Opposition startet Kampagne gegen Putin
07.12.2023 - 15:50:01Kremlgegner um den inhaftierten russischen Oppositionellen Alexej Nawalny haben vor der PrĂ€sidentenwahl am 17. MĂ€rz eine Kampagne gegen Staatschef Wladimir Putin gestartet. «Russland ohne Putin» heiĂt die Aktion, bei der BĂŒrger fĂŒr beliebige Kandidaten stimmen sollen â nur nicht fĂŒr den Amtsinhaber, wie das im Exil im Ausland arbeitende Team mitteilte. In Russland gibt es immer wieder Streit in Oppositionskreisen, ob ein Wahlboykott oder Nawalnys Linie mehr Erfolg verspricht, um den Unmut ĂŒber Putin kundzutun.
Alle BĂŒrger wĂŒrden aufgerufen, in den nĂ€chsten 100 Tagen auch andere Gegner Putins dafĂŒr zu gewinnen, zur Wahl zu gehen, hieĂ es von Nawalnys UnterstĂŒtzern. Die Kremlgegner lancierten auch eine Internetseite mit ErklĂ€rungen, wie abgestimmt werden soll. Die Wahlen seien eine Parodie. «Aber jedwede Wahlen, auch die gefĂ€lschtesten, sind eine Zeit des Zweifelns. Die Leute denken darĂŒber nach, wer an der Macht ist und warum», teilte Nawalnys Team weiter mit.
Hauptaufgabe der Opposition und ehrlichen BĂŒrger sei es, auf diese Zweifel einzugehen, den Leuten klarzumachen, dass Putin dem Land schade. «FĂŒr Putin sind die Wahlen 2024 ein Referendum ĂŒber sein Vorgehen, ĂŒber den Krieg», hieĂ es in dem Aufruf. Die Mehrheit der Russen wolle Putin nicht an der Spitze des Landes sehen. «Die Abstimmungsergebnisse werden gefĂ€lscht werden, aber unsere Aufgabe ist es, allen klarzumachen, dass Russland Putin nicht mehr braucht.»
Nawalnys Team veröffentlichte auch ein Video von einer in Putins Heimatstadt St. Petersburg aufgestellten groĂen Werbetafel. Darauf stehen die Aufschrift «Russland», GlĂŒckwĂŒnsche zum neuen Jahr sowie ein QR-Code. Wer den Code auf dem Mobiltelefon lĂ€dt, kommt auf die Seite der Opposition mit dem Titel: «Russland ohne Putin».
Putin darf erneut antreten - dank VerfassungsÀnderung
Am Vormittag hatte der Föderationsrat - das Oberhaus des Parlaments - die PrĂ€sidentenwahl offiziell fĂŒr den 17. MĂ€rz 2024 angesetzt. Damit beginne offiziell der Wahlkampf, sagte Föderationsratschefin Valentina Matwijenko. Es wird davon ausgegangen, dass Putin seine erwartete Kandidatur bald auch offiziell erklĂ€rt. Das Staatsfernsehen zeigt schon seit Tagen Sendungen, in denen BĂŒrger dem 71 Jahre alten Kremlchef die Treue schwören und zusichern, auch bei der fĂŒnften Kandidatur fĂŒr ihn zu stimmen.
Putin hatte 2020 eigens die Verfassung Àndern lassen, um wieder antreten zu können. Im Fall einer Wiederwahl kann er bis 2030 im Amt bleiben und 2036 ein letztes Mal bei der Abstimmung antreten.
Die Wahllokale sollen erneut drei Tage lang geöffnet werden, wie die Chefin der zentralen Wahlkommission, Ella Pamfilowa, mitteilte. Ăber die Organisation des Urnengangs in den von Russland besetzten Teilen der ukrainischen Gebiete Cherson, Saporischschja, Donezk und Luhansk soll zu einem spĂ€teren Zeitpunkt entschieden werden. Die Ukraine kĂ€mpft weiter mit westlicher Hilfe darum, die annektierten Gebiete Russland wieder zu entreiĂen. In der Ukraine soll es wegen des Krieges keine PrĂ€sidentenwahl im FrĂŒhjahr geben.
Der Kreml erwartet ein Rekordergebnis fĂŒr Putin bei der Wahl, die im Zeichen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine steht. Der PrĂ€sident stellt sich selbst als VorkĂ€mpfer gegen ein Vormachtstreben der USA sowie gegen eine Osterweiterung der Nato dar. Die Stilisierung des Westens als Feind, gegen den Putin kĂ€mpft, verfĂ€ngt bei vielen Russen. Andere mögliche Kandidaten gelten als chancenlos. Bei der Abstimmung 2018 kam Putin auf 76,69 Prozent der Stimmen.
Kontrahenten fehlen Unterschriften
Der liberale Oppositionspolitiker Grigori Jawlinski, der einen Waffenstillstand in der Ukraine und Friedensverhandlungen fordert, hat seine Bereitschaft zur erneuten Teilnahme an der Wahl erklĂ€rt. Der 71-JĂ€hrige nannte aber als Voraussetzung, dass er mindestens zehn Millionen UnterstĂŒtzerunterschriften einsammeln kann. Davon ist er mit aktuell rund 20.000 Unterschriften weit entfernt. Bei der Wahl 2018 kam er auf 1,05 Prozent der Stimmen.
Der Kreml bemĂŒht sich traditionell vor den Wahlen darum, ein Feld an Bewerbern um das PrĂ€sidentenamt zu organisieren, um den Anschein einer Auswahl und Konkurrenz fĂŒr Putin zu erzeugen. Die etwa auch von verschiedenen Parlamentsparteien aufgestellten Kandidaten gelten in der Regel aber als völlig chancenlos.


