Lage in Gaza: UN-Vollversammlung nimmt Resolution an
27.10.2023 - 22:08:59 | dpa.deDie UN-Vollversammlung hat eine Resolution zur Verbesserung der humanitĂ€ren Situation und fĂŒr eine sofortige Waffenruhe im Gazastreifen verabschiedet. Das Papier erreichte in New York eine notwendige Zweidrittelmehrheit.
120 LĂ€nder stimmten dafĂŒr, 14 dagegen, 45 enthielten sich, darunter auch Deutschland. Resolutionen der UN-Vollversammlung sind allerdings nicht rechtlich bindend, sondern gelten als symbolisch. Der mĂ€chtigere UN-Sicherheitsrat, dessen Resolutionen bindend sind, war zuvor mehrfach an der Verabschiedung einer Resolution mit humanitĂ€rem Fokus zur Situation im Gazastreifen gescheitert.
Die nun verabschiedete Resolution verurteilt unter anderem jegliche Gewalt gegen israelische und palĂ€stinensische Zivilisten, fordert die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Zivilisten, die «illegal festgehalten» werden, und verlangt ungehinderten Zugang fĂŒr humanitĂ€re Hilfe in den Gazastreifen. AuĂerdem ruft der Text zu einer «sofortigen dauerhaften und nachhaltigen humanitĂ€ren Waffenruhe» auf, die zu einer «Einstellung der Feindseligkeiten» fĂŒhren solle.
Israel verurteilt Resolution - Hamas begrĂŒĂt sie
Bei den Konfliktparteien stieĂ die Resolution erwartbar auf unterschiedliches Echo. «Wir lehnen den verabscheuungswĂŒrdigen Ruf der UN-Generalversammlung nach einem Waffenstillstand entschieden ab», schrieb Israels AuĂenminister Eli Cohen in der Nacht auf der Plattform X, vormals Twitter. «Israel beabsichtigt, die Hamas zu eliminieren.» So sei die Welt auch mit den Nazis und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verfahren, schrieb er weiter.
Israels UN-Botschafter Gilad Erdan sprach nach der Abstimmung in der UN-Vollversammlung in New York von einem «dunklen Tag fĂŒr die UN und fĂŒr die Menschheit», der mit Schande in die Geschichte eingehen werde. Jeder habe gesehen, dass die Vereinten Nationen «keine Unze LegitimitĂ€t oder Relevanz» mehr hĂ€tten
Die im Gazastreifen herrschende und fĂŒr den GroĂangriff auf Israel am 7. Oktober verantwortliche Islamistenorganisation Hamas lobte dagegen die Annahme der Resolution und forderte die UN auf, MaĂnahmen zu ihrer Umsetzung zu ergreifen.
Darum hat sich Deutschland enthalten
AuĂenministerin Annalena Baerbock begrĂŒndete die Enthaltung Deutschlands damit, dass das Papier aus deutscher Sicht nicht ausgewogen genug sei. «Weil die Resolution den Hamas-Terror nicht klar beim Namen nennt, die Freilassung aller Geiseln nicht deutlich genug fordert und das Selbstverteidigungsrecht Israels nicht bekrĂ€ftigt, haben wir mit vielen unserer europĂ€ischen Partner entschieden, der Resolution am Ende nicht zuzustimmen», sagte Baerbock nach der Abstimmung laut Mitteilung.
Kanada hatte zuvor einen Zusatz zu der Resolution eingebracht, der die «Terrorattacken der Hamas» und die Geiselnahmen verurteilt und die sofortige und bedingungslose Freilassung der Geiseln fordert. Dieser Zusatz verfehlte aber eine notwendige Zweidrittelmehrheit.
Vor der Abstimmung hatten sich die MitgliedslĂ€nder gespalten gezeigt. WĂ€hrend beispielsweise die Vertreter Ăgyptens und Katars fĂŒr die Annahme der Resolution warben, sprachen sich die USA deutlich dagegen aus. Die Sitzung der UN-Vollversammlung war auch einberufen worden, weil sich der UN-Sicherheitsrat bislang nicht auf eine Resolution mit humanitĂ€rem Fokus hatte einigen können. Erst am Mittwoch waren erneut zwei ResolutionsentwĂŒrfe in dem Gremium gescheitert. Daraufhin kĂŒndigte Malta an, dass die zehn nicht-stĂ€ndigen Mitglieder im Weltsicherheitsrat eine eigene Resolution vorlegen wollen.
Kritik an der deutschen Enthaltung
Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, forderte die Bundesrepublik auf, seinem Land bei den Vereinten Nationen klar den RĂŒcken zu stĂ€rken. «Wir brauchen Deutschlands UnterstĂŒtzung bei der UNO», sagte Prosor in einem GruĂwort zum Landesparteitag der nordrhein-westfĂ€lischen CDU in HĂŒrth. Sich bei einer Abstimmung zu enthalten, «weil man nicht direkt sagen kann, dass Hamas fĂŒr dieses grausame Massaker verantwortlich ist, ist nicht genug», kritisierte er.
Auch die Deutsch-Israelische Gesellschaft kritisierte die Enthaltung Deutschlands bei einer Abstimmung ĂŒber eine UN-Resolution zur humanitĂ€ren Lage in Gaza scharf. «Wie kann Deutschland sich bei einer UN-Resolution enthalten, die als alleiniges Ziel hat, Israels Recht auf Selbstverteidigung zu delegitimieren? Deutschland hĂ€tte klar mit Nein stimmen sollen», sagte der PrĂ€sident der Gesellschaft, Volker Beck, laut Mitteilung.
Appell von der Weltgesundheitsorganisation
Die WHO ruft die Konfliktparteien im Gaza-Krieg derweil erneut zu einer dringend benötigten Feuerpause auf. Berichte ĂŒber Bombardierungen in der NĂ€he groĂer KrankenhĂ€user gĂ€ben Anlass zu groĂer Sorge. Die WHO bekrĂ€ftigte, es sei unmöglich, Patienten zu evakuieren, ohne ihr Leben zu gefĂ€hrden. Kliniken im gesamten Gazastreifen seien aufgrund der bisher Verletzten bereits ausgelastet und könnten den dramatischen Anstieg der Patientenzahlen nicht verkraften, wĂ€hrend sie gleichzeitig Tausende von Zivilisten beherbergten.
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