USA, Venezuela

Maduro: «Ich bin nicht schuldig»

05.01.2026 - 18:51:51 | dpa.de

NicolĂĄs Maduro erscheint erstmals in New York vor Gericht. Die USA werfen ihm «Drogenterrorismus» vor. Vor dem Gericht protestieren UnterstĂŒtzer - die internationale Kritik am US-Kurs wĂ€chst.

  • Vor dem GerichtsgebĂ€ude solidarisierten sich viele UnterstĂŒtzer mit Maduro.  - Bild: Stefan Jeremiah/FR171756 AP/AP/dpa
    Vor dem GerichtsgebĂ€ude solidarisierten sich viele UnterstĂŒtzer mit Maduro. - Bild: Stefan Jeremiah/FR171756 AP/AP/dpa
  • Maduro war nach seiner Gefangennahme zunĂ€chst auf einem Kriegsschiff nach GuantĂĄnamo gebracht und dann in die USA geflogen worden.  - Bild: Uncredited/TruthSocial/AP/dpa
    Maduro war nach seiner Gefangennahme zunÀchst auf einem Kriegsschiff nach Guantånamo gebracht und dann in die USA geflogen worden. - Bild: Uncredited/TruthSocial/AP/dpa
Vor dem GerichtsgebĂ€ude solidarisierten sich viele UnterstĂŒtzer mit Maduro.  - Bild: Stefan Jeremiah/FR171756 AP/AP/dpa Maduro war nach seiner Gefangennahme zunĂ€chst auf einem Kriegsschiff nach GuantĂĄnamo gebracht und dann in die USA geflogen worden.  - Bild: Uncredited/TruthSocial/AP/dpa

Unter weltweiter Beobachtung hat sich der von US-SpezialkrĂ€ften gefangengenommene venezolanische PrĂ€sident NicolĂĄs Maduro vor einem Gericht in New York fĂŒr «nicht schuldig» erklĂ€rt. Der 63-JĂ€hrige kam in GefĂ€ngniskleidung zu seiner ersten Anhörung in den Gerichtssaal. Auf Spanisch sagte er, er sei «entfĂŒhrt» worden.

«Ich bin nicht schuldig», sagte Maduro im Stehen laut Übersetzer. «Ich bin ein anstĂ€ndiger Mensch, ich bin immer noch der PrĂ€sident meines Landes». Ihm werden vier Anklagepunkte, unter anderem «Verschwörung zum Drogenterrorismus» vorgeworfen. Auch Maduros ebenfalls angeklagte Frau Cilia Flores sagte, sie sei «komplett» unschuldig. Die nĂ€chste Anhörung wurde auf den 17. MĂ€rz terminiert. Richter Alvin Hellerstein sagte, es sei sein Job, dass es zu einem fairen Prozess komme.

Auf der Straße vor dem Bundesgericht hatten sich kurz vor dem Beginn der gut 30 Minuten andauernden Anhörung Dutzende UnterstĂŒtzer versammelt - sowohl von Maduro als auch von US-PrĂ€sident Donald Trump, der den Angriff auf das sĂŒdamerikanische Land und die Verschleppung des PrĂ€sidenten als einen Coup fĂŒr sich verbucht hatte.

Schwere VorwĂŒrfe gegen Maduro

Maduro und seine Ehefrau waren in der Nacht zum Samstag vom US-MilitĂ€r in der venezolanischen Hauptstadt Caracas gefangen genommen worden. Am Wochenende kam er in einer Haftanstalt in New York an. Mitangeklagt ist auch sein Sohn, zudem richten sich die VorwĂŒrfe unter anderem gegen den aktuellen sowie den frĂŒheren Innenminister von Venezuela.

Maduros Sohn, der Abgeordnete NicolĂĄs Maduro Guerra, sagte vor dem Parlament in Caracas: «Wenn wir die EntfĂŒhrung von Staatschefs normalisieren, ist kein Land mehr sicher. Heute ist es Venezuela, morgen kann es jedes andere Land sein, das sich nicht unterwirft.»

Schon die Ankunft Maduros am New Yorker Gericht am Montagmorgen (Ortszeit) in einem gepanzerten Fahrzeug war in alle Welt ĂŒbertragen worden. Die USA werfen Maduro vor, sein aus deren Sicht illegal erlangtes Amt dafĂŒr genutzt zu haben, dass Tausende Tonnen Kokain in die USA transportiert werden konnten. Maduro habe selbst fĂŒr sich daraus Vorteile gezogen und soll sich dafĂŒr mit DrogenhĂ€ndlern verbĂŒndet haben.

Diskussion ĂŒber die RechtsmĂ€ĂŸigkeit des US-Vorgehens

Experten betrachten den US-Angriff auf Venezuela als Verstoß gegen das Völkerrecht. In dem Prozess wird es auch darum gehen, ob er als Staatschef nicht besondere ImmunitĂ€t genießen sollte - und entsprechend nicht hĂ€tte außer Landes geschafft und angeklagt werden dĂŒrfen. Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron kritisierte die von den USA angewandte «Methode» zur Festnahme. Diese werde von Frankreich «weder unterstĂŒtzt noch gebilligt», sagte Macron wĂ€hrend der Kabinettssitzung in Paris. 

Am Montag verurteilten zudem Russland und China das Vorgehen der USA in einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates scharf. Russland beschrieb es als «Vorbote einer RĂŒckkehr in eine Ära der Gesetzlosigkeit und US-Dominanz durch Gewalt, Chaos und WillkĂŒr». China kritisierte: «Kein Land kann als Weltpolizei agieren, und kein Staat kann sich anmaßen, der internationale Richter zu sein». Beide LĂ€nder forderten die Freilassung von Maduro und dessen Ehefrau.

Die venezolanische Regierung hat bislang nicht mitgeteilt, wie viele Menschen bei dem US-Einsatz zur Ergreifung Maduros getötet und verletzt wurden. Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf einen ranghohen venezolanischen Beamten von ĂŒber 80 Toten. Die zur geschĂ€ftsfĂŒhrenden PrĂ€sidentin ernannte Delcy RodrĂ­guez besuchte am Montag verletzte Soldaten.

Die Regierung in Venezuela richtete eine Kommission ein, die sich fĂŒr die Freilassung des seit 2013 amtierenden PrĂ€sidenten und dessen Frau einsetzen soll. Der Arbeitsgruppe gehören unter anderem ParlamentsprĂ€sident Jorge RodrĂ­guez und Außenminister YvĂĄn Gil an. Beobachter halten es allerdings fĂŒr unwahrscheinlich, dass die US-Behörden Maduro wieder auf freien Fuß setzen.

MilitÀrs sollen DrogenhÀndler gegen Schmiergeld gewÀhren lassen

Nach Auffassung der US-Regierung ist Maduro schon seit eineinhalb Jahren nicht mehr der rechtmĂ€ĂŸige PrĂ€sident des sĂŒdamerikanischen Landes. Damals verlor er nach EinschĂ€tzung der Opposition und internationaler Beobachter die PrĂ€sidentenwahl. Das regierungstreue Wahlamt erklĂ€rte ihn trotzdem zum Sieger, und er ließ sich fĂŒr eine weitere Amtszeit vereidigen.

Die US-Regierung geht davon aus, dass Maduro und ranghohe MilitĂ€rs ĂŒber das sogenannte «Cartel de los Soles» (Kartell der Sonnen) in den Drogenhandel verstrickt sind. Der Name ist den Sonnen auf den Schulterklappen venezolanischer GenerĂ€le entlehnt. 

Bei dem Kartell handelt es sich nach EinschÀtzung von Sicherheitsexperten allerdings nicht um eine hierarchisch organisierte Gruppe, die selbst mit Drogen handelt, sondern vielmehr um ein System der Patronage, in dem die MilitÀrs gegen Schmiergeld bereits etablierte Verbrechersyndikate in Venezuela operieren lassen und ihnen gegebenenfalls Schutz anbieten.

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