Nobelpreis für Medizin, Optogenetik

Nobelpreis für Medizin geht an Hegemann, Nagel und Deisseroth

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 11:45 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Peter Hegemann und Georg Nagel werden gemeinsam mit Karl Deisseroth für die Entwicklung der Optogenetik ausgezeichnet. Ihre Forschung ermöglicht es, Nervenzellen mit Licht zu untersuchen und gezielt zu steuern.

Deutsche Mediziner aus Berlin und Würzburg erhalten Nobelpreis
Humboldt-Universität (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Peter Hegemann und Georg Nagel erhalten gemeinsam mit dem US-Amerikaner Karl Deisseroth den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit.

Ausgezeichnet werden sie für ihre Entdeckungen zu lichtgesteuerten Ionenkanälen und der Optogenetik.

Protein macht Zellen lichtempfindlich

Hegemann von der Humboldt-Universität zu Berlin und Nagel von der Universität Würzburg entdeckten Channelrhodopsin, ein Protein mit besonderen Eigenschaften. Sie stellten fest, dass Zellen durch das Einbringen des Proteins lichtempfindlich wurden – unabhängig vom jeweiligen Zelltyp.

Deisseroth führte das Gen für Channelrhodopsin anschließend in Nervenzellen von Ratten ein. Durch die Bestrahlung mit blauem Licht konnte er ein Nervensignal auslösen.

Steuerung von Nervenzellen im Gehirn

Später gelang es, den lichtgesteuerten Schalter auch in Nervenzellen im Gehirn lebender Mäuse einzusetzen. Das Verfahren wird als Optogenetik bezeichnet und ermöglicht die gezielte Untersuchung neuronaler Schaltkreise.

Forschende konnten damit unter anderem Netzwerke untersuchen, die an Erinnerungen, Gefühlen und Verhaltensweisen beteiligt sind. Diese Erkenntnisse sind für die Erforschung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen relevant.

Auftakt der Nobelpreis-Woche

In der klinischen Medizin wird die Methode nach Angaben des Karolinska-Instituts unter anderem erforscht, um das Sehvermögen von Menschen mit Sehbehinderungen wiederherzustellen. Die Bekanntgabe des Medizinpreises eröffnet traditionell die Nobelpreis-Woche.

Am Dienstag soll die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften den Physikpreis bekanntgeben, am Mittwoch folgt der Chemiepreis und am Donnerstag der Literaturnobelpreis. Der Friedensnobelpreis soll am Freitag in Oslo verkündet werden.

Die Nobelpreise werden jedes Jahr am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, verliehen. Der Friedenspreis wird in Oslo übergeben, alle anderen Auszeichnungen in Stockholm.

Die Auszeichnung würdigt eine Methode, die grundlegende Forschung am Nervensystem mit möglichen medizinischen Anwendungen verbindet. Hegemann und Nagel legten mit der Untersuchung von Channelrhodopsin die molekulare Grundlage dafür, Zellen durch Licht steuerbar zu machen. Deisseroth übertrug dieses Prinzip auf Nervenzellen und entwickelte daraus ein Werkzeug, mit dem sich neuronale Aktivität zeitlich präzise beeinflussen lässt.

Optogenetik arbeitet dabei nicht wie ein allgemeiner Schalter für das gesamte Gehirn. Forschende bringen lichtempfindliche Proteine gezielt in bestimmte Zellgruppen ein und können deren Aktivität anschließend mit Licht verändern. Dadurch lassen sich Zusammenhänge zwischen neuronalen Schaltkreisen und Funktionen wie Bewegung, Erinnerung oder Verhalten experimentell untersuchen.

Von der Grundlagenforschung zur Medizin

Die Methode hat vor allem in der Neurowissenschaft neue Untersuchungsmöglichkeiten geschaffen. Sie hilft, die Funktion einzelner Zelltypen und Netzwerke voneinander zu unterscheiden, was für das Verständnis neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen wichtig ist. Anwendungen am Menschen befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien; die dts-Meldung nennt insbesondere Forschungsansätze zur Wiederherstellung des Sehvermögens bei Menschen mit Sehbehinderungen.

Die Nobelpreisentscheidung setzt zugleich einen Schwerpunkt für die diesjährige Preiswoche: Nach der Medizin folgen Auszeichnungen für Physik, Chemie, Literatur und Frieden. Die Verleihung der Nobelpreise findet traditionell am 10. Dezember statt, wobei der Friedenspreis in Oslo und die übrigen Preise in Stockholm übergeben werden.

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