Feuerpause, Gaza-Krieg

Feuerpause im Gaza-Krieg rĂŒckt nĂ€her: Details ĂŒber Austausch

22.11.2023 - 17:47:32

Nach der Vereinbarung einer Feuerpause zwischen Israel und der Hamas werden Details ĂŒber den geplanten Austausch israelischer Geiseln und palĂ€stinensischer HĂ€ftlinge bekannt. Der Überblick.

  • In Israel wird erwartet, dass die schrittweise Freilassung von mindestens 50 Geiseln am Donnerstag beginnen könnte. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

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  • Helfer suchen nach einem israelischen Luftangriff in einem zerstörten Haus in Rafah nach Überlebenden. - Foto: Abed Rahim Khatib/dpa

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  • PalĂ€stinenser erhalten in einem Verteilungszentrum des Hilfswerks der Vereinten Nationen in Chan Junis MehlsĂ€cke. - Foto: Mohammed Talatene/dpa

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  • Israelische Soldaten manövrieren gepanzerte MilitĂ€rfahrzeuge entlang der israelischen Grenze zum Gazastreifen. - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa

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  • Mindestens 50 Frauen und Kinder, die in den Gazastreifen entfĂŒhrt worden waren, sollen freigelassen werden. - Foto: Oded Balilty/AP/dpa

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In Israel wird erwartet, dass die schrittweise Freilassung von mindestens 50 Geiseln am Donnerstag beginnen könnte. - Foto: Ilia Yefimovich/dpaHelfer suchen nach einem israelischen Luftangriff in einem zerstörten Haus in Rafah nach Überlebenden. - Foto: Abed Rahim Khatib/dpaPalĂ€stinenser erhalten in einem Verteilungszentrum des Hilfswerks der Vereinten Nationen in Chan Junis MehlsĂ€cke. - Foto: Mohammed Talatene/dpaIsraelische Soldaten manövrieren gepanzerte MilitĂ€rfahrzeuge entlang der israelischen Grenze zum Gazastreifen. - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpaMindestens 50 Frauen und Kinder, die in den Gazastreifen entfĂŒhrt worden waren, sollen freigelassen werden. - Foto: Oded Balilty/AP/dpa

Knapp sieben Wochen nach Beginn des Gaza-Krieges soll es erstmals zu einer Feuerpause zwischen Israel und der islamistischen Hamas kommen. Die Freilassung von ersten Geiseln aus dem Gazastreifen nach Israel wird laut ĂŒbereinstimmenden israelischen Medienberichten nicht vor Freitag erfolgen.

Als Teil einer nun bekanntgemachten Vereinbarung zwischen Israel und der Hamas sollen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen entlassen werden. Mit der Waffenruhe soll es auch grĂ¶ĂŸere Hilfslieferungen fĂŒr die notleidende Zivilbevölkerung im Gazastreifen geben.

Die islamistische Hamas und die israelische Regierung haben sich auf eine maximal zehntÀgige Feuerpause in Israel und dem abgeriegelten Gazastreifen geeinigt. Teil der Vereinbarung ist ein Austausch von bis zu 100 Geiseln aus Israel gegen bis zu 300 palÀstinensische Insassen israelischer GefÀngnisse. Die Kampfpause soll nach Angaben der Hamas am Donnerstag um 10.00 Uhr Ortszeit (9.00 Uhr MEZ) beginnen.

Terroristen der Hamas und anderer Gruppierungen hatten am 7. Oktober im SĂŒden von Israel beispiellose Massaker verĂŒbt, rund 1200 Menschen getötet und etwa 240 Geiseln nach Gaza verschleppt - darunter auch Deutsche. Von den 240 Verschleppten wurden bislang vier weibliche Geiseln von der Hamas freigelassen. Eine junge Soldatin konnte vom MilitĂ€r befreit werden. Die Armee fand zudem die Leichen zweier Frauen. Wie viele insgesamt noch am Leben sind, ist unklar.

Israels MilitĂ€r flog als Reaktion auf den Terror der Hamas Luftangriffe auf den Gazastreifen und rĂŒckte mit Bodentruppen in das abgeriegelte KĂŒstengebiet ein. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums wurden dabei mehr als 16.000 Menschen getötet.

Kampfpause wird maximal zehn Tage dauern

In einem ersten Schritt geht es einem israelischen Kabinettsbeschluss zufolge um den Austausch von 50 israelischen Geiseln und 150 palĂ€stinensischen HĂ€ftlingen innerhalb von vier Tagen. Die Geiseln und HĂ€ftlinge sollen dabei in jeweils vier Gruppen freigelassen werden. FĂŒr die Übergabe von mindestens zehn israelischen Geiseln an israelische SicherheitskrĂ€fte werde eine Zahl von HĂ€ftlingen freigelassen, hieß es. Wie viele, ging aus dem Dokument nicht hervor. In einem zweiten Schritt sollen ebenfalls in kleineren Gruppen bis zu 50 weitere israelische Geiseln fĂŒr bis zu 150 weitere palĂ€stinensische HĂ€ftlinge ausgetauscht werden.

Die Freilassung von ersten Geiseln aus dem Gazastreifen nach Israel wird laut ĂŒbereinstimmenden israelischen Medienberichten nicht vor Freitag erfolgen. Entgegen des erwarteten ersten Austauschs von Geiseln aus Israel gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge am Donnerstag, wĂŒrden die in den Gazastreifen verschleppten Geiseln nicht vor Freitag freikommen, zitierten die israelische Zeitung «Haaretz» und der TV-Sender N12 Israels Sicherheitsberater Tzachi Hanegbi am Mittwochabend. «Die GesprĂ€che ĂŒber die Freilassung unserer Geiseln schreiten voran und werden laufend fortgesetzt», sagte er.

Freilassung der Geiseln: Verzögerung und Prozess

Die genauen HintergrĂŒnde fĂŒr die Verzögerung waren zunĂ€chst unklar. Den Berichten zufolge könnten die Diskussionen ĂŒber die genauen Bestimmungen der Feuerpause noch nicht abgeschlossen sein.

Der Prozess der Geisel-Freilassung ist nach Angaben des israelischen Armeesprechers komplex und noch nicht abgeschlossen. Das MilitĂ€r bereite die Umsetzung dieser ersten Phase der Vereinbarung zwischen Israel und der islamistischen Hamas zwar vor, sagte Daniel Hagari am Mittwochabend. Die RĂŒckfĂŒhrung der in den abgeriegelten KĂŒstenstreifen verschleppten Menschen könne allerdings Zeit in Anspruch nehmen und in mehreren Etappen ablaufen.

Alle Geiseln sollen Israelis oder Einwohner Israels sein

Die israelische Nachrichtenseite Ynet meldete, Israel dĂŒrfe der Vereinbarung zufolge die Namen der 100 Geiseln, die freikommen sollen, an die Hamas ĂŒbermitteln. Teil des Deals soll demnach auch sein, dass entfĂŒhrte MĂŒtter und Kinder bei der Freilassung nicht voneinander getrennt werden. Alle Geiseln sollen laut Regierungsbeschluss die israelische StaatsbĂŒrgerschaft haben oder Einwohner Israels sein. Ob auch Doppelstaatler mit deutschem Pass darunter sein könnten, ist unklar.

Israel nennt Details zu den beim Gaza-Deal freikommenden HĂ€ftlingen

Israel gab am Mittwoch Namen und Einzelheiten zu den inhaftierten PalĂ€stinensern bekannt, die fĂŒr eine Freilassung infrage kommen. 123 der 300 Gefangenen sind demnach Jugendliche unter 18 Jahren. Die JĂŒngsten sind erst 14 Jahre alt. 33 HĂ€ftlinge sind der Auflistung zufolge MĂ€dchen und Frauen. Zur Last gelegt wird ihnen unter anderem das Werfen von Brandbomben, Brandstiftung oder Messerattacken.

Israelische Medien hatten zuvor berichtet, dass keine HĂ€ftlinge freigelassen wĂŒrden, die wegen Mordes im GefĂ€ngnis sitzen. Sie sollen demnach in die Orte zurĂŒckkehren, in der sie vor ihrer Inhaftierung gelebt haben, etwa ins Westjordanland oder nach Ost-Jerusalem.

Die Veröffentlichung der Einzelheiten ĂŒber die palĂ€stinensischen HĂ€ftlinge soll Medien zufolge der Öffentlichkeit die Möglichkeit geben, gegen die Freilassung bestimmter Personen Einspruch beim Obersten Gericht einzulegen. Nach Angaben eines israelischen Regierungssprechers könnten unter anderem Angehörige von Terroropfern dies innerhalb von 24 Stunden tun. Es wird jedoch nicht erwartet, dass das Gericht gegen die Entscheidung der Regierung vorgehen wird.

Israel: Armee hat rund 400 TunnelschÀchte in Gaza zerstört

Die israelischen StreitkrÀfte griffen erneut Ziele der islamistischen Hamas im Gazastreifen an. Seit Beginn des Gaza-Krieges am 7. Oktober zerstörten Soldaten rund 400 TunnelschÀchte im Gazastreifen, teilte das MilitÀr am Mittwoch mit. Viele der Tunnel der islamistischen Hamas seien unter zivilen KrankenhÀusern, Schulen und HÀusern gewesen.

Im sandigen Boden des rund 45 Kilometer langen und etwa sechs bis 14 Kilometer breiten Gazastreifens mit seinen mehr als zwei Millionen Einwohnern gibt es nach israelischen Angaben ein Netz unterirdischer Tunnel. Die islamistische Hamas hatte 2007 in dem KĂŒstengebiet gewaltsam die Macht an sich gerissen. Sie will den Staat Israel zerstören.

Armee: Terroristen bei Armeeeinsatz im Westjordanland getötet

Bei einem Anti-Terror-Einsatz der israelischen Armee im nördlichen Westjordanland wurden sechs PalĂ€stinenser getötet. Dies teilten das Gesundheitsministerium in Ramallah und die israelische Armee mit. Nach Angaben der Armee waren darunter vier fĂŒhrende Terroristen, die an einer großen Zahl von AnschlĂ€gen auf israelische Orte und Soldaten in dem Gebiet um Tulkarem beteiligt gewesen waren. Auch die anderen beiden Toten bezeichnete das MilitĂ€r als Terroristen.

Der Armee zufolge waren israelische SicherheitskrĂ€fte fĂŒr einen Anti-Terror-Einsatz in Tulkarem, als mehrere Personen SprengsĂ€tze auf Soldaten geworfen und diese beschossen hĂ€tten. Eine Drohne habe daraufhin auf die VerdĂ€chtigen geschossen und diese auch getroffen, teilte das MilitĂ€r mit.

Seit den Massakern von Terroristen der islamistischen Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober hat sich die Sicherheitslage im von Israel besetzten Westjordanland massiv verschlechtert. Bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten, aber auch Attacken von israelischen Siedlern, sind seither 216 PalÀstinenser getötet worden, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

@ dpa.de