gaza vermeiden
Ăgypten rief Israel auf, keine Luftangriffe mehr auf seinen einzigen GrenzĂŒbergang zum Gazastreifen zu fliegen. Nur so könnten Reparaturarbeiten an der zurzeit geschlossenen Lebensader zum Gazastreifen ausgefĂŒhrt werden, hieĂ es in einer ErklĂ€rung des AuĂenministeriums in Kairo.
Grund fĂŒr die israelischen Angriffe bei Rafah dĂŒrften Tunnel unter der Grenze nach Ăgypten sein. Es wird davon ausgegangen, dass durch sie auch Waffen geschmuggelt werden. US-AuĂenminister Blinken, der gestern in Israel zu GesprĂ€chen war, betonte, auch die USA fĂŒhrten GesprĂ€che ĂŒber die Ăffnung von Rafah.





