Bericht: Israels Armee bestreitet Hinrichtung von Rettern
06.04.2025 - 04:54:29Der Tod einer Gruppe von palĂ€stinensischen RettungskrĂ€ften im Gazastreifen durch SchĂŒsse israelischer Soldaten bringt das MilitĂ€r in ErklĂ€rungsnot. Laut der «Times of Israel» rĂ€umte die Armee am Abend ein, dass ihre anfĂ€ngliche Darstellung des Vorfalls von vor rund zwei Wochen inkorrekt war. Die Truppen hĂ€tten jedoch niemanden hingerichtet und auch nichts zu vertuschen versucht. Unter den Getöteten seien mehrere Mitglieder der islamistischen Terrororganisation Hamas. Der Fall werde erneut untersucht und heute dem Generalstabschef Ejal Zamir vorgelegt, hieĂ es.
Ein Kranken- und ein Feuerwehrwagen waren am 23. MĂ€rz nach Angaben des PalĂ€stinensischen Roten Halbmonds (PRCS) in Rafah von israelischen Soldaten angegriffen worden. Die Leichen von 14 MĂ€nnern konnten erst sieben Tage spĂ€ter aus einem Massengrab geborgen werden. Laut dem «Wall Street Journal» handelte es sich dabei um acht SanitĂ€ter des Roten Halbmonds sowie sechs des palĂ€stinensischen Zivilschutzes. Zudem sei an einer anderen Stelle die Leiche eines UN-Mitarbeiters gefunden worden. Ein Mann werde vermisst.Â
Die israelische Armee hatte damals behauptet, dass sich mehrere Fahrzeuge auf verdÀchtige Weise - ohne Koordinierung und ohne Scheinwerferlicht - den Truppen genÀhert hÀtten. Das MilitÀr habe nun eingerÀumt, dass diese Darstellung falsch war und auf den Aussagen der Soldaten beruhte, die an dem Vorfall beteiligt waren, berichtete die «Times of Israel».
Video mit letzten Minuten im Leben der RetterÂ
Der Rote Halbmond hatte bei einem der getöteten SanitĂ€ter ein Mobiltelefon gefunden, auf dem die letzten Minuten des Rettungstrupps per Video und Audio aufgezeichnet sind. Auf dem Video sind Krankenwagen und ein Feuerwehrfahrzeug zu sehen, die deutlich markiert sind und sich mit Scheinwerferlicht und Blaulicht fortbewegen. Eine Kopie des Materials sandte die Organisation nach eigenen Angaben an den UN-Weltsicherheitsrat.Â
Durch einen UN-Diplomaten waren die Aufnahmen an die «New York Times» gelangt, die sie in der Nacht zum Samstag veröffentlichte. Laut der «Times of Israel» wollte die Armee den Zwischenfall in Rafah im SĂŒden Gazas daraufhin erneut grĂŒndlich untersuchen. Die Bildaufzeichnung bricht nach weniger als einer Minute ab, als der Konvoi unter israelischen Beschuss gerĂ€t. Nach EinschĂ€tzung des Roten Halbmonds wurden die unbewaffneten Retter aus nĂ€chster NĂ€he erschossen. Die bisherigen Ermittlungen der Armee hĂ€tten dagegen ergeben, dass dies nicht der Fall war, berichtete die «Times of Israel».Â
Bericht: Hamas-KÀmpfer unter Getöteten
Mindestens sechs der 15 Getöteten seien von Geheimdienstmitarbeitern sofort als Hamas-KĂ€mpfer identifiziert worden. Nach den tödlichen SchĂŒssen habe ein Vize-Bataillonskommandeur mit seinen Soldaten die Leichen eingesammelt, sie in Sand eingegraben und die Stelle markiert, berichtete die Zeitung weiter. Nach Angaben des MilitĂ€rs sei das Vergraben von Leichen eine gĂ€ngige Praxis, um zu verhindern, dass wilde Hunde und andere Tiere die Leichen fressen.Â
Die Armee habe ein UN-Team ĂŒber die Stelle informiert. Am nĂ€chsten Tag habe das UN-Team den Ort jedoch nicht finden können; die Armee sei da schon mit anderen Aufgaben befasst gewesen. Die UN-Seite sei dann aufgefordert worden, einige Tage spĂ€ter zurĂŒckzukehren. Dem «Wall Street Journal» zufolge hatte das Team der Vereinten Nationen dagegen mehrere Tage vergeblich auf die Erlaubnis der israelischen Armee gewartet, nach den Getöteten zu suchen.
UN-Hilfswerk fordert Zugang fĂŒr HilfskonvoisÂ
Das UN-Kinderhilfswerk Unicef wies unterdessen auf die Not der rund eine Million Kinder und Jugendlichen in Gaza hin. Tausende Paletten mit HilfsgĂŒtern stĂŒnden zwar an der Grenze bereit, aber der Zugang zu dem abgeriegelten KĂŒstengebiet sei seit dem 2. MĂ€rz gesperrt, beklagte der zustĂ€ndige Regionaldirektor Edouard Beigbeder. Gebrauchsfertige SĂ€uglingsnahrung sei nur noch fĂŒr 400 Kinder und fĂŒr einen Monat ĂŒbrig. Unicef schĂ€tzt aber, dass fast 10.000 SĂ€uglinge unter sechs Monaten zusĂ€tzliche Nahrung benötigen.Â
Unicef forderte die Kriegsparteien - also Israel und die Hamas - erneut auf, die Feindseligkeiten einzustellen und die gebrochene Feuerpause wiederherzustellen. An die Hamas appellierte Unicef, die von ihr aus Israel verschleppten Geiseln freizulassen. Auslöser des Kriegs war das Massaker palĂ€stinensischer Terroristen aus Gaza am 7. Oktober 2023 in Israel.Â
Trump will Netanjahu am Montag erneut empfangen
Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu reist derweil nach eigenen Angaben heute nach Washington ab, wo er sich am Montag zum zweiten Mal seit dem Amtsantritt Donald Trumps mit dem US-PrĂ€sidenten treffen wird. Trump ist als enger VerbĂŒndeter Netanjahus bekannt. Der israelische Regierungschef schrieb auf der Online-Plattform X, er werde mit dem US-PrĂ€sidenten unter anderem ĂŒber das neue US-Zollpaket, die BemĂŒhungen um die Freilassung der Hamas-Geiseln, die Beziehungen zwischen Israel und der TĂŒrkei, die Bedrohung durch den Iran und den Kampf gegen den Internationalen Strafgerichtshof reden.









