Irans RevolutionswÀchter feuern Raketen auf Irak und Syrien
16.01.2024 - 00:01:40Irans RevolutionswĂ€chter (IRGC) haben nach eigenen Angaben Ziele im Irak und in Syrien mit mehreren ballistischen Raketen attackiert. Die Angriffe seien Rache fĂŒr den verheerenden Anschlag in der sĂŒdiranischen Stadt Kerman Anfang Januar sowie die Tötung eines hochrangigen IRGC-Offiziers Ende Dezember, teilte das IRGC-Webportal in der Nacht (Ortszeit) mit.
Das Ziel in Iraks Kurdengebieten beschrieb die Revolutionsgarde als Spionagezentrale des israelischen Geheimdienstes Mossad. «Wir versichern unserem geliebten Volk, dass die Offensivoperationen der Revolutionsgarde so lange fortgesetzt werden, bis auch der letzte Tropfen Blut der MÀrtyrer gerÀcht ist», hieà es in einer ErklÀrung.
Sicherheitskreise: Vier Tote und fĂŒnf Verletzte in Erbil
In der nordirakischen Stadt Erbil waren kurz vor Mitternacht (Ortszeit) laute Explosionen zu hören. In der NĂ€he eines neuen im Bau befindlichen US-Konsulats schlugen Augenzeugen zufolge mehrere Raketen ein. Sicherheitskreisen in Erbil zufolge kamen dabei vier Zivilisten ums Leben. FĂŒnf weitere sollen verletzt worden sein. Raketen seien auf Farmen nördlich von Erbil gefallen und hĂ€tten HĂ€user getroffen.
Die USA haben den iranischen Raketenangriff auf die Stadt Erbil im Norden des Irak kritisiert. «Die Vereinigten Staaten verurteilen die Angriffe auf Erbil auf das SchĂ€rfste und sprechen den Familien der Getöteten ihr Beileid aus», sagte der Sprecher des US-AuĂenministeriums, Matthew Miller. «Wir wenden uns gegen die rĂŒcksichtslosen Raketenangriffe des Iran, die die StabilitĂ€t im Irak untergraben. Wir unterstĂŒtzen die irakische Regierung und die kurdische Regionalregierung in ihren BemĂŒhungen, den Zukunftszielen des irakischen Volkes gerecht zu werden.»
In Syrien wurde nach Darstellung der RevolutionswÀchter vor allem die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) «in den besetzten Gebieten Syriens ausfindig gemacht und durch den Abschuss einer Reihe von ballistischen Raketen zerstört», hieà es in der Mitteilung. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna wurden extremistische Gruppen in der Provinz Idlib attackiert.
Könnten Irans Raketen auch Israel erreichen?
Bei dem Angriff handelte es sich laut Irna mit einer Strecke von mehr als 1200 Kilometern um die bisher weitreichendste Raketenoperation des Landes. Dies dĂŒrfte auch ein klares Signal an den Erzfeind Israel sein. Es wĂ€re in etwa die gleiche Entfernung, die Raketen vom Landeswesten benötigen, um Tel Aviv oder Jerusalem zu erreichen.
Die kurdische Menschenrechtsorganisation Hengaw hatte zuvor auf X (ehemals Twitter) ĂŒber einen Raketenangriff von einer IRGC-Raketenbasis im Westen Irans berichtet. Dieser habe der Stadt Erbil gegolten, schrieb die in Norwegen ansĂ€ssige Organisation. Die Angaben lieĂen sich zunĂ€chst nicht ĂŒberprĂŒfen.
Irakischer KurdenfĂŒhrer Barzani:Â Feiger Angriff
Der Sicherheitsrat der kurdischen Autonomiegebiete bezeichnete die Rechtfertigungen der iranischen Revolutionsgarde fĂŒr den Angriff in Erbil unterdessen als bloĂe VorwĂ€nde. Der Angriff sei eine Verletzung der SouverĂ€nitĂ€t der Region und des Irak, hieĂ es in einer ersten Stellungnahme in der Nacht. Erbil sei «keine Quelle der Bedrohung» und werde dies auch in Zukunft nicht sein, «aber die StreitkrĂ€fte der Garde benutzen falsche VorwĂ€nde, um die StabilitĂ€t des Landes zu untergraben.»
Der irakische KurdenfĂŒhrer Massud Barzani verurteilte auf der Plattform X, ehemals Twitter, den «feigen Angriff auf die Menschen in der Region Kurdistan aufs SchĂ€rfste» und forderte die Regierung in Bagdad auf, sich klar gegen die SouverĂ€nitĂ€tsverletzung zu positionieren.
Lage seit Gaza-Krieg Ă€uĂerst angespannt
Die Lage in der Region ist seit Ausbruch des Gaza-Kriegs vor mehr als drei Monaten Ă€uĂerst angespannt. Raketenangriffe durch die IRGC hat es seitdem nicht gegeben. Mit dem Iran verbĂŒndete militante Gruppen haben in den vergangenen Monaten jedoch oft Ziele in Syrien und im Irak angegriffen. Israel und die USA gelten seit der Islamischen Revolution von 1979 als Irans Erzfeinde.
Ende Dezember wurde bei einem mutmaĂlich israelischen Luftangriff in Syrien der iranische Brigadegeneral Sejed-Rasi Mussawi getötet. Er war ranghohes Mitglied der IRGC. Die militĂ€rische FĂŒhrung Irans schwor Israel daraufhin Rache. Die Revolutionsgarde ist Irans Eliteeinheit und gilt als weitaus mĂ€chtiger als die regulĂ€ren Truppen. Oberbefehlshaber ist Staatsoberhaupt Ali Chamenei.
Bei einem Terroranschlag in der Stadt Kerman wurden Anfang Januar mehr als 90 Menschen in den Tod gerissen. Der IS reklamierte die Attacke fĂŒr sich. Sie galt einer Trauerveranstaltung anlĂ€sslich des Todestags des mĂ€chtigen Generals Ghassem Soleimani in dessen Heimatstadt. Es war der tödlichste Anschlag in der rund 45-jĂ€hrigen Geschichte der Islamischen Republik.


