Joe Biden, Helsinki

Biden in Finnland - fĂŒnf Jahre nach Trump-Putin-Treffen

13.07.2023 - 06:01:30 | dpa.de

Nach dem Nato-Gipfel in Vilnius reist Joe Biden zum neuesten BĂŒndnismitglied. Der Kurztrip nach Finnland steht in völligem Gegensatz zum letzten Besuch eines amtierenden US-PrĂ€sidenten in Helsinki.

US-PrÀsident Joe Biden bei seiner Ankunft in Helsinki. - Foto: Sergei Grits/AP/dpa
US-PrÀsident Joe Biden bei seiner Ankunft in Helsinki. - Foto: Sergei Grits/AP/dpa

Der Kontrast zwischen dem Finnland-Besuch von Donald Trump 2018 und dem von Joe Biden 2023 könnte grĂ¶ĂŸer nicht sein: Damals der US-PrĂ€sident, der offen mit dem Ausstieg seines Landes aus der Nato drohte und sich in Helsinki bei einem denkwĂŒrdigen Auftritt Schulter an Schulter mit Kremlchef Wladimir Putin zeigte. Heute der US-PrĂ€sident, der beim Nato-Gipfel in Vilnius gerade erneut die Bedeutung des BĂŒndnisses in Kriegszeiten betonte, die eben jener Putin herbeigefĂŒhrt hat.

Unter Eindruck des Ukraine-Kriegs

Zwischen dem letzten Besuch eines amerikanischen PrĂ€sidenten in Helsinki und dem heutigen liegen Welten und nicht zuletzt der alles verĂ€ndernde russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die EindrĂŒcke des Krieges haben Finnland letztlich nach jahrzehntelanger militĂ€rischer BĂŒndnisfreiheit dazu bewegt, die Mitgliedschaft in der Nato zu beantragen. Seit Anfang April ist das nördlichste Land der EU offizielles Mitglied der Allianz, nun bekommt es - direkt nach dem Nato-Gipfel in Vilnius - Besuch vom Staats- und Regierungschef des mĂ€chtigsten Nato-VerbĂŒndeten: US-PrĂ€sident Biden ist zu Gast.

Der finnische PrÀsident Sauli Niinistö wollte den 80-jÀhrigen Biden in den Mittagsstunden zunÀchst im PrÀsidentenpalast in Helsinki zu einem bilateralen Treffen empfangen. SpÀter war ein Mini-Gipfel mit den Regierungschefs der weiteren nordischen LÀnder DÀnemark, Norwegen, Schweden und Island geplant, bei dem es vor allem um eine engere Zusammenarbeit bei der Sicherheit, dem Umweltschutz und Technologien gehen sollte. Abgerundet werden sollte Bidens Tag in der finnischen Hauptstadt am Abend mit einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Niinistö.

«Bollwerk der globalen Sicherheit und StabilitÀt»

Mit im GepĂ€ck hat Biden eine klare Botschaft zur Bedeutung der Nato - und damit eine, die so ganz anders ist als die, die Trump vor fĂŒnf Jahren in Helsinki aussendete. Bidens AmtsvorgĂ€nger hatte wĂ€hrend seiner Amtszeit immer wieder gegen die Nato gepoltert und ihre Daseinsberechtigung ein ums andere Mal infrage gestellt. Ganz anders dagegen Biden. Das BĂŒndnis bleibe ein «Bollwerk der globalen Sicherheit und StabilitĂ€t», sagte Biden nach Abschluss des Gipfels bei einer Rede an der UniversitĂ€t in Vilnius. Das BĂŒndnis sei stĂ€rker, energiegeladener und geschlossener denn je.

Biden ist sich der Bedeutung der Sicherheit Europas auch fĂŒr die USA bewusst. RegelmĂ€ĂŸig hebt er die Relevanz starker Allianzen in einer sich verĂ€ndernden Welt vor, so auch in Vilnius. «Deswegen habe ich mich als PrĂ€sident so sehr darauf konzentriert, die BĂŒndnisse wiederaufzubauen und wiederzubeleben, die den Eckpfeiler der amerikanischen FĂŒhrungsrolle in der Welt bilden.» Die Beziehungen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten seien ein «Anker fĂŒr die globale StabilitĂ€t», betonte er auch vor jubelnden litauischen Studenten.

DenkwĂŒrdige Pressekonferenz unter Trump

Biden zeigt klare Kante gegen den russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin, wird nicht mĂŒde, den Krieg Russlands in der Ukraine zu verurteilen und unterstĂŒtzt das angegriffene Land mit Milliarden. «Wir werden nicht wanken. Wir werden nicht wanken», rief Biden auf der BĂŒhne in Vilnius. Putin verstehe es immer noch nicht, dass die VerbĂŒndeten niemals von ihren Werten abrĂŒcken wĂŒrden. «Unser Engagement fĂŒr die Ukraine wird nicht nachlassen, wir werden fĂŒr Freiheit und UnabhĂ€ngigkeit eintreten, heute, morgen und so lange es dauert», sagte Biden.

Ganz anders Trump: Der gab bei dem Treffen mit Putin am 16. Juli 2018 in Helsinki eine denkwĂŒrdige Pressekonferenz und Ă€ußerte offen Zweifel an den Erkenntnissen der US-Geheimdienste zur russischen Einmischung in die US-Wahlen 2016 - jenen Wahlen, bei denen sich der Republikaner im Kampf ums Weiße Haus letztlich gegen die Demokratin Hillary Clinton durchsetzte. FĂŒr seine Aussagen erntete Trump in den USA prompt heftige, parteiĂŒbergreifende Kritik. FĂŒr Putin hĂ€tte dieser Auftritt nicht besser laufen können, fĂŒr die Vereinigten Staaten erwies er sich als BĂ€rendienst. SpĂ€ter machte Trump unter Druck diverse RĂŒckzieher und behauptete, sich versprochen und das genaue Gegenteil gemeint zu haben.

Biden signalisiert Einigkeit

Ein solches Chaos ist bei Biden nicht zu erwarten. Bei ihrer klaren Verurteilung des russischen Kriegs in der Ukraine sind sich die US-Regierung und ihre Partner in den nordischen HauptstĂ€dten Helsinki, Stockholm, Kopenhagen, Oslo und Reykjavik vollkommen einig. Die NordlĂ€nder haben die Ukraine zudem mit zahlreichen Hilfspaketen militĂ€risch wie auch finanziell und humanitĂ€r krĂ€ftig unterstĂŒtzt.

Finnland grenzt auf einer LĂ€nge von rund 1340 Kilometern an Russland und hat damit die mit Abstand lĂ€ngste Grenze aller EU-LĂ€nder zu dem Riesenreich im Osten. Die Nato-Außengrenze zu Russland hat sich durch den finnischen Beitritt mehr als verdoppelt. Diese Grenze ist an ihrem dichtesten Punkt nur rund zwei Autostunden von Helsinki entfernt - Biden dĂŒrfte sie wĂ€hrend seiner Reise aber nicht besuchen.

Verhandlungen mit Erdogan

NatĂŒrlich wird auch Schwedens erhoffter Nato-Beitritt in Helsinki eine Rolle spielen. Am Vorabend des Nato-Gipfels hatte der schwedische MinisterprĂ€sident Ulf Kristersson einen Deal mit dem tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan ausgehandelt, der die Blockade der TĂŒrkei hinsichtlich des schwedischen Beitritts ein fĂŒr alle Mal beseitigen soll. Aussagen von Erdogan nach Gipfelende deuteten jedoch darauf hin, dass sich Schweden wohl trotzdem noch Monate gedulden werden muss.

Die US-Regierung hofft dagegen ebenso wie die Nato, dass die Aufnahme der Schweden so bald wie möglich geschieht. Wenige Tage vor dem Gipfel versicherte Biden Kristersson bei einem Besuch im Weißen Haus, dass die USA den Beitritt des «fĂ€higen und engagierten Partners» Schweden herbeisehnten. Auch von Helsinki dĂŒrfte somit ein Signal ausgehen, dass Schweden in den Kreis der Nato-Staaten gehört. Die USA, Finnland, DĂ€nemark, Norwegen und Island sind allesamt Mitglieder - Schweden fehlt dagegen weiterhin die tĂŒrkische Ratifizierung und auch diejenige Ungarns, um letztlich 32. Nato-Mitglied zu werden.

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