Oleschky: Russland und Ukraine bestätigen Waffenruhe
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 22:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWSOleschky bleibt Frontstadt am Dnipro
- Russland stellt laut Generalstabschef Waleri Gerassimow im Raum Cherson das Feuer für eine humanitäre Operation ein.
- Die Waffenruhe soll ab Dienstag um 2.00 Uhr MEZ gelten; ihre Dauer wurde zunächst nicht genannt.
- Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez kündigte Hilfsgüter und freie Bewegung für Einwohner an.
Russland und Ukraine bestätigen Feuerpause für Oleschky
Russland und die Ukraine haben eine lokal begrenzte Waffenruhe für die seit Monaten abgeriegelte Frontstadt Oleschky bestätigt. Die Feuerpause soll ab Dienstag um 2.00 Uhr MEZ gelten und humanitäre Hilfe sowie die Evakuierung von Einwohnern ermöglichen.
Waffenruhe soll Hilfseinsatz ermöglichen
Der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow erklärte dem Verteidigungsministerium zufolge, die russischen Streitkräfte würden im Rahmen einer humanitären Operation im Raum Oleschky das Feuer einstellen. Auch Kiew stimmte der Waffenruhe zu.
Der ukrainische Generalstab kündigte an, alles für die Unterstützung der Einwohner sowie die Sicherheit und Rettung ukrainischer Bürger zu tun. Menschenrechtsbeauftragter Dmytro Lubinez erklärte, nach der Vereinbarung sollten humanitäre Hilfsgüter geliefert und die freie Bewegung der Einwohner sichergestellt werden.
Evakuierung soll mehrere Tage dauern
Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge, die Evakuierung werde mindestens einige Tage dauern. Wer Oleschky verlassen wolle, könne dies tun.
Der ukrainische Parlamentsfraktionschef David Arachamija kündigte eine Operation zur „Entsperrung“ der Stadt an. Ziel sei ein dauerhafter humanitärer Korridor für die sichere Evakuierung der Zivilbevölkerung und die Lieferung von Hilfsgütern.
Oleschky liegt nahe der Front
Oleschky liegt auf russisch besetztem Gebiet am Südufer des Dnipro gegenüber der ukrainisch kontrollierten Gebietshauptstadt Cherson. Nach ukrainischen Angaben hält Russland dort etwa 2.000 Menschen fest; die Stadt ist von der Versorgung abgeschnitten.
Rund um Oleschky liegen nach jahrelangem Beschuss Minen. Ein Verlassen der Stadt ist laut der dpa-Meldung in alle Richtungen lebensgefährlich. Russland warf der ukrainischen Armee wiederholt vor, mit Drohnenangriffen die Lieferung von Lebensmitteln zu verhindern.
Vermittlung durch Melania Trump
Das Weiße Haus hatte zuvor mitgeteilt, First Lady Melania Trump habe eine lokale Waffenruhe zwischen Moskau und Kiew vermittelt. In der Mitteilung hieß es, beide Seiten hätten vereinbart, die Kampfhandlungen ab dem 29. Oktober vorübergehend einzustellen.
Auch der Papst hatte Kremlchef Wladimir Putin zu einem Waffenstillstand für Oleschky aufgefordert. Wie lange die nun bestätigte Waffenruhe dauern soll, wurde zunächst nicht mitgeteilt.
Die vereinbarte Feuerpause betrifft mit Oleschky einen kleinen, aber strategisch und humanitär wichtigen Abschnitt der Front im Süden der Ukraine. Die Stadt liegt am Ostufer des Dnipro gegenüber dem ukrainisch kontrollierten Cherson und befindet sich seit Beginn der russischen Vollinvasion unter russischer Besatzung.
Für die verbliebene Bevölkerung geht es zunächst um Grundversorgung und einen sicheren Weg aus der Stadt. Die angekündigte Einstellung der Kämpfe soll Hilfslieferungen ermöglichen und die Evakuierung von Zivilisten vorbereiten. Nach Angaben aus Washington leben dort noch etwa 1.700 bis 2.000 Menschen; die dpa-Meldung nennt rund 2.000 Menschen.
Humanitäre Hilfe unter militärischer Kontrolle
Die Umsetzung dürfte von praktischen Sicherheitsfragen abhängen: von der Räumung oder Absicherung verminter Wege, der Abstimmung zwischen den Konfliktparteien und der Kontrolle des Korridors. Weil Oleschky auf besetztem Gebiet liegt und die Front nahe verläuft, bleibt die Bewegungsfreiheit der Einwohner ein zentraler Punkt.
Politisch ist die Vereinbarung ein begrenztes humanitäres Signal, kein umfassender Waffenstillstand. Die Dauer der Feuerpause wurde zunächst nicht mitgeteilt. Für die Menschen vor Ort entscheidet deshalb weniger die Ankündigung als die verlässliche Umsetzung: ob Hilfsgüter tatsächlich eintreffen, Evakuierungen beginnen können und die Feuerpause eingehalten wird.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Melania Trump erzielt Waffenruhe in besetztem Oleshky“ (23.10.2026)
Der Beitrag ordne die Vereinbarung als humanitäre Feuerpause ein, die Hilfslieferungen und Evakuierungen ermöglichen solle. Anders als die dpa-Meldung beleuchte er ausführlicher die Versorgungslage, die Gefahren durch Minen und Drohnen sowie offene Fragen zur Überwachung und Sicherheit des Korridors.
ZDFheute: „Melania Trump soll Waffenruhe in Ukraine vermittelt haben“ (23.10.2026)
Der Beitrag stelle die Vermittlungsrolle Melania Trumps und die geplante Feuerpause ab dem 29. Oktober heraus. Zugleich habe er den damaligen Stand wiedergegeben, wonach aus Russland und der Ukraine zunächst keine Bestätigung vorgelegen habe; die dpa-Meldung berichte inzwischen von positiven Signalen und einer Zustimmung beider Seiten.
Übereinstimmend werde die Feuerpause mit humanitärer Hilfe und der Evakuierung von Zivilisten verbunden. Unterschiede lägen vor allem beim Zeitpunkt der Berichterstattung und beim Schwerpunkt auf Vermittlung, Versorgungslage und Umsetzbarkeit.
