HRW: Taliban-Politik gefÀhrdet auch Bildung von Jungen
06.12.2023 - 11:20:07 | dpa.deUnter den in Afghanistan herrschenden Taliban ist nach Ansicht von Menschenrechtlern langfristig auch die Schulbildung von Jungen gefĂ€hrdet. GrĂŒnde dafĂŒr seien etwa Ănderungen im Lehrplan, mehr körperliche Strafen oder die Entlassung von Lehrerinnen, die nun hĂ€ufig durch unqualifizierte Lehrer oder gar nicht ersetzt wĂŒrden, heiĂt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW).
Seit ihrer erneuten MachtĂŒbernahme im August 2021 stehen die Taliban vor allem fĂŒr ihre starke Beschneidung von Frauenbildung in der Kritik. So sind fĂŒr MĂ€dchen und Frauen Schulen ab der siebten Klasse und UniversitĂ€ten geschlossen. Weniger beachtet werde bisher der Schaden, der dem Bildungssystem fĂŒr Jungen zugefĂŒgt wĂŒrde, heiĂt es von HRW weiter. Der Bericht stĂŒtzt sich auf Aussagen von SchĂŒlern ab der achten Klasse und Eltern.
FĂ€cher wie Sport, Kunst oder Englisch seien hĂ€ufig vom Lehrplan gestrichen worden oder wĂŒrden wegen Lehrermangels nicht mehr unterrichtet, heiĂt es von HRW. Zudem berichtet die Organisation von einer Zunahme an körperlichen Strafen. Auslöser könne dabei schon ein falscher Haarschnitt oder der Besitz eines Mobiltelefons sein. Aufgrund der prekĂ€ren Wirtschaftslage im Land fĂŒhre finanzielle Not in den Familien auch dazu, dass Jungen hĂ€ufiger arbeiten mĂŒssten, statt zu lernen.
Die VerĂ€nderungen in den Schulen hĂ€tten dazu gefĂŒhrt, dass viele Jungen zunehmend Angst vor dem Schulbesuch hĂ€tten und ihre Hoffnung in die Zukunft schwinde. «Die Taliban fĂŒgen dem afghanischen Bildungssystem sowohl fĂŒr Jungen als auch fĂŒr MĂ€dchen irreversiblen Schaden zu», sagte Sahar Fetrat, stellvertretende Frauenrechtsforscherin bei Human Rights Watch. «Indem sie dem gesamten Schulsystem des Landes schaden, riskieren sie, eine verlorene Generation zu schaffen, der hochwertige Bildung vorenthalten wird.»
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