Papst Leo XIV. in Frankreich: Kritik an Sterbehilfe und Abtreibung
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 13:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPapst Leo XIV. hat Frankreich zum Auftakt seines viertägigen Besuchs als Land der Menschenrechte gewürdigt und zugleich eine „neue Brüderlichkeit“ sowie den Schutz des Lebens von der Zeugung bis zum Tod angemahnt.
Kritik an Sterbehilfe und Abtreibung
Bei einem Empfang im Élysée-Palast in Paris bezog sich das Kirchenoberhaupt damit auf das im Sommer beschlossene Gesetz zur Sterbehilfe und auf das in der französischen Verfassung verankerte Recht auf Abtreibung. Im Beisein von Präsident Emmanuel Macron sagte Leo: „Der Schutz des Rechts auf Leben bildet die unverzichtbare Grundlage für alle anderen Menschenrechte.“
Der Papst warnte außerdem vor einer Entwicklung, bei der Wissenschaft und Technik zu gewinnorientierten Unternehmungen würden. Als Beispiele nannte er Genmanipulationen, Leihmutterschaft, Organhandel und das Angebot eines geplanten Todes. Macron erklärte zuvor, Frankreich werde technologischen Fortschritt nicht über die Menschenwürde stellen.
Französische Wurzeln des US-Papstes
Leo XIV., der mit bürgerlichem Namen Robert Prevost heißt, ist seit vergangenem Jahr im Amt und besucht Frankreich erstmals. Seine 71 Jahre alte Familie hat französische Wurzeln; seine Großmutter stammte aus der Normandie.
Mit der Forderung nach einer „neuen Brüderlichkeit“ griff der Papst den Dreiklang „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ aus der Französischen Revolution von 1789 auf. Macron sagte, Frankreich sei stolz auf die normannischen Wurzeln des Papstes und verwies auf eigene familiäre Wurzeln in Béarn und Bigorre.
Besuch in einem säkularen Land
In Frankreich gilt – mit Ausnahmen in einigen östlichen Regionen – seit mehr als einem Jahrhundert eine strikte Trennung von Kirche und Staat. Weniger als ein Drittel der rund 69 Millionen Einwohner bekennt sich heute zum katholischen Glauben. Durch Einwanderung ist zugleich der Anteil der Muslime gewachsen.
Zu den Papstmessen werden Hunderttausende erwartet. Macron will ihnen fernbleiben, seine Ehefrau Brigitte Macron und Premierminister Sébastien Lecornu sollen an einer Messe teilnehmen. Der Präsident betonte beim Empfang, die Laizität sei nicht als Verneinung von Religion zu verstehen.
Weitere Stationen und Sicherheitsmaßnahmen
Nach dem Empfang im Élysée-Palast besucht Leo die Unesco in Paris. Am Abend ist ein Vespergottesdienst im Stade de France in Saint-Denis mit 80.000 Teilnehmern geplant. Für eine Messe auf der Place de la Concorde am Samstag haben sich mehr als eine halbe Million Menschen angemeldet.
Weitere Stationen sind Lourdes und Metz. In Lourdes will sich der Papst mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch Geistliche treffen. In Metz ist eine Rede über Europa vorgesehen. Wegen des Besuchs sind 14.000 Beamte im Einsatz, zahlreiche Straßen in Paris wurden bereits abgesperrt.
Laizität prägt den politischen Rahmen
Der Papstbesuch trifft auf ein Land, in dem katholische Tradition und strikte staatliche Religionsneutralität nebeneinanderstehen. Frankreich beruft sich historisch auf seine Rolle als „älteste Tochter der Kirche“, während die seit 1905 geltende Laizität religiöse Institutionen aus staatlichen Angelegenheiten weitgehend heraushält. Weniger als ein Drittel der Bevölkerung bekennt sich heute zum Katholizismus.
Politisch besonders konfliktträchtig sind die französische Verfassungsänderung zum Abtreibungsrecht und das im Sommer beschlossene Gesetz zur Sterbehilfe. Leo XIV. verbindet seine Kritik an beiden Regelungen mit einer grundsätzlichen Warnung vor einer rein technisch oder wirtschaftlich geprägten Sicht auf den Menschen. Damit berührt sein Besuch zentrale Fragen der französischen Gesellschaftspolitik und der katholischen Soziallehre.
Europäische und gesellschaftliche Bedeutung
Die Reise ist zugleich religiös und politisch angelegt. Neben großen Gottesdiensten mit Hunderttausenden Gläubigen stehen Gespräche über Frieden, Menschenwürde, Migration und Europas historische Grundlagen auf dem Programm. Der geplante Aufenthalt in Metz rückt dabei die europäische Dimension des Besuchs in den Mittelpunkt.
Für Frankreich bedeutet der Besuch auch eine organisatorische Herausforderung: 14.000 Sicherheitskräfte sind im Einsatz, zahlreiche Straßen werden gesperrt. Für Besucherinnen und Besucher in Paris sind deshalb erhebliche Verkehrsbehinderungen zu erwarten. Das Treffen mit Missbrauchsopfern in Lourdes lenkt zudem den Blick auf die Verantwortung der Kirche und ihren Umgang mit den Folgen sexuellen Missbrauchs.
