Trump beschuldigt Biden und Harris nach Anschlagsversuch
16.09.2024 - 20:10:26Der republikanische PrĂ€sidentschaftskandidat Donald Trump macht US-PrĂ€sident Joe Biden und dessen Stellvertreterin Kamala Harris fĂŒr den mutmaĂlichen Anschlagsversuch auf ihn mitverantwortlich. «Er hat die Rhetorik von Biden und Harris geglaubt, und er hat danach gehandelt», sagte Trump dem US-Medium Fox News Digital ĂŒber den festgenommenen VerdĂ€chtigen. «Ihre Rhetorik fĂŒhrt dazu, dass auf mich geschossen wird, obwohl ich derjenige bin, der das Land retten wird, und sie diejenigen sind, die das Land zerstören.»Â
Nach den SchĂŒssen auf Trumps Golfplatz in Florida ist die Sorge vor einer Eskalation der politischen Gewalt groĂ - und könnte nur wenige Wochen vor der Wahl durch Aussagen wie denen Trumps weiter befeuert werden. Der Republikaner bezeichnete Biden und Harris als «Feinde im Inneren» und nannte sie «die wahre Bedrohung». Wenig spĂ€ter legte der 78-JĂ€hrige auf seiner Plattform Truth Social nach: «Wegen dieser kommunistischen linken Rhetorik fliegen die Kugeln, und es wird nur noch schlimmer werden!»
Am Sonntagnachmittag (Ortszeit) hatte der Secret Service den bewaffneten VerdĂ€chtigen, den 58 Jahre alten Ryan Wesley Routh, wenige hundert Meter vom republikanischen PrĂ€sidentschaftskandidaten Trump entfernt in den BĂŒschen am Zaun um dessen Golfplatz in West Palm Beach entdeckt. Beamte schossen auf ihn. Der Mann flĂŒchtete den Angaben zufolge in einem Auto und wurde kurze Zeit spĂ€ter auf einer Autobahn in der NĂ€he festgenommen. Sein genaues Motiv wirft weiter Fragen auf.
Anklage gegen VerdÀchtigen erhoben
Gegen Routh wurde am Montagvormittag (Ortszeit) vor einem Bundesgericht in Florida Anklage erhoben. Ihm werden der Besitz einer Feuerwaffe als verurteilter StraftĂ€ter und der Besitz einer Feuerwaffe mit unkenntlich gemachter Seriennummer vorgeworfen, wie aus einem Dokument hervorging, das mehrere US-Medien ĂŒbereinstimmend veröffentlichten. Gegen den Mann könnte noch in weiteren Punkten Anklage erhoben werden, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf einen mit der Angelegenheit vertrauten Strafverfolgungsbeamten.Â
Der Mann habe bei seinem ersten Erscheinen vor Gericht einen dunklen GefĂ€ngniskittel getragen, seine FĂŒĂe und HĂ€nde in Fesseln, berichtete CNN weiter. Eine Haftanhörung sei fĂŒr den 23. September, die Anklageverlesung fĂŒr den 30. September geplant.
Erst im Juli hatte es einen Anschlag auf Trump gegeben, als ein SchĂŒtze im US-Bundesstaat Pennsylvania wĂ€hrend einer Wahlkampfveranstaltung das Feuer auf Trump eröffnete. Der Republikaner wurde am Ohr verletzt, ein Besucher kam ums Leben. SicherheitskrĂ€fte töteten den SchĂŒtzen, dessen Motiv bis heute nicht klar ist. Der Vorfall markierte eine ZĂ€sur im Wahlkampf. Politikerinnen und Politiker verurteilten ĂŒber Parteigrenzen hinweg jegliche politische Gewalt.Â
Warnungen vor Gewalt - und weitere Schuldzuweisungen
Biden und Harris betonten auch nach dem neuen Vorfall, dass fĂŒr Gewalt in den USA kein Platz sei. «Wir alle mĂŒssen unseren Teil dazu beitragen, dass dieser Vorfall nicht zu weiterer Gewalt fĂŒhrt», mahnte Harris.Â
FĂŒr Entsetzen sorgte Trump-UnterstĂŒtzer Elon Musk mit einer Reaktion auf X, die er nach kurzer Zeit wieder löschte. Auf seiner Online-Plattform schrieb er: «Und es versucht noch nicht mal jemand, Biden/Kamala zu ermorden.» Hinter die Worte setzte er ein Emoticon mit einem nachdenklichen Gesicht.Â
Die rechte Influencerin Laura Loomer, die zuletzt mehrfach an Trumps Seite aufgetreten war, schrieb auf X: «Die Medien versuchen, PrĂ€sident Trump und seine UnterstĂŒtzer zu töten.» Trump verschickte unmittelbar nach dem Vorfall Nachrichten mit Spendenaufrufen.Â
Motiv des TĂ€ters weiter unklarÂ
Das genaue Motiv des Mannes war zunĂ€chst unklar. Medien zufolge handelt es sich bei Routh um einen Bauunternehmer aus dem Bundesstaat North Carolina, der sich in sozialen Netzwerken politisch Ă€uĂerte - auch kritisch ĂŒber Trump. Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf Polizeiquellen, der Mann sei nach Hawaii gezogen. Der Zeitung zufolge soll sich der VerdĂ€chtige mehrfach öffentlich fĂŒr die UnterstĂŒtzung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland eingesetzt haben. In einem Beitrag in sozialen Medien habe er geschrieben, er sei bereit, in der Ukraine zu kĂ€mpfen und zu sterben.Â
Ob es einen Zusammenhang zwischen seiner politischen Orientierung und dem Vorfall in Florida gibt, ist Gegenstand der Ermittlungen.Â
Angespannte Stimmung in den USA
In den USA ist die politische Stimmung seit Jahren angespannt - auch die polarisierende Amtszeit Trumps und insbesondere der Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 wirken bis heute nach. Im Januar hatte US-Justizminister Merrick Garland zum Auftakt des Wahljahres zunehmende Drohungen gegen AmtstrĂ€ger und demokratische Institutionen im Land angeprangert. Seither scheint sich die BefĂŒrchtung zu bestĂ€tigen, dass sich die gesellschaftliche Spaltung im Land weiter vertieft.Â
Trump (78) tritt bei der PrĂ€sidentenwahl am 5. November gegen die Demokratin Harris (59) an, die aktuell Bidens VizeprĂ€sidentin ist. Umfragen deuten bislang auf ein sehr knappes Rennen hin.Â
Forderungen nach mehr Schutz
Der Vorfall wirft erneut Fragen zur Sicherheit der PrĂ€sidentschaftskandidaten auf. Dem VerdĂ€chtigen scheint es immerhin gelungen zu sein, mit einem Gewehr bis auf wenige hundert Meter an Trump heranzukommen. Biden sprach sich am Montag fĂŒr eine StĂ€rkung des Secret Service aus. Die PersonenschĂŒtzer brĂ€uchten mehr Hilfe, sagte er. «Und ich denke, der Kongress sollte auf diesen Bedarf reagieren.» Auch der republikanische Vorsitzende des US-ReprĂ€sentantenhauses, Mike Johnson, forderte mehr Schutz.
Gewalt gegen hochrangige Politiker hat es in den USA immer wieder gegeben - auch PrĂ€sidenten wurden mehrmals zur Zielscheibe. 1865 wurde US-PrĂ€sident Abraham Lincoln in der Loge eines Theaters in der Hauptstadt Washington erschossen, wĂ€hrend er eine Komödie verfolgte. US-PrĂ€sident John F. Kennedy wurde bei einem Attentat am 22. November 1963 in Dallas im Bundesstaat Texas erschossen. Als PrĂ€sident Ronald Reagan 1981 in Washington angeschossen wurde, warf sich ein LeibwĂ€chter schĂŒtzend ĂŒber ihn.





