Nahost, Siedler

Festnahmen nach Siedler-Ausschreitungen gegen PalÀstinenser

23.06.2023 - 18:40:02

Nach einem Anschlag auf Israelis griffen Siedler massiv unbeteiligte PalÀstinenser und ihren Besitz an. Das will die israelische Armee nicht dulden. Ein Minister stellt sich dagegen ganz klar an die Seite der Siedler.

  • Ein MĂ€dchen steht in Turmus Aya im Westjordanland neben einem Auto, das infolge eines Brandanschlags durch jĂŒdische Siedler zerstört worden ist. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

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  • EU-Vertreter Sven KĂŒhn von Burgsdorff spricht von Terrorismus der Siedler gegen PalĂ€stinenser. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

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Ein MĂ€dchen steht in Turmus Aya im Westjordanland neben einem Auto, das infolge eines Brandanschlags durch jĂŒdische Siedler zerstört worden ist. - Foto: Ilia Yefimovich/dpaEU-Vertreter Sven KĂŒhn von Burgsdorff spricht von Terrorismus der Siedler gegen PalĂ€stinenser. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

Nach massiven Ausschreitungen israelischer Siedler gegen PalĂ€stinenser hat Israels Inlandsgeheimdienst Schin Bet nach Medienberichten drei TatverdĂ€chtige festgenommen. Zu den Ausschreitungen war es nach einem Anschlag im Westjordanland gekommen, bei dem zwei militante PalĂ€stinenser am Dienstag vier Israelis erschossen hatten. Die Nachrichtenseite ynet berichtete am Freitag, dass Siedler als Reaktion auf die Tat auch sieben neue Außenposten errichteten.

Der rechtsextreme israelische Polizeiminister Itamar Ben-Gvir besuchte den vor zwei Jahren gerĂ€umten Außenposten Eviatar. Er zeigte sich mit den Siedlern solidarisch, die nach dem Anschlag nach Eviatar zurĂŒckgekehrt waren und forderte die Einrichtung weiterer Außenposten. Gleichzeitig verlangte er einen breiten MilitĂ€reinsatz gegen militante PalĂ€stinenser. «HĂ€user zerstören, Terroristen auslöschen, und zwar nicht einen oder zwei, sondern Dutzende, Hunderte und wenn nötig auch Tausende.»

MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hatte nach dem Anschlag den beschleunigten Bau von rund 1000 Wohnungen in der Region angekĂŒndigt. «Unsere Reaktion auf Terror ist, ihn mit aller Macht zu bekĂ€mpfen, und unser Land aufzubauen», hieß es in einer Mitteilung. Der US-Botschafter in Israel, Tom Nides, kritisierte die Siedler, die Dutzende Fahrzeuge und HĂ€user in Brand gesetzt hatten. Die USA sĂ€hen solcher Gewalt nicht tatenlos zu. Zugleich sprach er den Familien der Anschlagsopfer sein MitgefĂŒhl aus.

Armee spricht von «nationalistischen Verbrechen»

Der israelische Armeesprecher Daniel Hagari verurteilte die Siedlerattacken am Freitag als «nationalistisches Verbrechen». Hagari sagte im GesprĂ€ch mit Journalisten, die Siedlergewalt fĂŒhre dazu, «dass palĂ€stinensische Zivilisten, die in keiner Weise am Terroristmus beteiligt sind, in Richtung Eskalation gedrĂ€ngt werden». Es sei Teil der Verantwortung der Armee zu gewĂ€hrleisten, «dass unschuldige PalĂ€stinenser in Sicherheit leben können». Das MilitĂ€r sei in dieser Woche dabei gescheitert, werde aber alles daransetzen, solche VorfĂ€lle in Zukunft zu verhindern.

Eine EU-Delegation besuchte am Freitag die Ortschaft Turmus Aya, in der Siedler schwere Zerstörungen angerichtet hatten. Sven KĂŒhn von Burgsdorff, Vertreter der EU, beschrieb einen Brandanschlag dort als Terrorismus der Siedler gegen PalĂ€stinenser. Israel sei als Besatzungsmacht verantwortlich fĂŒr den Schutz der PalĂ€stinenser.

Israel eroberte wÀhrend des Sechstagekrieges 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem. Knapp 600.000 Israelis leben dort heute in mehr als 200 Siedlungen. Der UN-Sicherheitsrat bezeichnete 2016 diese Siedlungen als Verletzung des internationalen Rechts und forderte Israel auf, alle SiedlungsaktivitÀten zu stoppen. Die PalÀstinenser wollen im Westjordanland, im Gazastreifen und in Ost-Jerusalem einen eigenen Staat errichten.

@ dpa.de