Nach MilitÀrputsch im Niger: Lage weiter ungewiss
28.07.2023 - 04:16:02Nach einem MilitĂ€rputsch im westafrikanischen Niger bleibt die Lage am Morgen weiter ungewiss. Offiziere der PrĂ€sidentengarde hatten den demokratisch gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum am Mittwoch in seinem Palast festgesetzt und fĂŒr entmachtet erklĂ€rt. Die StreitkrĂ€fte Nigers stellten sich gestern auf die Seite der rebellierenden MilitĂ€rs. Die Putschisten warnten auslĂ€ndische Staaten davor, militĂ€risch einzugreifen.
Auch Oppositionsparteien stellten sich nigrischen Medien zufolge hinter die Putschisten. Unklar blieb zunĂ€chst, welche und wie viele Parteien dahinterstanden. Die Verfasser riefen fĂŒr heute zu Demonstrationen auf. Am Donnerstag hatten UnterstĂŒtzer des Putsches bei Protesten unter anderem den Sitz der PrĂ€sidentenpartei in Niamey angegriffen. Das Innenministerium untersagte daraufhin alle Demonstrationen mit sofortiger Wirkung.
Scharfe Kritik an dem Vorgehen
Mit dem MilitĂ€rputsch haben die europĂ€ischen BemĂŒhungen um eine Stabilisierung der Sahelzone einen schweren RĂŒckschlag erlitten. Scharfe Kritik am Vorgehen der Putschisten war aus Washington, von der UN, der EU, Frankreich, der Afrikanischen Union, der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas sowie von der Bundesregierung gekommen, die noch etwa 100 Soldaten in dem westafrikanischen Land stationiert und mehrfach Angebote zu einer verstĂ€rkten Zusammenarbeit mit dem MilitĂ€r gemacht hat.
AuĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) sicherte ihrem nigrischen Amtskollegen Hassoumi Massoudou gestern telefonisch die «volle UnterstĂŒtzung» Deutschlands fĂŒr die demokratische Entwicklung in dem westafrikanischen Land zu. Der EU-AuĂenbeauftragte Josep Borrell sagte auf Twitter, er habe am Donnerstagabend noch einmal mit dem festgesetzten Bazoum gesprochen. Die EU rief die Putschisten erneut zur sofortigen Freilassung des PrĂ€sidenten auf.
Nach MilitĂ€rputschen in Mali und Burkina Faso seit 2020 war der Niger das letzte der drei NachbarlĂ€nder in der Sahelzone, das von einer demokratisch gewĂ€hlten Regierung gefĂŒhrt wurde. Erst Ende 2022 hatte die EU eine MilitĂ€rmission im Niger beschlossen, um den Terrorismus in der Region zu bekĂ€mpfen. Der Niger ist in den vergangenen Jahren in den Mittelpunkt der westlichen BemĂŒhungen gerĂŒckt, dem gewaltsamen Vormarsch der Dschihadisten in Westafrika und auch einem wachsenden militĂ€rischen Einfluss Russlands entgegenzuwirken.
HumanitÀre Hilfsprogramme ausgesetzt
Niger sei aufgrund seiner relativen Sicherheit und politischen StabilitĂ€t ein Ort der Hoffnung in der von islamistischem Terror geprĂ€gten Sahelzone gewesen, sagte Ibrahim Yahaya Ibrahim, ein politischer Analyst des afrikanischen Think Tanks Crisis Group. Der Putsch habe diese Hoffnung nun zerstört und werde die kĂŒnftige Zusammenarbeit zwischen LĂ€ndern der Sahelzone und dem Westen erschweren, so Ibrahim.
Die Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger hat davor gewarnt, dass die humanitĂ€re Lage schlechter wird. «Die aktuellen politischen Entwicklungen im Niger erfolgen zu einer Zeit, in der das Land die schlimmste Krise seit einem Jahrzehnt erlebt», sagte Helene Mutschler, die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin von Aktion gegen den Hunger. DĂŒrren, Ăberschwemmungen und eine spĂ€t einsetzende Regenzeit verschĂ€rften die ErnĂ€hrungssituation. Die FortfĂŒhrung der humanitĂ€ren Arbeit sei daher unerlĂ€sslich.
Als Folge des Putsches habe die Organisation ihre Arbeit jedoch in Teilen des Landes vorĂŒbergehend eingestellt, so Mutschler. Zuvor hatten bereits die Vereinten Nationen mitgeteilt, sie hĂ€tten ihre humanitĂ€re Arbeit im Niger eingestellt.
Wegen des Putsches sperrten die nigrischen Behörden den Luftraum sowie die Landesgrenzen. In einem Hinweis an die Luftfahrt («notice to airmen») wurden Landungen im Niger bis zum 4. August fĂŒr alle FlĂŒge untersagt.
Der Niger mit seinen rund 26 Millionen Einwohnern ist eines der Àrmsten LÀnder der Welt. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen belegte das Land in der Sahelzone zuletzt Platz 189 von 191. Mehr als 40 Prozent der Menschen leben in extremer Armut.


