Nach Zweifeln: Hamas-Behörde veröffentlicht Todesopfer-Liste
26.10.2023 - 23:12:23Nach Zweifeln an den vom Gesundheitsministerium im Gazastreifen verbreiteten Opferzahlen hat die von der islamistischen Hamas kontrollierte Behörde eine Liste der Namen aller Getöteten veröffentlicht. In dem 212 Seiten langen Dokument stehen auch Alter, Geschlecht und Personalausweisnummer der PalÀstinenser, die im Gaza-Krieg seit dem 7. Oktober getötet worden sein sollen. Demnach kamen infolge der israelischen Angriffe bislang mindestens 7028 Menschen ums Leben.
Die Angaben der Behörde und die Echtheit aller Namen auf der Liste lieĂen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Unter anderem die US-Regierung hatte die Opferzahlen zuvor in Frage gestellt. «Wir können nichts, was von der Hamas kommt, fĂŒr bare MĂŒnze nehmen, auch nicht das so genannte Gesundheitsministerium», sagte etwa der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, im WeiĂen Haus. Die Behörde werde von einer terroristischen Organisation geleitet. Die US-Regierung bestreitet demnach aber nicht, dass es viele Opfer gebe. Zuvor hatte bereits US-PrĂ€sident Joe Biden gesagt, dass er kein Vertrauen in die vom Gesundheitsministerium veröffentlichten Zahlen habe.
WHO kritisiert Diskussion um Todeszahlen im Gazastreifen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hĂ€lt die Diskussion ĂŒber die VerlĂ€sslichkeit der Opferzahlen, die von der im Gazastreifen herrschenden PalĂ€stinenserorganisation Hamas stammen, fĂŒr zynisch.
Zum einen habe die WHO ĂŒber Jahre keinen Anlass fĂŒr Zweifel an Zahlen dieser Gesundheitsbehörden gehabt, sagte der WHO-Vertreter fĂŒr die besetzten palĂ€stinensischen Gebiete, Richard Peeperkorn. Zum anderen mache es auch keinen Unterschied, ob es tausend mehr oder weniger Opfer gebe - die humanitĂ€re Lage im Gazastreifen sei katastrophal, die Zahl der Opfer durch israelische Angriffe enorm. Peeperkorn war in Jerusalem und sprach ĂŒber Videolink zu Reportern in Genf.
Nach Angaben von Peeperkorn funktionieren noch 23 der insgesamt 35 KrankenhĂ€user im Gazastreifen teilweise. Es mĂŒsse teils auf dem FuĂboden operiert werden, sagte er. Eigentlich seien pro Tag 94.000 Liter Treibstoff fĂŒr Generatoren nötig, um in den zwölf wichtigsten KrankenhĂ€usern eine minimale Versorgung bei lebensgefĂ€hrlichen Erkrankungen und Verletzungen aufrecht zu erhalten. Zweidrittel der 72 kleineren Gesundheitsstationen seien geschlossen.


