Israel rĂŒckt verstĂ€rkt gegen Hamas vor
30.10.2023 - 07:36:40Terroristen der Hamas im Gazastreifen haben Israel auch wĂ€hrend der heftigen Luftangriffe auf das PalĂ€stinensergebiet weiter mit Raketen angegriffen. In Jerusalem, im Zentrum des Landes und im SĂŒden heulten die Warnsirenen, wie die Armee mitteilte. Es gab zunĂ€chst keine Berichte ĂŒber Opfer. Israels MilitĂ€r rĂŒckt parallel im Gazastreifen verstĂ€rkt mit PanzerverbĂ€nden und Kampfflugzeugen gegen die islamistische Hamas vor. Die humanitĂ€re Lage fĂŒr die Menschen dort immer furchtbarer.
Obwohl Israel mit Nachdruck die noch im Norden des Gazastreifens verbliebenen Zivilisten, darunter Patienten in KrankenhĂ€usern, aufrief, sich in den SĂŒden in Sicherheit zu begeben, halten sich etwa beim Schifa-Krankenhaus nach TV-Berichten weiterhin Tausende von Menschen auf. Nach israelischer Darstellung dient das Krankenhaus auch als Hamas-Kommandozentrum. Derweil kommt es im Nordkaukasus zu gewaltsamen antijĂŒdischen Ăbergriffen angesichts von immer mehr Todesopfern im Gazastreifen.
Nach palÀstinensischen Angaben wurden in der Nacht vier Menschen getötet. Wie das palÀstinensische Gesundheitsministerium in Ramallah weiter mitteilte, feuerte eine israelische Drohne auch eine Rakete auf das Dach eines Hauses ab.
Die israelische Zeitung «Jerusalem Post» berichtete, die Armee sei gegen bewaffnete Mitglieder militanter PalÀstinenserorganisationen vorgegangen. Auch sei Sprengstoff sichergestellt worden.
Nach Angaben der palĂ€stinensischen Behörden fĂŒhrte israelisches MilitĂ€r in der Nacht auch wieder in mehreren StĂ€dten des Westjordanlandes Razzien durch. Ob und wie viele Menschen festgenommen wurden, war zunĂ€chst nicht bekannt.
AntijĂŒdische Ăbergriffe in Dagestan
In Russlands ist es im muslimisch geprĂ€gtem Nordkaukasus wĂ€hrenddessen verstĂ€rkt zu antijĂŒdischen Ăbergriffen gekommen. In Machatschkala in der Teilrepublik Dagestan drang eine Menschenmenge am Sonntagabend in den Flughafen ein, weil dort eine Maschine aus Tel Aviv gelandet war, in der angeblich FlĂŒchtlinge aus Israel saĂen.
Bei dem Vorfall seien mehr als 20 Menschen teils schwer verletzt worden, meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass. Israel forderte die russischen Behörden zum Schutz seiner StaatsbĂŒrger auf. Die USA verurteilten die antisemitischen VorfĂ€lle in Dagestan, so die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats auf der Plattform X.
ChefanklÀger warnt Israel und Hamas
Der ChefanklĂ€ger am Internationalen Strafgerichtshof, Karim Khan, warnte derweil Israel wie auch die Hamas vor VerstöĂen gegen das Völkerrecht. «Ich möchte Israel gegenĂŒber klar betonen, dass es ohne weitere Verzögerung erkennbare Anstrengungen unternehmen muss, um sicherzustellen, dass die Zivilbevölkerung Grundnahrungsmittel erhĂ€lt, Medizin, Narkosemittel», sagte Khan in Kairo mit Blick auf die katastrophale humanitĂ€re Lage im Gazastreifen. Und an die Adresse der in Gaza herrschenden Hamas und aller, «die dort die Kontrolle haben»: Die Hilfe mĂŒsse die Zivilbevölkerung erreichen «und nicht missbraucht oder von ihr abgezweigt» werden, warnte der ChefanklĂ€ger.
UN: Bisher 17 Lastwagen angekommen
Sit Kriegsbeginn sind nach UN-Angaben 117 Lastwagen mit HilfsgĂŒtern im Gazastreifen eingetroffen. Trotz der geringen Menge wĂŒrden die GĂŒter eine «entscheidende Rolle» dabei spielen, unter anderem die wesentliche Gesundheitsversorgung in Gaza zu stĂ€rken, teilte das UN-NothilfebĂŒro OCHA in Genf mit.
Nach UN-Angaben werden tÀglich eigentlich 100 Lastwagenladungen benötigt, um die 2,2 Millionen Menschen dort mit dem Nötigsten zu versorgen. Vor Kriegsbeginn kamen OCHA zufolge im Durchschnitt unter der Woche tÀglich 500 Lkw in den Gazastreifen.
Gestern seien 33 Lastwagen in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen angekommen und damit die gröĂte Lieferung an einem Tag seit Kriegsbeginn. Darunter seien Wasser, Lebensmittel und Arzneimittel. «Die Erhöhung ist willkommen, es wird laufend aber eine viel gröĂere Menge benötigt, um eine weitere Verschlechterung der humanitĂ€ren Lage zu vermeiden, darunter auch zivile Unruhen.»
Das UN-PalĂ€stinenserhilfswerk UNRWA befĂŒrchtet, dass die Ordnung wegen der Knappheit an humanitĂ€ren GĂŒtern zusammenbricht. Am Sonntag waren Tausende von Menschen in Lager- und Verteilpunkte fĂŒr HilfsgĂŒter eingebrochen. Sie hĂ€tten dabei Mehl und andere Dinge wie Hygiene-Artikel mitgenommen.
Zahl der Toten steigt
Israel hat seit dem Massaker durch Terroristen der Hamas mehr als 1400 Tote zu beklagen. Mehr als 230 Menschen wurden verschleppt. Die Opferzahlen im Gazastreifen stiegen unterdessen im Zuge von Israels heftigen GegenschlĂ€gen weiter. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten palĂ€stinensischen Gesundheitsministeriums wurden seit Kriegsbeginn vor gut drei Wochen mehr als 8300 PalĂ€stinenser getötet. Die Zahlen lassen sich gegenwĂ€rtig nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres rief unterdessen erneut zu einem sofortigen «humanitĂ€ren Waffenstillstand» und der Freilassung der ĂŒber 230 Geiseln auf. Im Gazastreifen spiele sich «vor unseren Augen eine humanitĂ€re Katastrophe» ab, so Guterres auf der Plattform X. Am Wochenende plĂŒnderten Menschen in Gaza UN-Lebensmittellager. «Dies ist ein besorgniserregendes Zeichen, dass die zivile Ordnung nach drei Wochen Krieg und einer festen Belagerung Gazas langsam zusammenbricht», erklĂ€rte Thomas White, UNRWA-Leiter im Gazastreifen.
Todesnachricht trotz vermisster Leiche
Laut der Mutter von Shani Louk, Ricarda Louk, ist ihre seit dem Hamas-TerrorĂŒberfall auf Israel vermisste Tochter tot. Das habe ihr das israelische MilitĂ€r mitgeteilt, so Louk. Die Leiche ihrer Tochter sei bislang zwar nicht gefunden worden, sagte Louk. Man habe aber einen Splitter eines SchĂ€delknochens gefunden und daran eine DNA-Probe gemacht. Die Mutter geht davon aus, dass ihre Tochter bereits seit dem 7. Oktober tot ist - möglicherweise sei sie bei dem TerrorĂŒberfall durch einen Schuss in den SchĂ€del getötet worden. ZunĂ€chst gab es Hinweise, dass sie als Geisel verschleppt wurde.
Die Bundesregierung will nach Angaben des deutschen Botschafters in Israel, Steffen Seibert, bei den BemĂŒhungen um die Freilassung von Geiseln alle diplomatischen Möglichkeiten nutzen. Es sei wichtig, «dass wir diplomatisch alle Mittel, die Deutschland hat, nutzen, um mit denen zu sprechen, die vielleicht Einfluss auf die Hamas haben», sagte Seibert am Montag im RTL/ntv-«FrĂŒhstart». «Es ist bekannt, wer die sind. Mit all denen wird gesprochen», sagte Seibert weiter. Die Forderung der Welt mĂŒsse heiĂen: «Lasst sie alle frei, ohne Bedingungen, jetzt.»





