US-PrÀsident Biden will Supreme Court reformieren
29.07.2024 - 11:30:35US-PrĂ€sident Joe Biden will das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten reformieren. «Ich fordere drei mutige Reformen, um das Vertrauen in die Gerichte und unsere Demokratie wiederherzustellen und ihre Verantwortlichkeit wiederherzustellen», schrieb der Demokrat in einem in der «Washington Post» veröffentlichten MeinungsstĂŒck. Er warnte vor einem Wegbröckeln des Vertrauens in demokratische Institutionen. Was gerade passiere, sei «nicht normal».Â
Zuvor hatte bereits ein US-Regierungsvertreter ĂŒber das Ansinnen des PrĂ€sidenten informiert. In den vergangenen Jahren habe das Gericht wichtige PrĂ€zedenzfĂ€lle aufgehoben: So habe es etwa das Recht der Frau auf Selbstbestimmung eingeschrĂ€nkt und dem PrĂ€sidenten weitgehende ImmunitĂ€t fĂŒr Straftaten wĂ€hrend seiner Amtszeit gewĂ€hrt. Ethik-Skandale hĂ€tten Zweifel an der Fairness und UnabhĂ€ngigkeit des Supreme Court aufkommen lassen.Â
Konkret fordert Biden eine Begrenzung der Amtszeit fĂŒr die Richterinnen und Richter des Supreme Court sowie einen durchsetzbaren Ethik-Kodex. Zudem beabsichtigt er, einen Verfassungszusatz vorzuschlagen, der klarstellt, dass frĂŒhere PrĂ€sidenten nicht vor der Strafverfolgung fĂŒr Vergehen wĂ€hrend ihrer Amtszeit geschĂŒtzt sind.Â
Bidens VorschlĂ€ge mĂŒssten vom Parlament gebilligt werden, was aufgrund der MehrheitsverhĂ€ltnisse im US-Kongress als unwahrscheinlich gilt. Insbesondere fĂŒr eine VerfassungsĂ€nderung gibt es hohe HĂŒrden.
Die drei angestrebten Ănderungen im Einzelnen:
1. Amtszeitbegrenzung fĂŒr Richterinnen und RichterÂ
Die neun Richter des Obersten Gerichts werden auf Lebenszeit ernannt. Ihre Auswahl ist ein hart umkÀmpfter politischer Prozess. Ex-PrÀsident Donald Trump konnte wÀhrend seiner Amtszeit (2017 bis 2021) drei Richter im Supreme Court platzieren, weswegen momentan sechs der neun Richter als konservativ gelten.
Biden will ein System vorschlagen, wonach der PrĂ€sident alle zwei Jahre einen Richter oder eine Richterin ernennt, der oder die dann achtzehn Jahre lang im Amt ist. Dies solle dazu beitragen, dass sich die Zusammensetzung des Gerichts mit einer gewissen RegelmĂ€Ăigkeit Ă€ndere, hieĂ es. Solch ein System verringere auch die Wahrscheinlichkeit, dass «eine einzelne PrĂ€sidentschaft die Zusammensetzung des Gerichts fĂŒr kommende Generationen radikal» verĂ€ndere, schrieb Biden in der «Washington Post».
2. Verbindlicher VerhaltenskodexÂ
Im vergangenen Jahr hatten Berichte ĂŒber teure Geschenke an den Supreme-Court-Richter Clarence Thomas eine Ethik-Debatte ausgelöst. Die Richterinnen und Richter am Supreme Court hatten daraufhin einem Verhaltenskodex zugestimmt, dessen Durchsetzbarkeit aber fraglich war.Â
Biden bezeichnete den aktuellen Kodex als «schwach und selbst auferlegt». Er will erreichen, dass der Kongress verbindliche Verhaltensregeln verabschiedet. Darin soll zum Beispiel festgeschrieben sein, dass Richterinnen und Richter Geschenke offenlegen und sich aus politischen AktivitĂ€ten in der Ăffentlichkeit fernhalten mĂŒssen. Auch sollen die Richterinnen und Richter verpflichtet werden, sich aus FĂ€llen zurĂŒckzuziehen, in denen sich fĂŒr sie oder ihre Partnerinnen und Partner Interessenkonflikte ergeben.
3. VerfassungsĂ€nderung zur ImmunitĂ€tÂ
Die Verfassung gewĂ€hrt PrĂ€sidenten nicht explizit ImmunitĂ€t, auch nicht wĂ€hrend ihrer Zeit im Amt. Allerdings ist das Justizministerium traditionell der Auffassung, dass PrĂ€sidenten zumindest wĂ€hrend ihrer Zeit im WeiĂen Haus nicht angeklagt werden können. Vor wenigen Wochen hat Trump vor dem Supreme Court einen historischen Erfolg eingefahren: Das Gericht entschied, dass er fĂŒr seine Handlungen im PrĂ€sidentenamt weitgehenden Schutz vor Strafverfolgung genieĂt.Â
Das Urteil bedeute, dass es «praktisch keine Grenzen» fĂŒr die Handlungen eines PrĂ€sidenten gebe, warnte Biden in seinem MeinungsstĂŒck. «Die einzigen Grenzen werden diejenigen sein, die sich die Person im Oval Office selbst auferlegt». Somit sei das demokratische Konzept einer friedlichen MachtĂŒbergabe in Gefahr: «Wenn ein zukĂŒnftiger PrĂ€sident einen gewalttĂ€tigen Mob dazu anstiftet, das Kapitol zu stĂŒrmen (...) hat dies möglicherweise keine rechtlichen Konsequenzen.»
Biden will nun einen Verfassungszusatz zur Abstimmung bringen, der klarstellt, dass «kein PrĂ€sident ĂŒber dem Gesetz steht», also dass ehemalige PrĂ€sidenten nicht vor der Verfolgung von Straftaten, die sie in ihrer Amtszeit begangen haben, geschĂŒtzt sind.Â
Trump kritisierte Vorhaben bereitsÂ
Trump kritisierte die PlĂ€ne bereits, nachdem US-Medien in der vergangenen Woche erstmals darĂŒber berichtet hatten. «Die Demokraten versuchen, sich in die PrĂ€sidentschaftswahlen einzumischen und unser Justizsystem zu zerstören, indem sie ihren politischen Gegner, mich, und unseren ehrenwerten Obersten Gerichtshof angreifen», schrieb er auf seiner Online-Plattform Truth Social.Â
Trump ist PrĂ€sidentschaftskandidat der Republikaner. Er will nach der Wahl am 5. November Biden im WeiĂen Haus ablösen. Als Kandidatin der Demokratin geht voraussichtlich Bidens Stellvertreterin Kamala Harris ins Rennen, nachdem sich der Amtsinhaber vor gut einer Woche aus dem Rennen um die PrĂ€sidentschaft zurĂŒckgezogen hatte.


