Deutschland, Saudi-Arabien

Merz will engere Partnerschaft mit Golfstaaten

04.02.2026 - 14:54:27

Nach der Zuspitzung des Konflikts im und um den Iran besucht der Kanzler LĂ€nder am anderen Ufer des Persischen Golfs. Dort geht es um die StĂ€rkung der Partnerschaften – auch in einem heiklen Bereich.

Bei seiner ersten Reise auf die Arabische Halbinsel als Bundeskanzler will Friedrich Merz (CDU) die strategischen Partnerschaften zu drei besonders einflussreichen Golfstaaten stĂ€rken. Er brach am Nachmittag nach Saudi-Arabien auf und will anschließend Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) besuchen. Vor allem im Energiebereich soll die Kooperation mit den öl- und gasreichen LĂ€ndern gestĂ€rkt werden. Es wird aber auch um nicht ganz unumstrittene RĂŒstungsgeschĂ€fte gehen und um den Iran-Konflikt, der sich dramatisch zugespitzt hat.

Warum auf die Arabische Halbinsel?

Nach seinen Antrittsreisen zu den VerbĂŒndeten in Europa und Nordamerika geht es fĂŒr Merz nun darum, die Beziehungen zu wichtigen LĂ€ndern außerhalb von EU und Nato zu stĂ€rken. Deswegen war er Ende vergangenen Jahres schon bei Gipfeltreffen in Afrika und Lateinamerika und gleich zu Beginn dieses Jahres in Indien.

Das hat auch damit zu tun, dass sich Deutschland in einer neuen Weltordnung, in der Großmachtpolitik eine zunehmende Rolle spielt, neu orientieren muss. AbhĂ€ngigkeiten von SupermĂ€chten wie China (Exporte und Rohstoffe) und den USA (Verteidigung, FlĂŒssiggas, Handel) sollen verringert werden.

Die drei reichen Golfstaaten Saudi-Arabien, Katar und die VAE haben da einiges zu bieten: Vor allem FlĂŒssiggas und perspektivisch auch Wasserstoff können dazu beitragen, dass sich Deutschland im Energiebereich breiter aufstellt. Aber auch als Investoren in Deutschland sind die LĂ€nder interessant – sie können neue ArbeitsplĂ€tze schaffen.

Wie groß das Interesse an der Region ist, zeigt, dass kurz vor Merz bereits Umweltminister Carsten Schneider (SPD) und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in Saudi-Arabien vorstellig geworden sind.

Sind auch RĂŒstungsgeschĂ€fte geplant?

Es wird keine AbschlĂŒsse geben, aber die GesprĂ€che darĂŒber stehen ziemlich weit oben auf der Agenda. Waffenexporte in die drei autokratisch gefĂŒhrten LĂ€nder wurden wegen der Menschenrechtslage und Beteiligung an regionalen Konflikten wie dem Jemen-Krieg von VorgĂ€ngerregierungen lange Zeit sehr zurĂŒckhaltend gehandhabt. FĂŒr Saudi-Arabien galt sogar jahrelang ein Stopp von RĂŒstungsexporten. Jetzt sollen sie die strategischen Partnerschaften stĂ€rken.

Gelockert wurde der Kurs schon von der Ampel-Regierung, die Anfang 2024 den Weg fĂŒr den Export weiterer Eurofighter an Saudi-Arabien frei machte. Auch am Transportflugzeug A400M von Airbus besteht dort seit lĂ€ngerer Zeit Interesse. Das gilt auch fĂŒr die Vereinigten Arabischen Emirate. Katar ist bereits guter Kunde der deutschen RĂŒstungsindustrie und hat zuletzt eine Lieferung von Boxer-SchĂŒtzenpanzern erhalten.

Dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri zufolge zĂ€hlten Saudi-Arabien und Katar im Zeitraum 2020 bis 2024 zu den LĂ€ndern, die weltweit am meisten RĂŒstungsgĂŒter importierten. Vor ihnen lagen demnach nur noch die Ukraine und Indien.

Warum sind die LĂ€nder strategisch so interessant?

Seit den arabischen AufstĂ€nden von 2011 sind die traditionellen Machtzentren der arabischen Welt wie Kairo oder Damaskus an den Golf gewandert – nach Saudi-Arabien, in die VAE und nach Katar. In den beiden grĂ¶ĂŸten laufenden Konflikten – also Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und Israels Konflikt mit der Hamas im Gazastreifen – sind sie wichtige Stimmen oder auch direkt an Verhandlungen und an Vermittlung beteiligt.

So soll in Abu Dhabi, der Hauptstadt der VAE unmittelbar vor dem Eintreffen von Merz die nĂ€chste Verhandlungsrunde zwischen Russland und der Ukraine unter Vermittlung der USA stattfinden. Der Kanzler wird von seinem außenpolitischen Berater GĂŒnter Sautter begleitet, dem vielleicht wichtigsten UnterhĂ€ndler auf europĂ€ischer Seite im Ukraine-Konflikt. An den Verhandlungen in den VAE ist Europa derzeit aber nicht beteiligt.

Katar spielt im Gaza-Konflikt eine zentrale Rolle und hilft Deutschland mit seinen guten Kontakten zu den islamistischen Taliban bei der RĂŒckfĂŒhrung von StraftĂ€tern nach Afghanistan.

Wird es auch um den Iran-Konflikt gehen?

Mit Sicherheit. Die Sorgen vor einem neuen Krieg sind groß. US-PrĂ€sident Donald Trump hat der StaatsfĂŒhrung in Teheran mehrfach mit MilitĂ€rschlĂ€gen gedroht, auch wegen des brutalen Vorgehens staatlicher KrĂ€fte gegen Demonstranten bei den jĂŒngsten Massenprotesten. Das US-MilitĂ€r hat seine PrĂ€senz in der Region deutlich ausgebaut. Nun soll es Berichten zufolge aber Verhandlungen mit dem Iran geben.

Im Fall eines erneuten US-Angriffs im Iran könnte die stark unter Druck geratene FĂŒhrung in Teheran einen Gegenangriff starten, in den auch die Golfstaaten als Standort von US-Truppen hineingezogen werden könnten.

Spielen die Menschenrechte noch eine Rolle?

Ja, aber nicht mehr eine so große wie frĂŒher. Vor acht Jahren wurde der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman von westlichen Staats- und Regierungschefs wegen des brutalen Mordes am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi noch geschnitten. Heute scheint der Fall die Beziehungen kaum noch zu beeintrĂ€chtigen. Kanzler Merz sollte am spĂ€ten Abend vom faktischen Herrscher Saudi-Arabiens mit militĂ€rischen Ehren empfangen werden und mit ihm zu einem Essen zusammenkommen.

Die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien wird von Organisationen wie Amnesty International aber weiterhin als unterirdisch beschrieben. Trotz einiger Lockerungen fĂŒr das gesellschaftliche Leben und einiger StĂ€rkungen bei den Frauenrechten gibt es glaubwĂŒrdige Berichte von außergerichtlichen Tötungen, Folter und willkĂŒrlichen Verhaftungen.

@ dpa.de