US-Regierung zieht Mitarbeiter aus dem Niger ab
03.08.2023 - 05:20:30Angesichts des MilitĂ€rputsches im Niger hat das US-AuĂenauĂenministerium vorĂŒbergehend die Ausreise von amerikanischen Regierungsmitarbeitern aus dem Land angeordnet. Das teilte das Ministerium gestern Abend (Ortszeit) in Washington mit. Mittlerweile wurden Hunderte auslĂ€ndischer StaatsbĂŒrger aus dem Land evakuiert. Der AnfĂŒhrer der Putschisten, General Abdourahamane Tiani, warnte vor «jeglicher Einmischung in die internen Angelegenheiten» des Landes. Die MilitĂ€rchefs westafrikanischer Staaten beraten, ob sie eingreifen sollten.
Im Niger hatten Offiziere der PrĂ€sidialgarde in der vergangenen Woche den demokratisch gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum festgesetzt und fĂŒr entmachtet erklĂ€rt. Der Kommandeur der Eliteeinheit, General Abdourahamane Tiani, ernannte sich im Anschluss selbst zum neuen Machthaber. Kurz nach Tianis MachtĂŒbernahme setzten die Putschisten die Verfassung auĂer Kraft und lösten alle verfassungsmĂ€Ăigen Institutionen auf. Nach MilitĂ€rputschen in Mali und Burkina Faso seit 2020 war der Niger das letzte der drei NachbarlĂ€nder in der Sahelzone, das von einer demokratisch gewĂ€hlten Regierung gefĂŒhrt wurde.
US-Botschaft im Notfall-Modus
Das US-AuĂenministerium teilte weiter mit, eine Notfallbesetzung bleibe vor Ort. Auch Familienmitglieder von Mitarbeitern sollten vorerst das Land verlassen. Die Botschaft in der Hauptstadt Niamey bleibe fĂŒr begrenzte Notfalldienste fĂŒr US-BĂŒrger geöffnet. Andere routinemĂ€Ăige konsularische Dienste wĂŒrden ausgesetzt.
Gestern hatten mehrere europĂ€ische LĂ€nder mit der Evakuierung ihrer StaatsbĂŒrger begonnen. Auch die ersten Deutschen konnten an Bord französischer Maschinen das westafrikanische Land verlassen. Frankreich brachte mit vier EvakuierungsflĂŒgen bereits 992 Personen in Sicherheit, wie AuĂenministerin Catherine Colonna gestern am spĂ€ten Abend auf Twitter schrieb. Geplant sei fĂŒr heute noch ein fĂŒnfter und letzter Flug. Mit den EvakuierungsflĂŒgen Frankreichs sind bislang mehr als 40 Deutsche aus dem Land ausgereist. Im Niger halten sich knapp 100 deutsche Zivilisten auf.
Situation weiterhin risikoreich
Der Konflikt im Niger könnte weiter eskalieren. Die westafrikanische Staatengemeinschaft hatte den Putschisten am Sonntag ein Ultimatum gestellt. Sollte der festgesetzte PrĂ€sident Bazoum nicht binnen einer Woche wieder eingesetzt werden, werde Ecowas MaĂnahmen ergreifen, die Sanktionen und auch Gewalt umfassen könnten, hieĂ es.
Tiani sagte in einer Fernsehansprache gestern Medienberichten zufolge, man lehne diese Sanktionen in ihrer Gesamtheit ab und weigere sich, irgendeiner Bedrohung nachzugeben, egal woher sie komme. Er bezeichnete die Sanktionen als zynisch und ungerecht und sagte, sie zielten darauf ab, Nigers SicherheitskrĂ€fte zu demĂŒtigen und das Land unregierbar zu machen.
Burkina Faso und Mali warnen vor Intervention
Gestern hatten sich die MilitĂ€rchefs der Ecowas-MitgliedslĂ€nder in Nigerias Hauptstadt Abuja getroffen. Drei Tage lang wollen sie ĂŒber das weitere Vorgehen beraten. Die nach frĂŒheren MilitĂ€rputschen bereits suspendierten Ecowas-Mitglieder Burkina Faso und Mali haben sich an die Seite der Putschisten im Niger gestellt.
Sie warnten Ecowas vor einem Eingreifen: Jede militĂ€rische Intervention gegen den Niger komme einer KriegserklĂ€rung auch gegen ihre LĂ€nder gleich. Tiani entsandte gestern eine Delegation nach Mali und Burkina Faso, wie ein Sprecher des neuen MilitĂ€rfĂŒhrers ohne Nennung weiterer Einzelheiten sagte.
Angesichts des Putsches setzte die Weltbank gestern Zahlungen an den Niger, der zu den Ă€rmsten LĂ€ndern der Welt gehört, vorerst aus. Ausnahme seien Partnerschaften mit dem Privatsektor, die «mit Vorsicht» fortgesetzt wĂŒrden. «Wir sind alarmiert ĂŒber die Versuche, die demokratisch gewĂ€hlte Regierung im Niger zu stĂŒrzen», hieĂ es in einer Stellungnahme. Man werde die Lage weiter genau beobachten.


