Baerbock wird neue PrÀsidentin der UN-Generalversammlung
02.06.2025 - 18:32:42Trotz eines russischen Störmanövers ist die ehemalige deutsche AuĂenministerin Annalena Baerbock mit ĂŒberwĂ€ltigender Mehrheit zur nĂ€chsten PrĂ€sidentin der UN-Generalversammlung gewĂ€hlt worden. Die 44-jĂ€hrige GrĂŒnen-Politikerin erhielt bei einer durch Moskau erzwungenen geheimen Abstimmung des gröĂten Gremiums der Vereinten Nationen 167 Stimmen - 14 Mitgliedsstaaten enthielten sich. Sieben weitere LĂ€nder sprachen sich in New York dagegen fĂŒr die ursprĂŒngliche deutsche Kandidatin Helga Schmid aus.In ihrer Dankesrede sagte Baerbock, dass sie das Gremium als «ehrliche Vermittlerin» und einende Kraft leiten wolle: «Meine TĂŒr wird stets fĂŒr alle offen stehen.» Mit Blick auf die zahlreichen Krisen weltweit sagte sie: «Wir haben schon frĂŒher schwierige Zeiten durchlebt. Und es liegt an uns, diese Herausforderungen anzunehmen.» Nach ihrer Wahl war in der riesigen Halle der Generalversammlung am East River in Manhattan lauter Applaus aufgebrandet.
Erst fĂŒnfte Frau auf dem PostenÂ
Der Spitzenposition wird in erster Linie protokollarische Bedeutung beigemessen â sie ist nicht mit der Rolle von UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres zu verwechseln. Die offizielle AmtseinfĂŒhrung ist am 9. September, kurz vor der Generaldebatte der UN-Vollversammlung mit StaatsgĂ€sten aus aller Welt.Â
Guterres sagte Baerbock seine volle UnterstĂŒtzung zu und betonte ihre politische Erfahrung als deutsche AuĂenministerin. «Und vergessen wir nicht die historische Bedeutung, die erst fĂŒnfte Frau zu sein, die zur PrĂ€sidentin der Generalversammlung gewĂ€hlt wurde», so der 76-jĂ€hrige Portugiese.Â
Hohes Amt mit wenig Macht
Als PrĂ€sidentin wird Baerbock die Sitzungen der Generalversammlung leiten sowie AblĂ€ufe und Tagesordnungspunkte festlegen. Mit diesen Aufgaben könnte die 44-JĂ€hrige zumindest begrenzten Einfluss auf Entscheidungsprozesse hinter den Kulissen nehmen, etwa den der Wahl des nĂ€chsten GeneralsekretĂ€rs im kommenden Jahr. Dabei dĂŒrfte Baerbocks direkter Draht zu AuĂenministern weltweit helfen â also den Chefs der UN-Botschafter in New York.
Im Vergleich zur Vollversammlung gilt der 15-köpfige UN-Sicherheitsrat mit den fĂŒnf VetomĂ€chten als deutlich mĂ€chtiger. Er kann völkerrechtlich bindende Resolutionen erlassen. Die Entscheidungen der Generalversammlung dagegen haben oft eher symbolischen Wert und gelten als weltweites Stimmungsbild.
Deutschland will Rolle bei den Vereinten Nationen stÀrken
Die Besetzung des Postens mit einer bekannten Politikerin kann im Kontext der deutschen AuĂenpolitik gesehen werden: WĂ€hrend die Vereinigten Staaten sich vom multilateralen System und auch von demokratischen Partnern tendenziell eher abwenden, will Berlin in den kommenden Jahren eine gröĂere Rolle spielen und sein internationales Profil stĂ€rken.Â
So hat sich Deutschland fĂŒr die Jahre 2027 und 2028 um einen nicht-stĂ€ndigen Sitz im UN-Sicherheitsrat beworben. Zudem hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei seinem Treffen mit UN-Chef Guterres in Berlin Diplomaten zufolge vehement fĂŒr den Ausbau des UN-Standorts Bonn geworben, falls UN-Agenturen aus KostengrĂŒnden New York verlassen mĂŒssen.Â
Wahl mit russischem Störmanöver
Vor der Wahl Baerbocks hatte Moskau entgegen den Gepflogenheiten eine geheime Abstimmung des gröĂten UN-Gremiums mit 193 MitgliedslĂ€ndern beantragt. Normalerweise besiegelt die Vollversammlung Personalien ohne Gegenkandidaten per Akklamation, also im Konsens und ohne formelle Wahl.
Stattdessen kam es zu einer Abstimmung mit Stimmzetteln, auf denen nur Baerbocks Name stand, bei der aber auch eine Enthaltung oder das HinzufĂŒgen eines weiteren Namens möglich war. Wie ĂŒblich stimmten einige Delegationen am Montag auch gar nicht mit ab. Baerbock nahm das russische Vorgehen Ă€uĂerlich gelassen hin: Es sei das Recht eines jeden Staates, eine geheime Abstimmung zu beantragen.
Russland hatte in den vergangenen Wochen kein Hehl daraus gemacht, dass es Baerbock fĂŒr eine ungeeignete Kandidatin hĂ€lt und ihr «eklatante Voreingenommenheit» unterstellt. Baerbock war als AuĂenministerin gegenĂŒber Russland im Zuge der russischen Invasion in die Ukraine einen harten Kurs gefahren und damit immer wieder ins Visier Moskaus geraten.
UrsprĂŒnglich war fĂŒr das Amt der PrĂ€sidentin der UN-Generalversammlung die deutsche Top-Diplomatin Schmid vorgesehen, die auch von Russland akzeptiert war. Baerbock wurde fĂŒr ihre spĂ€te Kandidatur nach der verlorenen Bundestagswahl kritisiert.Â
Amtsantritt in Krisenzeiten
Baerbock beginnt das neue Amt in Zeiten groĂer Herausforderungen: «Die Vereinten Nationen â das Zentrum des multilateralen Systems â stehen unter enormem Druck. Politisch und finanziell», sagte sie dazu. Vor allem KĂŒrzungen der US-Regierung unter Donald Trump fĂŒhren zu schmerzhaften Einschnitten bei der Weltorganisation. Baerbock kĂŒndigte an, Reformen mit vorantreiben und die Ressourcen der Vollversammlung so effizient wie möglich einsetzen zu wollen.Â
Sie hatte als Schwerpunkte ihrer Amtszeit das Erreichen der UN-Nachhaltigkeitsziele, den Kampf gegen die Klimakrise sowie die Gleichstellung der Geschlechter genannt. Der neue Job in New York wird als möglicher Beginn einer internationalen Karriere fĂŒr Baerbock gesehen, die einen Masterabschluss im Völkerrecht hat.





