Oleschky, Waffenruhe

Oleschky-Waffenruhe ermöglicht Evakuierung von 750 Menschen

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 18:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine örtlich begrenzte Feuerpause ermöglicht die bislang größte humanitäre Hilfsaktion seit Beginn des russischen Angriffskriegs. Menschen verlassen die besetzte Stadt über organisierte Transportwege, während Hilfsgüter verteilt werden.

Fluchtwege und Verluste der Stadt

  • Oleschky wurde im Februar 2022 von russischen Truppen besetzt.
  • 25 Busse mit mehr als 750 Sitzplätzen und neun Krankenwagen standen bereit.
  • Bei der Minenräumung starben ein russischer Soldat und ein weiterer Mensch.
  • Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez reiste extra über Belarus und Russland in die besetzte Südukraine, um mit den Menschen vor Ort direkt zu sprechen. - Bild: Uncredited/Office of the Ombudsman of Ukraine/AP/dpa
  • Die Menschenrechtsbeauftragten Russlands (mittig) und der Ukraine (rechts davon) kooperierten bei der Hilfsaktion für die russisch besetzte südukrainische Frontstadt Oleschky. - Bild: Ulf Mauder/dpa
  • Menschen können die ukrainische Frontstadt Oleschky verlassen. - Bild: Ulf Mauder/dpa
Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez reiste extra über Belarus und Russland in die besetzte Südukraine, um mit den Menschen vor Ort direkt zu sprechen. - Bild: Uncredited/Office of the Ombudsman of Ukraine/AP/dpa Die Menschenrechtsbeauftragten Russlands (mittig) und der Ukraine (rechts davon) kooperierten bei der Hilfsaktion für die russisch besetzte südukrainische Frontstadt Oleschky. - Bild: Ulf Mauder/dpa Menschen können die ukrainische Frontstadt Oleschky verlassen.  - Bild: Ulf Mauder/dpa

Oleschky öffnet für Evakuierung und Hilfslieferungen

Russland und die Ukraine haben eine von den USA vermittelte Hilfsaktion für die besetzte südukrainische Frontstadt Oleschky umgesetzt. Am vierten Tag einer örtlich begrenzten Waffenruhe gelangten Dutzende Tonnen Hilfsgüter in den Ort, zugleich konnten Bewohner die Stadt verlassen.

Busse bringen Menschen aus der Kampfzone

Nach Angaben beider Seiten waren 25 Busse mit mehr als 750 Sitzplätzen im Einsatz. Neun Krankenwagen begleiteten die Kolonne, um bettlägerige Menschen zu transportieren.

Deutlich mehr Einwohner reisten demnach in den von der Ukraine kontrollierten Teil des Landes aus als nach Russland oder in russisch besetzte Gebiete. Einige Bewohner blieben trotz der Gefahren in Oleschky.

Gemeinsamer Auftritt der Menschenrechtsbeauftragten

Russlands Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa und ihr ukrainischer Kollege Dmytro Lubinez reisten gemeinsam in die Stadt. Dort wurden Lebensmittel, Hygienemittel, Treibstoff für Notstromaggregate und weitere Hilfsgüter verteilt.

Bei der Ankunft am Krankenhaus drängten sich Frauen um die beiden Vertreter. Später wurden sie auf der von Russland völkerrechtswidrig annektierten Krim auch mit geretteten Kindern gezeigt.

Staudamm-Sprengung verschärfte die Lage

Oleschky hatte vor der russischen Besetzung etwa 24.000 Einwohner. Nach dem russischen Rückzug aus der Gebietshauptstadt Cherson im November 2022 wurde die Stadt zur Frontzone; die Sprengung des Kachowka-Staudamms überschwemmte Teile des Stadtgebiets.

Die Waffenruhe hielt nach Angaben der ukrainischen Seite bereits mehr als 80 Stunden. Sie soll bis einschließlich Sonntag gelten, danach könnten Luftangriffe und Artilleriebeschuss wieder einsetzen.

Toter bei der Minenräumung

Bei den Vorbereitungen starben nach russischen Angaben ein russischer Soldat und ein weiterer Mensch. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte den Tod eines Minenräumers, der bei Erkundungsarbeiten durch einen per Drohne gelegten Sprengsatz getötet worden sei.

An der Vorbereitung der Aktion waren auch US-Bürger beteiligt. Rund 50 Journalisten aus der Ukraine, Russland, den USA und weiteren Ländern beobachteten den Einsatz.

Route über Krim und Belarus

Der ukrainische Unterhändler David Arachamija zufolge führt die Ausreise in den nicht russisch besetzten Teil der Ukraine über die Krim und den Flughafen Anapa in Südrussland. Von dort sollen Menschen per Flugzeug nach Gomel in Belarus und anschließend mit Bussen in die Ukraine gelangen.

Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Lubinez äußerte die Hoffnung, ähnliche humanitäre Aktionen auch an anderen Frontabschnitten zu ermöglichen.

Die Waffenruhe in Oleschky schafft ein seltenes Zeitfenster für humanitäre Hilfe in einem Gebiet, das seit Jahren von Kampfhandlungen, Minen und zerstörter Infrastruktur geprägt ist. Die Stadt liegt in der Region Cherson am linken Ufer des Dnipro und wurde nach der russischen Besetzung zur Frontzone.

Die Bedeutung der Aktion liegt deshalb nicht nur in der Zahl der transportierten Hilfsgüter. Erstmals seit langer Zeit können Zivilisten die Stadt geordnet verlassen, darunter kranke und bettlägerige Menschen. Für die verbliebenen Einwohner geht es zugleich um den Zugang zu Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Treibstoff und medizinischer Versorgung.

Ein begrenztes Zeitfenster

Die Feuerpause ist örtlich und zeitlich begrenzt. Nach ihrem Ende könnten Drohnenangriffe, Artilleriebeschuss und die Gefahr durch Minen den Transport erneut blockieren. Damit bleibt offen, ob aus der einmaligen Aktion weitere humanitäre Korridore an anderen Frontabschnitten entstehen können.

Die gemeinsame Präsenz russischer und ukrainischer Menschenrechtsbeauftragter zeigt, dass praktische Zusammenarbeit selbst unter Kriegsbedingungen möglich ist. Sie ersetzt jedoch keine politische Vereinbarung über einen dauerhaften Waffenstillstand. Für die Menschen in Oleschky entscheidet sich die unmittelbare Sicherheit daran, ob die vereinbarte Ruhe bis Sonntag hält und ob sichere Ausreisen organisiert werden können.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Ukraine-Krieg Evakuierungen in Oleschky, neue Angriffe auf Dnipro“ (30.10.2026)

Der Beitrag bestätige den Beginn der Evakuierung und die Versorgung der Bewohner mit Lebensmitteln, Medikamenten und Hygieneartikeln. Als zusätzlichen Schwerpunkt nenne er rund 2.000 verbliebene Menschen und ordne die Waffenruhe als Ausnahmefall ein.

Euronews: „‚Eine Hölle auf Erden‘: besetztes Oleshky rückt ins globale Rampenlicht, auch für Melania Trump“ (30.10.2026)

Der Artikel habe die geplante Evakuierung und Verteilung von Hilfsgütern sowie die bis Sonntag geltende Feuerpause hervorgehoben. Anders als der Deutschlandfunk lege er einen Schwerpunkt auf die politische Vermittlung und die schwierige Entscheidung der Bewohner zwischen Ausreise und Verbleib.

Gemeinsam sei den Beiträgen die Darstellung einer zeitlich begrenzten humanitären Aktion mit Evakuierungen und Hilfslieferungen. Unterschiede lägen vor allem bei der politischen Einordnung und der Beschreibung der Lage der verbliebenen Bevölkerung.

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