Netanjahu verteidigt Gaza-Krieg und Iran-Angriffe vor der UN
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 22:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIsraels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hat bei der UN-Generaldebatte in New York seinen Kurs im Gaza-Krieg und gegenĂŒber dem Iran verteidigt, wĂ€hrend Delegierte den Saal verlieĂen und Menschen gegen seinen Auftritt protestierten.
Netanjahu weist Völkermordvorwurf zurĂŒck
âIsrael des Völkermords zu bezichtigen, ist die gröĂte LĂŒge des Jahrhundertsâ, sagte Netanjahu in seiner Rede. Israel habe keinen Völkermord begangen, sondern einen solchen verhindert, weil die Hamas andernfalls entsprechend gehandelt hĂ€tte.
Wenige Stunden zuvor hatte PalĂ€stinenserprĂ€sident Mahmud Abbas Israel in einer per Video ĂŒbertragenen Rede einen âVölkermordkriegâ im Gazastreifen vorgeworfen. Dutzende Menschen protestierten zudem vor dem UN-Hauptquartier im Osten Manhattans.
Delegationen verlassen den Saal
Als Netanjahu an das Rednerpult trat, standen zahlreiche Delegationen auf und verlieĂen den Zuhörerraum. Nach Angaben eines Sprechers der New Yorker Polizei wurden bei den Protesten mehrere Menschen in Gewahrsam genommen, darunter Medienberichten zufolge auch die Schauspielerinnen Susan Sarandon und Hannah Einbinder.
Netanjahu steht wegen des israelischen Vorgehens im Gazastreifen international stark unter Druck. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seit Beginn des Krieges mehr als 73.900 PalÀstinenser getötet; die Statistik unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und bewaffneten KÀmpfern.
Konflikt mit New Yorks BĂŒrgermeister
In seiner Rede griff Netanjahu auch New Yorks BĂŒrgermeister Zohran Mamdani an und bezeichnete ihn als âantisemitischen BĂŒrgermeister von New Yorkâ. Mamdani zĂ€hlt zu den schĂ€rfsten Kritikern des israelischen Regierungschefs und wirft Israel einen Völkermord an den PalĂ€stinensern im Gazastreifen vor.
Fast zeitgleich teilte Mamdani mit, er habe an seinem Amtssitz mit einer palĂ€stinensischen Familie aus Gaza einen Olivenbaum gepflanzt. SpĂ€ter erklĂ€rte er, Netanjahu habe mit seiner Rede unbegrĂŒndete LĂŒgen wiederholt, um sein Vorgehen im Gazastreifen zu rechtfertigen.
Auch Angriffe auf Iran gerechtfertigt
Neben dem Gaza-Krieg verteidigte Netanjahu die Angriffe auf iranische Atomanlagen. Die Zerstörung sei schwierig gewesen, fĂŒr ihn aber eine der leichtesten Entscheidungen als MinisterprĂ€sident, sagte er. Israel habe damit verhindern wollen, dass Iran Atomwaffen entwickle, die Israel und die Welt bedrohen könnten.
Das tatsÀchliche Ausmaà der SchwÀchung des iranischen Atomprogramms wird von der Internationalen Atomenergiebehörde, Geheimdiensten und Experten unterschiedlich bewertet. In einem nicht klassifizierten Jahresbericht der US-Geheimdienste hieà es, es gebe keinen Hinweis auf eine politische Entscheidung des Iran zum Bau einer Atombombe.
Wahl im Oktober
Netanjahu hielt sich nur wenige Stunden in den USA auf und absolvierte am Rande der UN-Vollversammlung wenige Treffen mit hochrangigen Politikern. In Israel wird am 27. Oktober ein neues Parlament gewĂ€hlt. Umfragen zufolge könnte es fĂŒr Netanjahus Lager schwierig werden, eine Mehrheit zu sichern.
Internationale Isolation nimmt zu
Die Rede fÀllt in eine Phase, in der Israels Vorgehen im Gazastreifen international stark kritisiert wird. Der Gaza-Krieg begann nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023, bei dem nach dpa-Angaben rund 1.200 Menschen in Israel getötet und mehr als 250 Menschen verschleppt wurden. Die hohe Zahl palÀstinensischer Opfer und die humanitÀre Lage haben den politischen Druck auf die israelische Regierung verstÀrkt.
Netanjahus Auftritt verdeutlicht zugleich die wachsende Kluft zwischen Israel und Teilen der internationalen Gemeinschaft. WĂ€hrend der MinisterprĂ€sident den MilitĂ€reinsatz als notwendige Verteidigung gegen Hamas und den Iran darstellt, bewerten UN-Gremien und zahlreiche Staaten das Vorgehen als VerstoĂ gegen internationales Recht. Israel weist diese VorwĂŒrfe zurĂŒck und wirft den Vereinten Nationen Voreingenommenheit vor.
Wahlkampf und regionale Eskalation
Die Rede richtet sich nicht nur an das internationale Publikum, sondern auch an die israelische Ăffentlichkeit. In Israel steht am 27. Oktober eine Parlamentswahl an; Umfragen zufolge könnte Netanjahus Lager Schwierigkeiten haben, erneut eine Mehrheit zu sichern. Die harte Rhetorik erlaubt es ihm, Sicherheit und militĂ€rische StĂ€rke zum zentralen politischen Thema zu machen.
ZusĂ€tzlich verschĂ€rft die Rechtfertigung der Angriffe auf iranische Atomanlagen die regionale Dimension. Wie dauerhaft das iranische Atomprogramm geschwĂ€cht wurde, wird von internationalen Fachleuten unterschiedlich bewertet. FĂŒr die weitere Entwicklung entscheidend bleiben deshalb sowohl die humanitĂ€re Lage in Gaza als auch die Frage, ob aus der Konfrontation mit dem Iran ein breiterer regionaler Konflikt entsteht.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
DER SPIEGEL: âBenjamin Netanyahu: Etliche Delegierte verlassen vor Rede bei der Uno-Vollversammlung den Saalâ (24.09.2026)
Der Bericht bestĂ€tige, dass zahlreiche Delegierte vor Netanjahus Rede aus Protest gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen den Saal verlassen hĂ€tten. Er setze einen besonderen Schwerpunkt auf Netanjahus scharfe Reaktion, seine Auseinandersetzung mit New Yorks BĂŒrgermeister Zohran Mamdani sowie den politischen Druck vor der israelischen Parlamentswahl.
Damit bestĂ€tige der Artikel den Protest und die Konfrontation der dpa-Meldung, ergĂ€nze jedoch den Hinweis auf den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen Netanjahu wegen mutmaĂlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Offen bleibe, wie stark die internationale Kritik die politische Position des israelischen MinisterprĂ€sidenten bis zur Wahl beeinflusse.
