Oleschky-Flüchtlinge erreichen nach Evakuierung die Ukraine
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 15:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWSGrenzübertritt bei Tschernihiw
- Ukrainische Bürger aus Oleschky überquerten nach Selenskyjs Angaben die Grenze im Gebiet Tschernihiw.
- Die Geretteten waren zuvor gemeinsam mit Dmytro Lubinez über eine Zwischenetappe in Belarus gereist.
- Die Waffenruhe im teilweise von Russland und der Ukraine kontrollierten Gebiet Cherson endet am Sonntagabend.
Die aus der von russischen Truppen besetzten südukrainischen Frontstadt Oleschky geretteten Menschen sind nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wieder in der Ukraine. Sie überquerten demnach im Gebiet Tschernihiw die Grenze, nachdem sie zuvor über Belarus gebracht worden waren.
Selenskyj dankt Vermittlern
Selenskyj teilte in sozialen Medien mit, ukrainische Bürger aus Oleschky hätten die ukrainische Grenze erreicht. Dazu veröffentlichte er ein Video, das Menschen mit ukrainischen Fahnen in einem Bus zeigt.
Der Präsident dankte der US-Seite und First Lady Melania Trump für die Vermittlung der Waffenruhe während der Evakuierung. Ebenfalls würdigte er den ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinez, der die Rettungsaktion begleitet hatte.
Zwischenetappe in Belarus
Die Region Tschernihiw grenzt an Belarus. Die aus Oleschky geretteten Menschen waren auf dem Weg in die Ukraine gemeinsam mit der Delegation um Lubinez zunächst in Belarus untergebracht worden.
Selenskyj erklärte, die Ukraine hoffe auf einen dauerhaften humanitären Zugang zu Oleschky. Weitere Schritte zur Deeskalation und echte Fortschritte auf dem Weg zum Frieden seien notwendig.
Treffen in Istanbul angekündigt
Selenskyj hält sich derzeit in Istanbul auf. Nach eigenen Angaben will er dort den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan treffen; dabei soll es unter anderem um die bilateralen Beziehungen und die Schifffahrt im Schwarzen Meer gehen.
Waffenruhe endet am Sonntag
Bei der Evakuierung am Vortag hatten die Menschen nach russischen und ukrainischen Angaben zwischen einer Ausreise aus Oleschky und dem Verbleib in der Stadt wählen können. Lubinez und seine russische Kollegin Jana Lantratowa begleiteten die Aktion persönlich.
Die Waffenruhe für das teils von Russland, teils von der Ukraine kontrollierte Gebiet Cherson endet am Sonntagabend.
Die Evakuierung aus Oleschky steht im Zusammenhang mit einer zeitlich begrenzten Waffenruhe im Gebiet Cherson. Sie ermöglichte den Angaben zufolge nicht nur die Ausreise von Zivilisten, sondern auch eine koordinierte Zusammenarbeit der Menschenrechtsbeauftragten Russlands und der Ukraine.
Oleschky liegt am linken Ufer des Dnipro gegenüber der von der Ukraine kontrollierten Gebietshauptstadt Cherson und steht seit Beginn der russischen Invasion unter russischer Kontrolle. Die Stadt wurde durch Kämpfe, die Zerstörung des Kachowka-Staudamms und den Ausfall wichtiger Versorgungswege schwer getroffen. Der Zugang für Lebensmittel, Medikamente und andere Hilfsgüter war zuletzt stark eingeschränkt.
Waffenruhe als humanitärer Test
Die Rückkehr der Geretteten in die Ukraine erhöht die praktische Bedeutung der Vereinbarung: Der Korridor führte zunächst durch russisch kontrolliertes Gebiet und Belarus, bevor die Menschen die ukrainische Grenze bei Tschernihiw erreichten. Damit wurde ein mehrstufiger humanitärer Ablauf abgeschlossen, an dem mehrere Konfliktparteien und Vermittler beteiligt waren.
Für die Bevölkerung in anderen umkämpften Orten bleibt entscheidend, ob solche Absprachen über den Einzelfall hinaus Bestand haben. Selenskyj verband seinen Dank deshalb mit der Forderung, den humanitären Zugang nach Oleschky offenzuhalten und weitere Schritte zur Deeskalation zu ermöglichen. Die angekündigte Begrenzung der Waffenruhe bis Sonntagabend macht zugleich deutlich, dass die sichere Versorgung und mögliche weitere Evakuierungen unter erheblichem Zeitdruck stehen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
STERN: „Ukraine-Krieg: Oleschky-Flüchtlinge sollen bald zurück in der Ukraine sein“ (31.10.2026)
Der Artikel hatte zunächst die Zwischenetappe in Belarus und die geplante Weiterreise in die Ukraine beschrieben. Damit bestätigt er den Ablauf der Evakuierung, während die aktuelle Meldung den inzwischen erreichten Grenzübertritt hervorhebt.
Der Bericht stellt die Zahl von mehr als 200 evakuierten Zivilisten und die Sicherheitsbedenken der Bewohner in den Mittelpunkt. Er ordnet die Rückkehr der Menschen in die Ukraine damit stärker als Ergebnis einer fragilen Feuerpause und eines riskanten Korridors ein.
Beide Beiträge beschreiben die Evakuierung als mehrstufigen Vorgang über Belarus. Unterschiede liegen vor allem im Schwerpunkt: Während der STERN den Transportweg verfolgt, betont die Frankfurter Rundschau die humanitäre Lage, die Ängste der Bewohner und die begrenzte Dauer der Waffenruhe.
