Papst Leo XIV., Frankreich-Besuch

Papst Leo XIV. kritisiert in Frankreich Sterbehilfe und Abtreibungsrecht

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 12:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Papst Leo XIV. hat Frankreich zum Auftakt seines ersten Besuchs dort zu einer „neuen Brüderlichkeit“ aufgerufen und zugleich das Recht auf Leben betont. Bei einem Empfang mit Präsident Emmanuel Macron kritisierte er das französische Sterbehilfegesetz sowie die Verankerung des Abtreibungsrechts in der Verfassung.

Papst und Präsident trafen sich auch zu einem Zweiergespräch. - Bild: Mohammed Badra/Pool EPA via AP/dpa
Papst und Präsident trafen sich auch zu einem Zweiergespräch. - Bild: Mohammed Badra/Pool EPA via AP/dpa

Papst Leo XIV. hat bei seinem ersten Besuch in Frankreich das neue Sterbehilfegesetz kritisiert und im Beisein von Präsident Emmanuel Macron zu einer „neuen Brüderlichkeit“ aufgerufen.

Appell für den Schutz des Lebens

Zu dieser Brüderlichkeit gehöre, „dass man lernt, das Leben bedingungslos anzunehmen“ und „jede Lebensphase mit Achtung zu begleiten“, sagte der Papst bei einem Empfang im Élysée-Palast. Das Oberhaupt der katholischen Kirche hält sich bis Montag in Frankreich auf.

Leo XIV. lobte Frankreich als Land der Menschenrechte und würdigte die Friedensbemühungen des Landes. Zugleich nahm er Bezug auf das in der französischen Verfassung verankerte Recht auf Abtreibung.

Kritik an Abtreibung und Sterbehilfe

„Deshalb betone ich nachdrücklich, dass der Schutz des Rechts auf Leben die unverzichtbare Grundlage für alle anderen Menschenrechte bildet“, sagte der Papst. Er rief dazu auf, sich mit Mut und Mitgefühl für Menschen einzusetzen, die keine Stimme hätten oder sich nicht ausreichend unterstützt fühlten.

Frankreich erlaubt seit diesem Sommer schwer kranken Menschen nach streng festgelegten Regeln Sterbehilfe. Das Parlament verabschiedete ein Gesetz, das unheilbar Kranken bei unerträglichen Leiden die Möglichkeit zum assistierten Suizid eröffnet. Frankreich ist zudem das erste Land der Welt, das ein Recht auf Abtreibung in seiner Verfassung festgeschrieben hat.

Warnung vor falschem Fortschrittsglauben

Der Papst warnte außerdem davor, von der Wissenschaft Lösungen und Trost für jedes Leid zu erwarten. Es bestehe die Gefahr, Wissenschaft und Technik in gewinnorientierte Unternehmungen zu verwandeln, die Genmanipulationen, Leihmutterschaft, Organhandel oder einen geplanten Tod förderten.

Weitere Stationen in Paris

Nach dem Empfang im Élysée-Palast wollte Leo XIV. die Unesco besuchen, die ihren Sitz in Paris hat. Für den Abend war ein Vespergottesdienst im Nationalstadion im Vorort Saint-Denis mit etwa 80.000 Teilnehmern geplant.

Am Samstag sollte der Papst eine Messe nahe den Champs-Élysées feiern. Dazu wurden mehrere Hunderttausend Menschen erwartet. Der Besuch in Frankreich endet am Montag.

Laizität und katholische Prägung

Der Besuch fällt in ein Spannungsfeld, das Frankreich seit Langem prägt: Der Staat versteht sich als strikt laizistisch, zugleich besitzt die katholische Kirche erhebliches historisches und kulturelles Gewicht. Religiöse Feiern und staatliche Diplomatie werden deshalb besonders sorgfältig voneinander getrennt. Der Papst kann im Élysée empfangen werden und politische Themen ansprechen, ohne dass daraus eine staatliche Zustimmung zu kirchlichen Positionen folgt.

Inhaltlich konzentriert sich der Konflikt auf zwei bioethische Entscheidungen Frankreichs. Das Land nahm 2024 ein Recht auf Abtreibung in die Verfassung auf; im Sommer 2026 verabschiedete das Parlament zudem ein Gesetz, das schwer kranken Menschen unter engen Voraussetzungen assistierten Suizid ermöglicht. Leo XIV. stellt dem ein umfassendes Verständnis des Lebensschutzes gegenüber und kritisiert einen Fortschrittsbegriff, der medizinische Möglichkeiten allein als Lösung menschlichen Leidens betrachtet.

Bedeutung des Besuchs

Für Frankreich ist die Reise dennoch mehr als eine Debatte über Gesetzgebung. Der Papst spricht über Menschenrechte, Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt und knüpft damit an republikanische Leitbegriffe wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit an. Die erwarteten großen Gottesdienste zeigen zugleich, dass öffentliche religiöse Mobilisierung trotz sinkender kirchlicher Bindung möglich bleibt.

Für Leserinnen und Leser in Frankreich und Europa dürfte entscheidend sein, wie weit Leo XIV. seine Kritik an Abtreibung und Sterbehilfe mit sozialen Fragen verbindet. Seine Auftritte in Paris, Lourdes und Metz geben ihm Gelegenheit, Lebensschutz, Migration, Frieden und Europas politische Verantwortung in einer gemeinsamen Botschaft zu verknüpfen. Der Besuch macht damit sichtbar, wie eng religiöse Deutung und gesellschaftliche Grundsatzfragen weiterhin miteinander verbunden sind.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Merkur: „Brigitte Macron geht zur Papst-Messe – ihr Mann nicht: Was hinter Macrons auffälligem Fernbleiben steckt“ (24.09.2026)

Der Bericht bestätige den politischen Empfang des Papstes durch Emmanuel Macron, hebe aber vor allem hervor, dass der Präsident an keiner Messe teilnehmen werde. Als mögliche Erklärung nenne er die französische Laizität und die bewusste Trennung diplomatischer und religiöser Termine; zugleich bleibe der genaue Grund offiziell offen.

Frankfurter Rundschau: „Macron bleibt Papstmesse fern – weil der Vatikan ihn abblitzen ließ“ (23.09.2026)

Der Artikel ordne die Distanz zwischen Élysée und Vatikan stärker als politischen Konflikt ein. Er schreibe, der Vatikan habe Macrons Einladungen abgelehnt und missbillige insbesondere die Verankerung des Abtreibungsrechts sowie das neue Sterbehilfegesetz; damit setze der Beitrag einen schärferen Akzent als der Bericht über die päpstliche Rede, deren Schwerpunkt auf Brüderlichkeit und Lebensschutz liege.

Beide Berichte bestätigten den großen öffentlichen Rahmen des Papstbesuchs und die politischen Begegnungen mit Macron. Unterschiede gebe es bei der Deutung von Macrons Fernbleiben von den Messen: Während der eine Beitrag institutionelle Rücksicht auf die Laizität betone, führe der andere dies vor allem auf Spannungen über bioethische Entscheidungen zurück.

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