Was folgt aus Alaska - FĂŒnf Thesen zum Trump-Putin-Gipfel
16.08.2025 - 15:35:20Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin hat mit seiner Reise zu US-PrĂ€sident Donald Trump nach Anchorage vor allem mehr Zeit gewonnen, um seine Kriegsziele in der Ukraine zu erreichen. Deshalb sehen viele Kommentatoren nicht nur in Moskau den Gipfel in den USA als einen Triumph fĂŒr den im Westen als Kriegstreiber kritisierten Kremlchef. Das Nachsehen haben Kiew und die EuropĂ€er, die nicht nur auĂen vor waren bei dem TĂȘte-Ă -TĂȘte in Alaska, sondern sich jetzt auch noch bewegen sollen, damit es in der von Putin ĂŒberfallenen Ukraine zu einem Frieden kommt.
Putin ist zurĂŒck auf der WeltbĂŒhne - raus aus der westlichen Isolation
Erreicht hat Putin bei dem Gipfel, dass nun nicht mehr in erster Linie ĂŒber eine Waffenruhe oder einen Waffenstillstand als Voraussetzung fĂŒr Friedensverhandlungen gesprochen werden soll, wie es Trump, die EuropĂ€er und die Ukraine es gefordert hatten. Vielmehr machte er einmal mehr deutlich, dass fĂŒr einen stabilen Frieden zuallererst die Grundursachen des Konflikts beseitigt werden mĂŒssten.Â
DafĂŒr bringt Putin zahlreiche Forderungen vor, etwa den Verzicht auf einen Nato-Beitritt der Ukraine, die Wahrung der Minderheitsrechte der russischsprachigen Bevölkerung und ein Ende des militĂ€rischen HochrĂŒstens des Nachbarlandes durch den Westen. Die Ukraine hingegen will, dass erst die Waffen schweigen - und dann ĂŒber alles andere gesprochen wird.Â
Allerdings lehnt Russland ein neues Einfrieren des Konflikts wie bei den Minsker Vereinbarungen ab, um, wie Moskau erklĂ€rt, ein neues HochrĂŒsten der ukrainischen Armee zur Befreiung ihrer Gebiete zu verhindern. Diesmal will Russland weiter kĂ€mpfen, bis alle Ziele erreicht sind. Nach dem Gipfel in Alaska herrschte in Russland Erleichterung, dass Trump keine neuen Ultimaten setzte und neue Drohungen von Sanktionen ausstieĂ.
Vielmehr sei nun klar, dass Kampfhandlungen und Verhandlungen parallel laufen könnten, meinte der Vizechef des russischen nationalen Sicherheitsrates, Ex-PrĂ€sident Dmitri Medwedew bei Telegram. Zudem hĂ€tten Trump und Putin in Alaska deutlich gemacht, dass es in erster Linie an der Ukraine und den EuropĂ€ern liege, ein Ende der Kampfhandlungen zu erreichen. Den Ăberfall auf die Ukraine hatte allerdings Russland im Februar 2022 begonnen.
Zitterpartie fĂŒr Selenskyj am Montag in Washington
FĂŒr die ukrainische FĂŒhrung besteht weiter die Gefahr, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Zwar unterrichtete Trump den ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj im Nachgang per Telefon ĂŒber sein Treffen mit Putin. Doch soll Selenskyj an diesem Montag nach Washington kommen und muss sich wohl auf neuen Druck gefasst machen. Zugleich forderte er erneut schĂ€rfere Sanktionen gegen Russland und einen Dreier-Gipfel mit Putin, der aber nach der Alaska-Runde noch unwahrscheinlicher als ohnehin schon ist.
Trump bestĂ€tigte in einem Post in seinem sozialen Netzwerk Truth Social eine bereits kursierende These, wonach jetzt nicht zuerst eine Waffenruhe angestrebt werden soll. Vereinbart sei vielmehr, gleich ein Friedensabkommen zu erreichen, schrieb der US-PrĂ€sident - alles im Sinne Putins. Wie dieses Abkommen aussehen soll, dazu machte er keine Angaben.Â
Selenskyj könnte bei seinem Besuch in Washington mit Bedingungen konfrontiert werden, die jetzt Trump womöglich im Wortlaut Putins vortrÀgt. Schon im Februar eskalierte ein Treffen Trumps mit Selenskyj derart, dass der Ukrainer wie ein AussÀtziger abziehen und mit einem kurzzeitigen Stopp der US-MilitÀrhilfen auskommen musste.
Trump ist (bislang) kein groĂer Deal-Maker
Noch vor seinem Amtsantritt tönte Trump, er könne den Krieg in der Ukraine innerhalb von 24 Stunden beenden - eine ĂuĂerung, die er spĂ€ter als sarkastisch verstanden wissen wollte. Doch auch rund sieben Monate nach Amtsantritt des Republikaners lassen konkrete Ergebnisse auf sich warten. Zumal der nach eigenem Ermessen meisterhafte Deal-Maker bisweilen als Anwalt russischer Anliegen aufgetreten ist.Â
Dazu gehören etwa die Umdeutung des russischen Angriffskriegs in einen Konflikt, der mindestens von beiden Seiten ausging, die beispiellose DemĂŒtigung Selenskyjs im Oval Office des WeiĂen Hauses sowie der Vorschlag von Gebietsabtretungen durch die Ukraine ohne vorherige Abstimmung mit Kiew.
Russlands PrĂ€sident Putin wurde von Trump hingegen auf einem Roten Teppich empfangen. Dass sich der US-PrĂ€sident nun auch gegen die deutliche Bitte der Nato-VerbĂŒndeten und Kiews der russischen Meinung anschlieĂt, es sei kein Waffenstillstand notwendig fĂŒr Friedensverhandlungen, sĂ€t weitere Zweifel an seiner FĂ€higkeit und dem Willen, eine fĂŒr alle Seiten akzeptable Lösung zu finden.
Die EuropÀer ringen weiter um Einfluss
Die EuropĂ€er kĂ€mpfen gegen ihre Bedeutungslosigkeit in den Verhandlungen. Dies wird etwa an einer gemeinsamen ErklĂ€rung mehrerer Staats- und Regierungschefs sowie von EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa deutlich. Darin pochen die EuropĂ€er etwa auf Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine. Wie diese aussehen sollen, ist unklar.
Vor allem bestehen die EuropĂ€er weiter darauf, dass nichts ĂŒber die Köpfe der Ukrainerinnen und Ukrainer hinweg entschieden wird. Sie fordern eine Einbindung Selenskyjs in Entscheidungen zur Ukraine. Was aber auffĂ€llt: Eine zuvor etwa in Berlin immer wieder erhobene Forderung nach einem Waffenstillstand als Ausgangspunkt fĂŒr eine Friedenslösung findet sich in der ErklĂ€rung nicht.
Krieg zwischen Russland und der Ukraine geht weiter
Mit jedem Tag, an dem Menschen in dem Krieg sterben und sich die Verhandlungen hinziehen, rĂŒcken die russischen Truppen weiter vor, verliert die Ukraine Gebiete. Allein am Tag des Alaska-Gipfels verzeichnete der ukrainische Generalstab entlang der gut 1.200 Kilometer langen Front knapp 140 Gefechte mit russischen Truppen. Ukrainische Einheiten wurden den Angaben zufolge mit mehr als 5.600 ferngesteuerten Drohnen, mehr als 200 Gleitbomben und 3 Raketen angegriffen und ĂŒber 6.000 Mal von Artilleriesystemen beschossen. Die russische Seite reklamierte erneut die Einnahme von zwei weiteren Ortschaften in den Gebieten Donezk und Dnipropetrowsk fĂŒr sich.
Die Ukraine hat dagegen ihre Drohnenattacken intensiviert. Jeden Tag werden Ziele selbst Hunderte Kilometer entfernt von der ukrainischen Grenze angegriffen - russische Raffinerien brennen, es gibt EinschlĂ€ge in RĂŒstungsfabriken, FlughĂ€fen in dem Riesenreich werden bei Luftalarm lahmgelegt. Immer wieder werden auch WohnhĂ€user und zivile Infrastruktur in StĂ€dten stark beschĂ€digt. Die SchĂ€den und Opfer stehen aber in keinem Vergleich zu den schweren VerwĂŒstungen und vielen Toten und Verletzten, die russische Angriffe in der Ukraine verursachen.


