Iran, Deutschland

Iran: Trump sagt Demonstranten Hilfe zu - BedrĂŒckte Stimmung

13.01.2026 - 18:58:50

Nach staatlicher Gewalt verlieren die Proteste im Iran langsam an IntensitÀt. EuropÀische LÀnder erhöhen den diplomatischen Druck. Doch was plant US-PrÀsident Donald Trump?

US-PrĂ€sident Donald Trump hat angesichts der staatlichen Gewalt gegen Demonstranten im Iran bis auf weiteres alle GesprĂ€che mit der FĂŒhrung in Teheran ausgesetzt. «Iranische Patrioten, protestiert weiter! Übernehmt eure Institutionen!», schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Er habe alle Treffen mit iranischen Regierungsvertretern abgesagt, bis das «sinnlose Tötung von Demonstranten aufhöre». «Sie werden einen hohen Preis zahlen», schrieb Trump und kĂŒndigte an, dass Hilfe unterwegs sei. Was genau er damit meinte, war zunĂ€chst unklar.

Im Iran kehrte unterdessen wieder etwas NormalitĂ€t ein. SicherheitskrĂ€fte und Polizei waren jedoch noch in den Metropolen an zentralen PlĂ€tzen postiert, wie Bewohner am Telefon erzĂ€hlten. Einige Protestteilnehmer hĂ€tten sich nach den Drohungen von Trump ein Eingreifen der Vereinigten Staaten gewĂŒnscht. «Die Menschen hatten die Hoffnung, dass etwas passiert.» Die grĂ¶ĂŸte Gewalt gab es Augenzeugen zufolge in den NĂ€chten am vergangenen Donnerstag und Freitag, als in der Stadt absoluter Ausnahmezustand herrschte. Ab Samstag seien die Demonstrationen dann zunehmend kleiner geworden. Es herrsche angespannte Ruhe.

Menschenrechtler melden mehr als 2.500 Tote bei Protesten

Aktivisten berichteten unterdessen ĂŒber eine hohe Zahl an Todesopfern. Seit Ausbruch der Proteste seien mindestens 2.500 Menschen ums Leben gekommen, berichtete die Menschenrechtsorganisation Hengaw mit Sitz in Norwegen und wies darauf hin, ihr Verifikationsteam sei tĂ€glich damit beschĂ€ftigt, TodesfĂ€lle im Kontext der Massenproteste zu dokumentieren.

Iran Human Rights (IHRNGO), ebenfalls in Norwegen registriert, bezifferte die Zahl der getöteten Demonstranten auf mindestens 734. Die Organisation warnte aber auch davor, dass die tatsĂ€chliche Zahl der Todesopfer deutlich höher, gar bei Tausenden, liegen könnte. Der iranische Staat verteidigte das gewaltsame Vorgehen damit, dass es sich bei den Teilnehmern der Unruhen um «Terroristen» oder «Randalierer» gehandelt habe. Alle Angaben können derzeit nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.

Trump drohte bereits mit anderen Maßnahmen

Am Montag bereits hatte Trump auf seiner Plattform Truth Social einen Strafzoll von 25 Prozent auf Importe aus allen LĂ€ndern angekĂŒndigt, die GeschĂ€fte mit dem Iran machen. Offen blieben allerdings viele Fragen: So war nicht klar, welche LĂ€nder konkret betroffen sein könnten. Zu den wichtigsten Handelspartnern der Islamischen Republik, die von den USA und der EU mit weitreichenden Sanktionen belegt ist, gehören unter anderem China, Indien, die Emirate und die TĂŒrkei. Aber auch EU-LĂ€nder wie Deutschland betreiben in geringem Umfang Handel mit dem Iran.

EuropÀische LÀnder bestellen iranische Botschafter ein

Das AuswÀrtige Amt, mehrere andere europÀische LÀnder und die EU bestellten unterdessen als Reaktion auf das gewaltsame Vorgehen bei den Massenprotesten iranische Diplomaten ein. Die BrutalitÀt des Regimes sei schockierend, teilte das deutsche Ministerium auf der Plattform X mit. 

Die förmliche Einbestellung eines Botschafters gilt als scharfes diplomatisches Mittel, mit dem die Regierung des Gastlandes eine deutliche Verstimmung signalisiert. Unter anderem auch Frankreich, DĂ€nemark und Großbritannien bestellten die iranischen Botschafter in ihren LĂ€ndern ein. 

Iranische Justiz klagt erste Demonstranten an

Irans Justiz stellte derweil die ersten Protestteilnehmer vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft in Teheran habe gegen mehrere inhaftierte Personen Anklage erhoben, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim. Besonders schwere FĂ€lle von «Randalierern» wĂŒrden vorrangig und gesondert behandelt. Dazu zĂ€hle auch der Vorwurf der «KriegsfĂŒhrung gegen Gott» – ein Tatbestand, der nach islamischem Recht im Iran ein Todesurteil bedeuten kann. Amnesty International warnte, dass bereits an diesem Mittwoch das erste Todesurteil im Zusammenhang mit den aktuellen Protesten vollstreckt werden könnte.

Merz sieht Irans FĂŒhrung am Ende

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) rechnet angesichts der Massenproteste mit einem politischen Umbruch. «Wenn sich ein Regime nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, dann ist es faktisch am Ende. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt hier auch gerade die letzten Tage und Wochen dieses Regimes sehen», sagte er bei seiner Indien-Reise. 

«Ich hoffe, dass es eine Möglichkeit gibt, diesen Konflikt friedlich zu beenden. Das muss das Mullah-Regime jetzt auch einsehen», sagte Merz. Mit den USA, Großbritannien und Frankreich sei man zu dieser Frage im GesprĂ€ch. «Die Außenminister stehen in engstem Kontakt zueinander, um jetzt dafĂŒr zu sorgen, dass es im Iran einen friedlichen Übergang geben kann zu einer demokratisch legitimierten Regierung». 

Außenminister Abbas Araghtschi attackierte Merz in den sozialen Medien dafĂŒr. «Iraner erinnern sich auch an die widerwĂ€rtige Lobpreisung Israels durch Herrn Merz», schrieb der Minister auf der Plattform X in Anspielung auf Merz umstrittene «Drecksarbeit»-Äußerung. Merz hatte im Juni 2025 die israelischen Angriffe auf den Iran verteidigt und gesagt, dass Israel die Drecksarbeit fĂŒr alle mache. «SchĂ€men Sie sich», schrieb Araghtschi weiter.

Erstmals wieder Anrufe aus dem Iran möglich

Bewohner aus Teheran berichteten von schrecklichen Tagen, nachdem am Dienstag erstmals wieder Anrufe ins Ausland möglich waren. «Wir hören, dass tĂ€glich Hunderte Opfer - Tote und Verletzte - in die KrankenhĂ€user gebracht werden. Die Lage ist nicht gut», sagte ein junger Mann. Das Internet bleibt aber weiter gesperrt. Irans Sicherheitsapparat hatte die Bevölkerung angesichts von Massenprotesten seit Donnerstagabend von der Außenwelt abgeschnitten.

WĂ€hrend der Internet-Blockade konnten sich Iranerinnen und Iraner auch ĂŒber Satellitenfernsehen informieren. Einige Exilsender sind im Iran empfangbar. In mehreren Teilen Teherans jedoch haben SicherheitskrĂ€fte begonnen, SatellitenschĂŒsseln von HausdĂ€chern zu beschlagnahmen – eine alte Praxis aus der Zeit vor dem Internet. SatellitenschĂŒsseln sind offiziell verboten.

@ dpa.de