Westafrika, Junta

Niger: US-Diplomatin trifft MilitÀrs, Junta benennt Premier

08.08.2023 - 06:14:21 | dpa.de

Nach dem Putsch im Niger setzen die USA auf Diplomatie und schicken Spitzendiplomatin Nuland zu den neuen Machthabern. Viel erreichen kann sie nicht.

Mohamed Toumba, einer der Soldaten, die den nigrischen PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum gestĂŒrzt haben, spricht zu AnhĂ€ngern der nigrischen Junta. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa
Mohamed Toumba, einer der Soldaten, die den nigrischen PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum gestĂŒrzt haben, spricht zu AnhĂ€ngern der nigrischen Junta. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa

Die US-Spitzendiplomatin Victoria Nuland hat fĂŒhrende Köpfe der MilitĂ€rjunta im Niger getroffen. Nuland sprach im Anschluss von einem «schwierigen» GesprĂ€ch. Fast zwei Wochen nach der MachtĂŒbernahme des MilitĂ€rs in dem westafrikanischen Land haben die Putschisten einen MinisterprĂ€sidenten benannt.

Nuland kam gestern im Niger mit dem neuen Stabschef der StreitkrÀfte, Moussa Salao Barmou, und drei weiteren Mitgliedern der MilitÀrjunta zusammen, wie sie nach dem Treffen in einer Schalte mit Reportern berichtete. Nuland beschrieb das GesprÀch als «sehr offen und bisweilen ziemlich schwierig». Ihre Bitte, den entmachteten und festgesetzten PrÀsidenten Mohamed Bazoum zu treffen, sei abgelehnt worden, sagte Nuland. Man habe mit ihm aber telefonieren können. Auch den selbsternannten neuen Machthaber, General Abdourahamane Tiani, habe sie nicht sehen können.

Hoffnung auf weitere GesprÀche

«Ich hoffe, dass sie die TĂŒr zur Diplomatie offen halten werden», sagte sie mit Blick auf die Putschisten. «Wir haben diesen Vorschlag gemacht.» US-Außenminister Antony Blinken sagte dem französischen Senders RFI, Diplomatie sei der bevorzuge Weg, die Situation zu lösen. Das sei der Ansatz der Ecowas. «Das ist auch unser Ansatz», betonte Blinken.

Nuland wies die MilitĂ€rs auch auf die Konsequenzen fĂŒr die Beziehungen zu den USA hin, sollte die demokratische Ordnung nicht wiederhergestellt werden. Sie verwies darauf, dass Hilfen fĂŒr den Niger bereits eingefroren wurden.

Am 26. Juli hatten Offiziere der PrĂ€sidialgarde im Niger den demokratisch gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Bazoum entmachtet. Der Kommandeur der Eliteeinheit, Abdourahamane Tiani, ernannte sich im Anschluss zum neuen Machthaber. Kurz nach Tianis MachtĂŒbernahme setzten die Putschisten die Verfassung außer Kraft und lösten alle verfassungsmĂ€ĂŸigen Institutionen auf. Unter Bazoum war der Niger einer der letzten strategischen Partner des Westens im Kampf gegen den Vormarsch islamistischer Terroristen in der Sahelzone gewesen.

Junta benennt Premierminister

In einer am spĂ€ten Montagabend im Fernsehen verlesenen ErklĂ€rung nannte ein Sprecher der MilitĂ€rjunta den Ökonomen Ali Mahaman Lamine Zeine als neuen Premierminister. Lamine Zeine war frĂŒher mehrere Jahre im Kabinett des 2010 gestĂŒrzten Ex-PrĂ€sidenten Mamadou Tandja Wirtschafts- und Finanzminister und arbeitete zuletzt nach einem nigrischen Medienbericht als Ökonom fĂŒr die Afrikanische Entwicklungsbank im Tschad.

Unklar ist weiter, wie die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas gegen die Putschisten vorgehen wird. Ein Ultimatum der Ecowas, Bazoum wieder einzusetzen, war am Wochenende abgelaufen. Das BĂŒndnis hatte mit Maßnahmen gedroht, die auch Gewalt beinhalten könnten. Die Staats- und Regierungschefs der Ecowas-Mitgliedsstaaten wollen nun am Donnerstag in Nigerias Hauptstadt Abuja ĂŒber die Lage im Niger beraten.

Experten zweifeln an Intervention

Nach Ansicht von Afrikaexperten hat die Ecowas trotz ihrer Drohungen kein Interesse an einem MilitĂ€reinsatz gegen die Putschisten im Niger. «Ich wĂ€re ĂŒberrascht, wenn wir ĂŒberhaupt eine Intervention sehen. Es ist nicht im Interesse irgendeines westafrikanischen Staates, einen Krieg gegen den Niger zu fĂŒhren», sagte der Afrika-Analyst Ben Hunter von der britischen Sicherheitsberatungsfirma Verisk Maplecroft der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Planer der Ecowas hĂ€tten bei MilitĂ€rinterventionen in anderen Teilen der Welt gesehen, wie schwierig und teuer solche Unterfangen werden könnten. Die Staaten hĂ€tten gehofft, dass die bloße Drohung Wirkung zeige.

Auch Sahelexperte Ulf Laessing von der Konrad-Adenauer-Stiftung hĂ€lt die Bedingungen fĂŒr einen MilitĂ€rschlag fĂŒr ungĂŒnstig. «Ich glaube nicht, dass es zum Krieg kommen wird. Ecowas haben zu wenig FĂ€higkeiten und auch keine Einsatztruppe», sagte Laessing der dpa. Das Überraschungsmoment sei nun vorbei. «So eine Operation zu machen, wĂ€re sehr riskant, und die Chance, dass es schiefgeht, sehr hoch - und die Frage ist, was danach kommt.» FĂŒr wahrscheinlicher halte er, dass man sich mit den Putschisten auf baldige Neuwahlen einigen werde.

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