Zölle, USA

Trumps Kampfansage im Grönland-Streit: Was kann Europa tun?

18.01.2026 - 12:39:06

Nach Drohungen nun offene Erpressung: Der US-PrĂ€sident versucht, seinen widerrechtlichen Besitzanspruch auf Grönland mit Zöllen fĂŒr Deutschland und andere Staaten durchzudrĂŒcken. Kann Europa kontern?

  • Trump beharrt auf seinen Anspruch auf Grönland. (Archivbild) - Foto: Evan Vucci/AP/dpa

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  • Die EuropĂ€er beraten gerade fieberhaft darĂŒber, wie sie auf Trumps Zollandrohung antworten sollen.  - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

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Trump beharrt auf seinen Anspruch auf Grönland. (Archivbild) - Foto: Evan Vucci/AP/dpaDie EuropĂ€er beraten gerade fieberhaft darĂŒber, wie sie auf Trumps Zollandrohung antworten sollen.  - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Grönland soll den USA gehören – diesen Plan zieht Donald Trump konsequent durch. Nun kĂŒndigt der US-PrĂ€sident zusĂ€tzliche Zölle gegen Deutschland und andere europĂ€ische Nato-VerbĂŒndete an, wenn DĂ€nemark seine riesige Arktisinsel nicht wie gewĂŒnscht an die USA verkauft. Wie können die EuropĂ€er diese Kampfansage kontern? Und: Sind die USA ĂŒberhaupt noch ein verlĂ€sslicher Partner – oder eher schon Gegner? 

Wie werden die EuropÀer jetzt reagieren? 

Um das zu entscheiden, soll es Ende der Woche einen Sondergipfel geben. Das kĂŒndigte EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa am Sonntagabend in BrĂŒssel an. Schon jetzt wird fieberhaft ĂŒber Handlungsoptionen beraten, denn es gilt eine gefĂ€hrliche Gratwanderung zu bewĂ€ltigen. Einerseits mĂŒssen die EuropĂ€er Trump zeigen, dass sie sich ein solches Vorgehen nicht gefallen lassen. Auf der anderen Seite gilt es, eine Eskalation zu vermeiden, denn die EuropĂ€er sind in Verteidigungs- und Technologiefragen extrem abhĂ€ngig von den Vereinigten Staaten. 

Als Horrorszenario gilt, dass Trump im Streit ĂŒber Grönland einen Austritt der Vereinigten Staaten aus der Nato ankĂŒndigt – und sich Russland dann eingeladen fĂŒhlt, seinen Eroberungsfeldzug beispielsweise auf die EU-Staaten im Baltikum auszudehnen.

Was könnte in der Zoll- und Wirtschaftspolitik konkret kommen? 

Als wahrscheinlich gilt, dass die EU nun erst einmal den Einsatz ihres neuen Instruments gegen wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen androht: Es wĂŒrde ermöglichen, Vergeltungszölle auf den Import von US-Waren zu verhĂ€ngen. Zudem könnten US-Unternehmen von der Vergabe öffentlicher AuftrĂ€ge ausgeschlossen werden – oder fĂŒr bestimmte Produkte Ein- und AusfuhrbeschrĂ€nkungen erlassen werden. Die französische Regierung hat am Sonntag schon angekĂŒndigt, dies schnell zu beantragen.

Als sicher gilt zudem, dass die EU die Umsetzung bestimmter Absprachen aus dem erst im Sommer geschlossenen Zollabkommen auf Eis legt. Sie sehen unter anderem vor, Zölle auf alle US-IndustriegĂŒter abzuschaffen und den EU-Marktzugang fĂŒr bestimmte US-Agrarprodukte zu verbessern.

Welche Möglichkeiten bietet die Diplomatie? 

Neben Gegenzöllen könnten die EuropĂ€er auch zu klassischen Mitteln des diplomatischen Protests greifen und zum Beispiel koordiniert die US-Botschafter einbestellen, um ihre Empörung nach Washington zu ĂŒbermitteln. 

ZunĂ€chst wendeten sich Deutschland und die anderen betroffenen europĂ€ischen LĂ€nder mit einer gemeinsamen ErklĂ€rung gegen die Drohung des US-PrĂ€sidenten. «Zolldrohungen untergraben die transatlantischen Beziehungen und bergen das Risiko einer Eskalation», heißt es in der Stellungnahme Deutschlands mit DĂ€nemark, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Großbritannien. 

Man werde koordiniert reagieren. Gleichzeitig signalisiert die Stellungnahme, weiterhin im GesprÀch mit den USA bleiben zu wollen: «Aufbauend auf dem letzte Woche begonnenen Prozess sind wir bereit, in einen Dialog einzutreten, auf Grundlage der Prinzipien der SouverÀnitÀt und territorialen IntegritÀt.» 

WĂ€re auch ein Boykott der Fußball-WM denkbar?

Diese Idee hat der CDU-Außenpolitiker JĂŒrgen Hardt ins Spiel gebracht – fĂŒr den Fall, dass die USA Grönland widerrechtlich annektieren. Er sagte am Samstag im Deutschlandfunk, mit einem solchen «Tabubruch» wĂŒrde sich das VerhĂ€ltnis Europas zu den USA fundamental verĂ€ndern. Er könne sich unter diesen Voraussetzungen nicht vorstellen, im Sommer in den USA ein fröhliches Fußballfest zu feiern. 

Eine widerrechtliche Besetzung Grönlands bedeute aus seiner Sicht, dass die EuropĂ€er ĂŒberprĂŒfen mĂŒssten, «ob man an solchen Spielen teilnehmen kann». Er gehe aber fest davon aus, dass es dazu nicht komme, sondern Trump von diesem Plan absehe. Trump mĂŒsse klar sein, dass Dinge die ihm «lieb und wichtig» seien, wie auch die WM im Sommer, gefĂ€hrdet seien, wenn er solche Schritte unternehme. Mit Kanzler Friedrich Merz habe er ĂŒber diese Frage nicht gesprochen, sagte er auf Nachfrage.

Organisiert wird die Fußball-WM vom Weltverband FIFA, teilnehmen wird Deutschland ĂŒber den Deutschen Fußball-Bund. Die VerbĂ€nde handeln weitgehend autonom. Zudem werden Boykotte im Sport sehr kritisch gesehen. Ähnliche Überlegungen vor der WM 2022 in Katar wegen der Menschenrechtsbedingungen vor Ort hatten zwar zu monatelangen Debatten gefĂŒhrt - letztlich aber keinerlei Auswirkungen gehabt. Die VerbĂ€nde betonen stets, den Sport von der Politik zu trennen.

Könnten die EuropĂ€er damit drohen, amerikanische MilitĂ€rstĂŒtzpunkte zu schließen?

In Europa gibt es seit Jahrzehnten Dutzende große US-MilitĂ€rstĂŒtzpunkte, die bei den weltumspannenden EinsĂ€tzen der Amerikaner - etwa im Nahen Osten - von enormer Bedeutung sind: Hier sind Truppen, Waffen, Schiffe und Flugzeuge stationiert, es werden Drohnen gesteuert oder auch Verletzte versorgt. In Deutschland gehören dazu das US-Oberkommando fĂŒr Europa (EUCOM) in Stuttgart und als Drehkreuz der US-Luftwaffe der Flugplatz Ramstein in Rheinland-Pfalz. Weitere wichtige StĂŒtzpunkte unterhalten die USA in Italien und in Großbritannien. 

KĂ€men die EuropĂ€er zu dem Schluss, aus Protest gegen Trumps Grönland-Politik den Betrieb dieser MilitĂ€rbasen einzuschrĂ€nken oder zu untersagen, wĂ€re die Logistik der US-StreitkrĂ€fte vor grĂ¶ĂŸere Probleme gestellt, etwa der Nachschub fĂŒr Truppen in anderen Teilen der Welt. Realistisch ist dieses Vorgehen allerdings nicht, denn die in Europa stationierten Soldaten und Atombomben der westlichen Schutzmacht USA gelten trotz Trumps wiederkehrender Kritik an der Nato immer noch als unverzichtbare Abschreckung gegen Aggressoren von außen, insbesondere seit dem russischen Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine.

Ist die Nato angesichts des Konflikts ĂŒberhaupt noch handlungsfĂ€hig?

Bislang wird von allen Seiten versucht, grĂ¶ĂŸeren SchĂ€den fĂŒr die Nato zu vermeiden. Sogar Trump stellte jĂŒngst klar, dass er die BĂŒndnismitgliedschaft der stĂ€rksten MilitĂ€rmacht der Welt nicht als Druckmittel gegen die Alliierten nutzen will. So verkĂŒndete er auf seiner Online-Plattform Truth Social: «Wir werden immer fĂŒr die Nato da sein, auch wenn sie nicht fĂŒr uns da sein wird». 

GrundsĂ€tzlich gilt fĂŒr die Nato, dass sie so lange ihren Hauptzweck erfĂŒllt, wie sie Gegner wie Russland zuverlĂ€ssig von einem militĂ€rischen Angriff auf einen BĂŒndnisstaat abschreckt. Vor allem die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sehen sie in diesem Zusammenhang als eine Art Lebensversicherung, die es um jeden Preis zu erhalten gilt. Die europĂ€ischen VerbĂŒndeten Großbritannien und Frankreich sind zwar auch AtommĂ€chte, ihr Sprengkörper-Arsenal ist allerdings sehr begrenzt und wird nicht als ausreichend angesehen, um fĂŒr ganz Europa ausreichend Abschreckung zu bieten.

Welche Auswirkungen wĂŒrden Zusatzzölle auf die Wirtschaft haben? 

Die angekĂŒndigten Zölle wĂŒrden aus Sicht der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) spĂŒrbare zusĂ€tzliche Einschnitte nach sich ziehen: «Der Einbruch der deutschen Exporte in die USA um fast zehn Prozent im Jahr 2025 wĂ€re damit nur ein Aufgalopp», warnt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Der europĂ€ische Maschinen- und Anlagenbau ist laut dem Branchenverband VDMA von den US-Zöllen bereits jetzt ĂŒberdurchschnittlich stark betroffen, weil eine Vielzahl von Produkten den Sonderzöllen auf Stahl und Aluminium von 50 Prozent unterliegen. Nach Darstellung des Verbands der Automobilindustrie wĂ€ren die Kosten durch diese zusĂ€tzlichen Zölle fĂŒr die deutsche sowie europĂ€ische Industrie enorm.

@ dpa.de