Putsch, Putschversuche

Nach Niger-Putsch: Wo regiert das MilitÀr in der Sahel-Zone?

28.07.2023 - 17:09:12

Niger ist nun der sechste Staat der Sahel-Zone in MilitĂ€rhand. Der Putsch vervollstĂ€ndigt den «GĂŒrtel aus MilitĂ€rjuntas» in der Region. Die Lage bleibt dadurch Ă€ußerst instabil.

  • Derzeit wird Guinea von einer militĂ€rischen Übergangsregierung gefĂŒhrt. - Foto: Sunday Alamba/AP/dpa

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  • Mali gilt als politisch Ă€ußerst instabil. Im Norden und Zentrum sind seit mehr als einem Jahrzehnt islamistische Terrorgruppen aktiv. - Foto: Michael Kappeler/dpa

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  • Ähnlich wie im Nachbarland Mali scheint die Regierung in Burkina Faso eine engere Anbindung an Russland zu suchen. - Foto: Sophie Garcia/AP/dpa

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  • Seit 2022 regiert Idriss DĂ©by Itno als ÜbergangsprĂ€sident den zentralafrikanischen Tschad. - Foto: Uncredited/AP/dpa

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  • Der Konflikt im Sudan zwischen al-Burhan und Daglo dauert weiter an und fordert tĂ€glich Opfer. - Foto: Marwan Ali/AP/dpa

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  • Grund fĂŒr den Putsch im Niger ist laut den Drahtziehern die verschlechterte Sicherheitslage in dem Land. - Foto: Fatahoulaye Hassane Midou/AP/dpa

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  • Seit 2022 regiert Idriss DĂ©by Itno als ÜbergangsprĂ€sident den zentralafrikanischen Tschad. - Foto: Uncredited/AP/dpa

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Derzeit wird Guinea von einer militĂ€rischen Übergangsregierung gefĂŒhrt. - Foto: Sunday Alamba/AP/dpaMali gilt als politisch Ă€ußerst instabil. Im Norden und Zentrum sind seit mehr als einem Jahrzehnt islamistische Terrorgruppen aktiv. - Foto: Michael Kappeler/dpaÄhnlich wie im Nachbarland Mali scheint die Regierung in Burkina Faso eine engere Anbindung an Russland zu suchen. - Foto: Sophie Garcia/AP/dpaSeit 2022 regiert Idriss DĂ©by Itno als ÜbergangsprĂ€sident den zentralafrikanischen Tschad. - Foto: Uncredited/AP/dpaDer Konflikt im Sudan zwischen al-Burhan und Daglo dauert weiter an und fordert tĂ€glich Opfer. - Foto: Marwan Ali/AP/dpaGrund fĂŒr den Putsch im Niger ist laut den Drahtziehern die verschlechterte Sicherheitslage in dem Land. - Foto: Fatahoulaye Hassane Midou/AP/dpaSeit 2022 regiert Idriss DĂ©by Itno als ÜbergangsprĂ€sident den zentralafrikanischen Tschad. - Foto: Uncredited/AP/dpa

Mali, Guinea, Burkina Faso, Tschad - die Liste der Putsche und Putschversuche in der Sahel-Region wird seit rund vier Jahren immer lÀnger. Nun fiel auch im Niger eine demokratische Regierung einer Meuterei durch das MilitÀr zum Opfer. Geraten Demokratie und StabilitÀt der gesamten Region ins Wanken?

Die Region, die sich vom Senegal im Westen bis nach Dschibuti im Osten zieht, leidet seit Jahren unter einer sich verschlechternden Sicherheitslage. Viele Milizen, die zum Teil dem Islamischen Staat (IS) oder der Terrororganisation Al-Kaida die Treue geschworen haben, verĂŒben regelmĂ€ĂŸig AnschlĂ€ge. Die Regierungen haben wenig Kontrolle. Den Staatschefs wird HandlungsunfĂ€higkeit vorgeworfen. Die Armeen sind unzufrieden.

Guinea

In dem westafrikanischen Land mit rund 13 Millionen Einwohnern hatte im September 2021 eine MilitĂ€rjunta die Kontrolle ĂŒbernommen und den damaligen PrĂ€sidenten Alpha CondĂ© festgesetzt. CondĂ© war nach mehreren Dekaden autokratischer FĂŒhrung Guineas der erste demokratisch gewĂ€hlte Staatschef des Landes. Daraufhin suspendierte der westafrikanische Staatenbund Ecowas Guineas Mitgliedschaft und verhĂ€ngte Sanktionen. Auch die UN, EU und USA verurteilten den Umsturz.

Seither wird Guinea von einer militĂ€rischen Übergangsregierung gefĂŒhrt. Diese versprach freie Wahlen und die RĂŒckkehr einer Zivilregierung. InterimsprĂ€sident Mamady Doumbouya setzte zunĂ€chst den Diplomaten Mohamed BĂ©avogui als Regierungschef ein, der ĂŒberwiegende Teil der Regierung blieb in militĂ€rischer Hand. Unklar ist, wann und ob das MilitĂ€r tatsĂ€chlich seine Macht abgibt.

Derzeit wird Guinea von einer militĂ€rischen Übergangsregierung gefĂŒhrt.

Mali

Mali mit seinen rund 21 Millionen Einwohnern hat seit 2012 drei MilitĂ€rputsche erlebt. Seit dem jĂŒngsten Putsch im Mai 2021 wird das Land von einer militĂ€rischen Übergangsregierung gefĂŒhrt, die mit dem Versprechen antrat, das massive Terrorproblem in dem WĂŒstenstaat zu beheben. Dabei soll nicht mehr der Westen helfen, der nach Meinung der neuen Machthaber die Lage mit seinen MilitĂ€reinsĂ€tzen nur verschlimmert hat, sondern Russland.

Die Junta unter Oberst Assimi GoĂŻta hat die Truppen der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich aus dem Land verwiesen. Die russische Söldnertruppe Wagner ist mit etwa 2000 Mann jedoch willkommen. Auf Wunsch der MilitĂ€rregierung endet zudem die UN-Friedensmission in dem Land mit etwa 12 000 Blauhelmen, an der auch die Bundeswehr beteiligt ist, Ende 2023 vorzeitig. Das Land gilt weiterhin als politisch Ă€ußerst instabil. Im Norden und Zentrum Malis sind seit mehr als einem Jahrzehnt islamistische Terrorgruppen aktiv.

Mali gilt als politisch Ă€ußerst instabil. Im Norden und Zentrum sind seit mehr als einem Jahrzehnt islamistische Terrorgruppen aktiv.

Burkina Faso

Seit einem Putsch im September 2022 regiert eine MilitĂ€rregierung unter ÜbergangsprĂ€sident Ibrahima TraorĂ© den instabilen Staat in der Sahelzone. Der Staatsstreich kam nur acht Monate nach einem Putsch, bei dem der bisherige MilitĂ€rmachthaber Oberstleutnant Paul-Henri Sandaogo Damiba den gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Roch Marc KaborĂ© abgelöst hatte.

Die Bevölkerung war wegen zunehmendem Dschihadismus und Armut immer unzufriedener mit der Regierung von KaborĂ© geworden, der enge diplomatische Beziehungen zu Frankreich pflegte. Ähnlich wie im Nachbarland Mali scheint die Regierung um TraorĂ© eine engere Anbindung an Russland zu suchen. Ebenso wie Mali forderte auch Burkina Faso den Abzug der im Land stationierten StreitkrĂ€fte der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich, der im Februar erfolgte.

Tschad

Im April 2021 starb im zentralafrikanischen Tschad Staatschef Idriss DĂ©by Itno nach offiziellen Angaben bei militĂ€rischen ZusammenstĂ¶ĂŸen mit Rebellen an der Front. Doch viele Experten vermuten, ein Staatsstreich steckte dahinter. Seitdem fĂŒhren DĂ©bys Sohn Mahamat und ein nationaler Übergangsrat das Land.

Ähnlich wie in Guinea soll der Rat wie ein nicht gewĂ€hltes Parlament das Land zurĂŒck zu einer demokratischen Regierung fĂŒhren. Diese scheint jedoch in weiter Ferne. Die militĂ€rische Übergangsregierung sollte nur 18 Monate an der Macht bleiben und im Anschluss demokratische Wahlen organisieren. Im Oktober 2022 ließ sich Mahamat Idriss DĂ©by Itno jedoch fĂŒr zwei Jahre als ÜbergangsprĂ€sident vereidigen und verlĂ€ngerte so die Übergangsphase um 24 Monate. Menschenrechtler kritisierten Itno zuletzt und warfen ihm vor, die Opposition zu unterdrĂŒcken.

Seit 2022 regiert Idriss DĂ©by Itno als ÜbergangsprĂ€sident den zentralafrikanischen Tschad.

Sudan

Seit April kommt es in dem nordostafrikanischen Land zu einem blutigen Machtkampf zwischen der Armee unter De-Facto-PrĂ€sident Abdel Fattah al-Burhan sowie der RSF-Miliz des Ex-VizeprĂ€sidenten Mohammed Hamdan Daglo. Die zwei mĂ€chtigsten GenerĂ€le des Landes hatten noch vor vier Jahren Sudans Langzeitdiktator Omar al-Baschir mit einem Putsch gestĂŒrzt. Zuvor hatte es im Sudan weitreichende demokratische Proteste gegeben.

Dem Wunsch nach einer Demokratisierung des Landes kamen die GenerĂ€le jedoch nur widerwillig nach. Eine zwischenzeitlich eingesetzte Zivilregierung wurde 2021 erneut von beiden kurzzeitig gestĂŒrzt. Die chaotischen MachtverhĂ€ltnisse im Land spitzten sich schließlich in dem offenen Konflikt zwischen den einstigen VerbĂŒndeten al-Burhan und Daglo zu, der weiter andauert, tĂ€glich Opfer fordert und bereits Hunderttausende vertrieben hat.

Der Konflikt im Sudan zwischen al-Burhan und Daglo dauert weiter an und fordert tÀglich Opfer.

Niger

Der Niger ist das jĂŒngste Land der Region, in dem MilitĂ€rs putschten. Am Freitag erklĂ€rte sich der Chef der PrĂ€sidentengarde, General Omar Tchiani, zum neuen Machthaber. Tchiani Ă€ußerte sich zwei Tage, nachdem Offiziere der PrĂ€sidentengarde den demokratisch gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum in seinem Palast festgesetzt und fĂŒr entmachtet erklĂ€rt hatten. Obwohl zunĂ€chst nicht klar war, wie gesichert Tchianis Macht ist, dĂŒrfte die demokratische PrĂ€sidentschaft von Bazoum am Ende sein.

Grund fĂŒr den Putsch ist laut den Drahtziehern die verschlechterte Sicherheitslage in dem von Terror gebeutelten Land sowie die anhaltend schwache wirtschaftliche Entwicklung. Noch 2021 war ein Putsch wenige Tage vor AmtseinfĂŒhrung von PrĂ€sident Bazoum gescheitert. Nach MilitĂ€rputschen in Mali und Burkina Faso war Niger als Partnerland des Westens in der Sahelregion in den Fokus gerĂŒckt. Der Putsch stellt die FortfĂŒhrung dieser Kooperation infrage.

Grund fĂŒr den Putsch im Niger ist laut den Drahtziehern die verschlechterte Sicherheitslage in dem Land.

@ dpa.de