Nato-Atomwaffenübung, Steadfast Noon

Nato-Übung: Deutschland schickt drei Tornados nach Italien

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 14:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Bundeswehr beteiligt sich mit drei Tornados und mehreren Dutzend Soldaten an der Nato-Übung «Steadfast Noon» in Norditalien. Das Manöver beginnt am Dienstag und trainiert die Verteidigung des Bündnisgebiets mit Atomwaffen.

  • Zeichen des Zusammenhalts: Die Luftwaffe verlegt für die Nato-Übung drei Tornados nach Italien. (Archivbild) - Bild: Thomas Frey/dpa
    Zeichen des Zusammenhalts: Die Luftwaffe verlegt für die Nato-Übung drei Tornados nach Italien. (Archivbild) - Bild: Thomas Frey/dpa
  • Ausgewählte Tornado-Kampfflugzeuge der Luftwaffe sind so ausgerüstet, dass sie im Fall der Fälle auch US-Atombomben abwerfen könnten. (Archivbild) - Bild: Rainer Jensen/dpa
    Ausgewählte Tornado-Kampfflugzeuge der Luftwaffe sind so ausgerüstet, dass sie im Fall der Fälle auch US-Atombomben abwerfen könnten. (Archivbild) - Bild: Rainer Jensen/dpa
  • «Wo immer wir Anpassungen vornehmen müssen, werden wir dies tun», sagte Nato-Generalsekretär Mark Rutte zu einem Ausbau der nuklearen Abschreckung. (Archibvild) - Bild: Malin Wunderlich/dpa
    «Wo immer wir Anpassungen vornehmen müssen, werden wir dies tun», sagte Nato-Generalsekretär Mark Rutte zu einem Ausbau der nuklearen Abschreckung. (Archibvild) - Bild: Malin Wunderlich/dpa
Zeichen des Zusammenhalts: Die Luftwaffe verlegt für die Nato-Übung drei Tornados nach Italien. (Archivbild) - Bild: Thomas Frey/dpa Ausgewählte Tornado-Kampfflugzeuge der Luftwaffe sind so ausgerüstet, dass sie im Fall der Fälle auch US-Atombomben abwerfen könnten. (Archivbild) - Bild: Rainer Jensen/dpa «Wo immer wir Anpassungen vornehmen müssen, werden wir dies tun», sagte Nato-Generalsekretär Mark Rutte zu einem Ausbau der nuklearen Abschreckung. (Archibvild) - Bild: Malin Wunderlich/dpa

Deutsche Tornados in Norditalien

  • Drei Tornados des taktischen Luftwaffengeschwaders 33 wurden nach Aviano verlegt.
  • Mehrere Dutzend deutsche Soldaten nehmen an der Nato-Übung «Steadfast Noon» teil.
  • Im Vorjahr umfasste das Manöver rund 2.000 Militärs und mehr als 70 Flugzeuge.

Die deutsche Luftwaffe beteiligt sich in den kommenden Tagen mit drei Tornados an der Nato-Übung «Steadfast Noon» auf der Aviano Air Base in Norditalien.

Training mit Übungsbomben

Das Manöver beginnt an diesem Dienstag und dient der Verteidigung des Bündnisgebiets mit Atomwaffen. Die Nato macht zu den Einzelheiten keine Angaben und teilte lediglich mit, der Umfang solle mit dem Vorjahr vergleichbar sein.

2025 waren nach Nato-Angaben rund 2.000 Militärs sowie mehr als 70 Flugzeuge beteiligt. Dazu gehörten F-35-Kampfjets sowie Überwachungs- und Tankflugzeuge.

Flugzeuge aus Büchel beteiligt

Die Tornados sind normalerweise beim taktischen Luftwaffengeschwader 33 in Büchel stationiert. Nach offiziell nicht bestätigten Angaben lagern dort US-Atomwaffen.

Im Rahmen der nuklearen Teilhabe könnten deutsche Jagdbomber diese Waffen im Ernstfall abwerfen. Als weitere Lagerorte in Europa gelten Stützpunkte in Italien, Belgien und den Niederlanden.

Geheimes Szenario der Übung

Militärexperten zufolge wird unter anderem trainiert, wie Waffen aus unterirdischen Magazinen zu Flugzeugen gebracht und unter Kampfjets montiert werden. Bei diesen Abläufen und den anschließenden Angriffsübungen kommen nur Übungsbomben ohne echten Kernsprengkopf zum Einsatz.

Nato verweist auf Abschreckung

Nato-Nuklearpolitikchefin Nassima Barrows erklärte, die Übung solle die Bereitschaft zur Verteidigung des Bündnisgebiets und die dafür nötigen Fähigkeiten demonstrieren. Der zuständige Oberst David Bull betonte, im Mittelpunkt stehe das Zusammenspiel aller Beteiligten für eine sichere und verlässliche Abschreckung.

Nach Nato-Angaben richtet sich das Manöver nicht gegen ein bestimmtes Land und stehe in keinem Zusammenhang mit aktuellen weltpolitischen Ereignissen. Die Allianz hat in ihrer Bedrohungsanalyse jedoch seit Jahren vor allem Russland im Blick.

Kritik von den Linken

Die außen- und friedenspolitische Sprecherin der Linken im Europaparlament, Özlem Alev Demirel, bezeichnete das Manöver als brandgefährlich. Sie warnte vor Fehleinschätzungen und forderte eine Abkehr von Atomwaffen.

Debatte über Ausbau

Unabhängig von der Übung arbeitet die Nato an Plänen für einen möglichen Ausbau der nuklearen Abschreckung in Europa. Dabei wird auch die Stationierung zusätzlicher US-Atomwaffen als Option betrachtet.

Nuklearexperten schätzen, dass zuletzt etwa 100 US-Bomben des Typs B61-12 auf sechs Luftwaffenstützpunkten in Deutschland, Belgien, Italien, den Niederlanden und der Türkei lagerten. Nato-Generalsekretär Mark Rutte schloss im Juli mehr US-Atomwaffen in Europa nicht aus.

Nukleare Teilhabe als Abschreckungsinstrument

Die Übung «Steadfast Noon» gehört zum regelmäßigen Training der Nato für den Fall, dass eine nukleare Abschreckung des Bündnisses glaubwürdig und einsatzbereit bleiben muss. Für Deutschland ist die Beteiligung politisch besonders sensibel, weil sie die nukleare Teilhabe praktisch sichtbar macht: Deutsche Besatzungen trainieren mit Flugzeugen, die im Ernstfall US-Atomwaffen tragen könnten.

Die Übung selbst verändert den Bestand an Atomwaffen nicht. Sie dient vor allem dazu, Abläufe zwischen Besatzungen, Schutzkräften, Kommandoebenen sowie Überwachungs- und Tankflugzeugen zu koordinieren. Dass ausschließlich Übungsbomben verwendet werden, trennt das Manöver vom tatsächlichen Einsatz, beseitigt aber nicht seine sicherheitspolitische Signalwirkung.

Für die Nato ist die Demonstration geschlossener Fähigkeiten Teil der Abschreckung gegenüber möglichen Gegnern. Zugleich erschwert die Geheimhaltung des konkreten Szenarios eine öffentliche Bewertung. Kritiker warnen deshalb vor Fehlinterpretationen und einer weiteren Aufwertung nuklearer Optionen in Europa.

Die Debatte reicht über die aktuelle Übung hinaus. Überlegungen zu zusätzlichen US-Atomwaffen und möglichen neuen Stationierungsorten würden die politische Bedeutung der nuklearen Teilhabe verschärfen. Für Deutschland bleibt damit offen, wie weit die Bündnisstaaten ihre Abschreckung ausbauen wollen und welche Rolle Berlin dabei künftig übernimmt.

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